Strukturverbessernde Maßnahmen sind am schon in weiten Teilen ökologisch durchgängigen Dünsener Bach geplant

Gewässer bekommt passendes „Mobiliar“

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Eine Info-Tafel klärt über die schon 2013 eingebauten Fischtreppen auf; strukturverbessernde Maßnahmen am Dünsener Bach sollen 2016 folgen. Von links: Bildhauer und Autor Franz Robert Czieslik, Ochtumverbandsgeschäftsführer Matthias Stöver, Verbandsvorsteher Heiko Stubbemann, Dirk Klemeyer vom Landvolkverband Mittelweser, Georg Schinnerer von der Unteren Naturschutzbehörde, Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft, Bernd Lehmann, Leiter der NLWKN-Betriebsstelle Sulingen, sowie Gewässerkoordinatorin Ira Zylka.

Gross Ippener/Dünsen - Von Jürgen Bohlken. Nachdem der Dünsener Bach 2013 mit Sohlgleiten zu weiten Teilen ökologisch durchgängig gemacht worden ist, sollen 2016 auf einem Abschnitt im Bereich einer dem Landkreis Oldenburg gehörenden Erlenbruchwaldfläche in der Ortslage Dünsen strukturverbessernde Maßnahmen an dem Fließgewässer folgen – vor dem Hintergrund der Zielvorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRR).

Vertreter des Ochtumverbands, des Landkreises, des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und des Landvolks Mittelweser haben das Projekt gestern der lokalen Presse im Skulpturenpark des Bildhauers Franz Robert Czieslik in Groß Ippener vorgestellt. Dort klärt, umgeben von Kunst, bereits eine Info-Tafel über Sinn und Zweck der in den Bach eingebauten Fischtreppen auf. Dazu habe nicht zuletzt Czieslik selbst den Anstoß gegeben, erwähnte Ochtumverbandsgeschäftsführer Matthias Stöver. Der Bildhauer war von Besuchern auf die vermeintlichen „Wasserspiele“ in dem Gewässer angesprochen worden. Er hatte Tafeln, auf denen nachzulesen ist, dass es sich dabei um Fischtreppen (Sohlgleiten) handelt, schon an der Delme wahrgenommen und angefragt, ob sich ein solches Schild nicht auch bei ihm realisieren ließe. Der Ochtumverband konnte sich mit dem Standort anfreunden. Czieslik sei inzwischen zusätzlich „gebrieft“, was er auf die Frage nach den „Wasserspielen“ erwidern solle, so Stöver.

Das Schild nimmt Bezug auf eine schon 2013 umgesetzte Maßnahme. „Damals haben wir für rund 360000 Euro im Dünsener Bach auf Gebiet der Landkreise Oldenburg und Diepholz 24 ehemalige Kulturstaus und Sohlabstürze umgebaut in Sohlgleiten, die der ökologischen Durchgängigkeit dienen“, erläuterte Stöver. Gleiches soll möglichst noch 2016 mit dem Pultern-Wehr geschehen sowie 2017 oder 2018 mit einem

Gewässer erbringt die

„Bauleistung“ selbst

weiteren größeren Sohlabsturz auf Delmenhorster Territorium – im Bereich des alten Mühlen-Ensembles beim „Gut Dauelsberg“. „Dafür laufen jetzt die planerischen Vorarbeiten“, sagte Stöver. Wenn auch diese Maßnahmen abgeschlossen sind, sei der Dünsener Bach komplett ökologisch durchgängig. Gewissermaßen unter dem „Schirm“ der „Gewässerallianz Niedersachsen“ läuft indes das für 2016 avisierte Strukturverbesserungsprojekt. Federführend begleitet es die Ingenieurin Ira Zylka, die seit Mitte Februar sowohl beim Ochtumverband als auch bei der Hunte Wasseracht angestellt ist. Als Gewässerkoordinatorin (landesweit sind neun solcher Stellen ausgeschrieben worden) soll die 28-Jährige die Umsetzung der WRR zielgerichtet unterstützen. „Die Strategie ist die, konzentrierter an entwicklungsfähigen Gewässern zu arbeiten. Und dazu zählt der Dünsener Bach. Er bietet sich aufgrund der schon umgesetzten Maßnahmen für eine Strukturverbesserung an. Die geschaffenen Sohlgleiten bewirken, dass wandernde Fischarten und Kleinstlebewesen den Weg hinauf schaffen. Jetzt müssen wir sozusagen noch für das passende ,Mobiliar‘ sorgen. Wir wollen dem Bach natürliches Hartsubstrat wiedergeben – in Form von Kies und Totholz. Aus diesen Materialien werden Strömungslenker entstehen, um einen pendelnden Stromstrich und ein mäanderndes Gewässer zu erreichen. Das Totholz wird in die Sohle eingebaut. Es wirkt wie eine Strömungsbarriere. Der Bach wird, so das Ziel, eingeengt und auf jene Fläche gelenkt, die jetzt dem Landkreis gehört“, erklärte Zylka. Die eigentliche „Bauleistung“ werde das Gewässer erbringen; es solle sich „selbst reinfressen ins Gelände“. Die Detailplanung hat Ira Zylka bereits erstellt. „Die Strukturverbesserung soll über den NLKWN gefördert werden. Der Antrag liegt schon in der Schublade. Den können Sie gleich mitnehmen“, merkte Matthias Stöver schmunzelnd in Richtung Bernd Lehmann, Leiter der NLWKN-Betriebsstelle Sulingen, an. „Die Ge-

„Zusätzlich ein kleines

Bildungsangebot“

wässerallianz ist ein Projekt des niedersächsischen Umweltministeriums. Dort sind verschiedene Projektpartnerschaften mit einigen Verbänden eingegangen worden. So auch mit dem Ochtumverband, der Träger dieser Maßnahme ist. Dem NLKWN obliegt wiederum die Projektsteuerung“, erläuterte Bernd Lehmann. „Die Wasserrahmenrichtlinie und die damit verfolgten Ziele sind bei den Wasser- und Bodenverbänden auf fruchtbaren Boden gefallen, wenngleich es durchaus Konflikte mit betroffenen Grundstücksnutzern gibt. Aber wir haben schon einiges erreicht und wollen mit allen Beteiligten – mit Anliegern, Verbänden und Förderern – weiterarbeiten, um noch etliches für unsere Gewässer hier in der Region zu erwirken“, äußerte sich Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft. „Zurzeit befassen wir uns mit dem Landschaftsrahmenplan. Und da sind Gewässer natürlich ein wichtiges Element“, sagte Georg Schinnerer von der Unteren Naturschutzbehörde. „Wir arbeiten gern mit dem Ochtumverband zusammen. Auch an der Delme, wo die Kooperation seit vielen Jahren sehr gut funktioniert“, ergänzte er.

Der Ochtumverband habe „über die Jahre“ wohl schon rund zwei Millionen Euro in die Gewässerrenaturierung investiert, schätzte Verbandsvorsteher Heiko Stubbemann.

Den Löwenanteil (90 Prozent) für die Strukturverbesserung des Dünsener Baches, eine Fließgewässerentwicklungsmaßnahme, trägt allerdings das Land. Der Ochtumverband erbringt die Planungsleistung und sitzt mit zehn Prozent Eigenanteil im redensartlichen Boot. Matthias Stöver schätzte die Gesamtkosten auf rund 50000 Euro. Ein Dankeschön richtete er an den NLKWN, der besagte Info-Tafel zu 60 Prozent gefördert habe, und zwar über die Gebietskooperation, wo Mittel für die Öffentlichkeitarbeit zur Verfügung stünden. „Damit haben wir nun hier neben der Kunst und der Natur ein kleines Bildungsangebot“, freute sich Bildhauer Czieslik.

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