Streitschlichter und Klassensprecher lernen Aufgaben und Kompetenzgrenzen kennen

„Selbsteinschätzung hat sehr gut geklappt“

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Geschicklichkeitsspiel mit Aha-Effekt: Ohne Teamwork kann der „Tower of Power“ nicht wachsen.

Horstedt/Harpstedt - „Es erfordert ein gewisses Vertrauen, ehe die Schüler offen vor den anderen sprechen können. Das hat sich hier in diesem Kreis ganz gut entwickelt“, resümierte Lehrerin Andrea Heemann gegen Ende eines zweitägigen Seminars, das sie am Dienstag und Mittwoch zusammen mit ihren Kolleginnen Stefanie Klein und Kathrin Brandhorst im Horstedter Tagungshaus „Mikado“ leitete.

Was der frühere Beratungslehrer und Schülervertretungs-Berater Adalbert Kirchhoff einst für die Grundschule Harpstedt angeschoben hatte, findet seither Jahr für Jahr eine Fortsetzung: Diesmal durchliefen zwölf Streitschlichter aus den vierten Klassen sowie 14 Klassensprecher aus den Jahrgangsstufen drei und vier das Seminar. Der Kurs machte sie fit für ihre Aufgaben, zeigte ihnen aber auch Kompetenzgrenzen auf und verlangte ihnen Teamfähigkeit ab. Ehe sie ihre Teilnahmeurkunden von der Schulleitung überreicht bekamen, mussten alle an verschiedenen Fäden und dabei zugleich im übertragenen Sinne an einem Strang ziehen: Streitschlichter und Klassensprecher stellten sich im Kreis auf. Jeder von ihnen nahm einen Faden eines Geflechts in die Hand, in dessen Mitte eine Metallschlaufe baumelte. Die galt es nach Absprachen untereinander gemeinschaftlich so zu bugsieren, dass die untere Querverstrebung in der Nut eines Holzblockes verschwand und sich der „Klotz“ anheben und auftürmen ließ. Nach und nach nahm der „Tower of Power“ Gestalt an. So hieß der Turm, den die Kinder Klotz für Klotz wachsen ließen.

Die eigenen Fähigkeiten selbst richtig einschätzen lernen – auch das gehörte zu den Seminarzielen. Dazu bediente sich die Leitung des „Sickinger Sterns“ zwecks schematischer Veranschaulichung. Jede Zacke stand für eine Fertigkeit. Dabei reichte das Spektrum von „zuhören können“ und „Vorbild sein“ bis hin zu „zuverlässig sein“. Die Zacken waren in verschiedene Felder unterteilt. Je nachdem, wie gut die Kinder glaubten, eine Fähigkeit zu beherrschen, malten sie davon eher wenige oder eher viele aus. „Dieses Mal haben sie sich erstaunlich gut eingeschätzt“, lobte Andrea Heemann und erntete zustimmendes Nicken ihrer Kolleginnen aus der Seminarleitung. So mancher habe sich beispielsweise selbst eingestanden, dass er lautes und deutliches Sprechen noch nicht so gut könne – und den entsprechenden Zacken dann beispielsweise nur zur Hälfte ausgemalt.

Der Leitung ging es zudem darum, den Kindern zu zeigen, dass sie mit der Funktion eines Klassensprechers oder Streitschlichters Verantwortung übernehmen, aber gleichwohl Grenzen nicht überschreiten dürfen. „Für Dinge wie den Schulsanitätsdienst sind sie eben nicht zuständig, haben sie gelernt, weil es dafür andere gibt, die diese Aufgabe wahrnehmen“, so Heemann.

„Die drei Säulen an unserer Schule aus Schülerrat, Streitschlichtern und Sanitätsdienst wurden erklärt, ebenso – anhand eines Modells – der Verlauf des Informationsflusses bis hinauf zur Schulleitung“, verriet Kathrin Brandhorst.

Etwas aus dem Seminar wird später im „Forum“ an die ganze Schülerschaft herangetragen, insbesondere der Ausgang der Wahlen zu Schüler- und Streitschlichtersprechern. Auch geltende Schulregeln, beispielsweise für die Pausen, kommen dann zur Sprache.

Die im Seminar geschulten Streitschlichter dürfen fortan anspruchsvollere Aufgaben übernehmen, die über den bloßen „Pausendienst“ hinausgehen. Will heißen: Sie sollen dann schon richtige Schlichtungsgespräche führen.

boh

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