Straßenzustand kaum mehr verantwortbar

Groß-Ippener-Weg bröckelt nach vergleichsweise mildem Winter zusehends vor sich hin

Welche Risiken und Gefahren „Krater“ an den Fahrbahnrändern für Rad- und Kradfahrer in sich bergen, vor allem in der Dunkelheit, lässt sich mit gesundem Menschenverstand unschwer erahnen. Foto: Bohlken
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Welche Risiken und Gefahren „Krater“ an den Fahrbahnrändern für Rad- und Kradfahrer in sich bergen, vor allem in der Dunkelheit, lässt sich mit gesundem Menschenverstand unschwer erahnen.

Kirchseelte - Von Jürgen Bohlken. Binnen zwei Minuten donnern am frühen Donnerstagmorgen neun Lkw in Kirchseelte über den Groß-Ippener-Weg, darunter auch Sandlaster. So weit, so unspektakulär. Fahrbahnen sind schließlich zum Befahren da. Das Problem: Diese Gemeindeverbindungsstraße (GVS) in der Baulastträgerschaft der Samtgemeinde Harpstedt ächzt längst unter jedem einzelnen schweren Fahrzeug, das darüber hinwegrauscht – vor allem an Tagen, an denen sie als Umleitungsstrecke herhalten muss, weil sich mal wieder auf der A1 der Verkehr staut.

Obgleich der Winter vergleichsweise milde ausfiel, haben sich die Schäden in den vergangenen Wochen und Monaten sichtbar verschlimmert. Das offenbart sich nicht nur an den tiefen Rissen im Asphalt, sondern ebenso in den Seitenräumen. Gefährliche Abbruchkanten haben sich streckenweise in noch gefährlichere „Krater“ verwandelt. Jeder Fahrrad- oder Kradfahrer, der hier in der Dämmerung oder in der Dunkelheit unterwegs ist, sollte tunlichst ortskundig sein – und wissen, wo genau welches Loch zu umfahren ist. Andernfalls drohen Stürze und Verletzungen.

SPD-Samtgemeinderatsherr Uwe Kräkel hat den Verfall des Groß-Ippener-Weges von Kirchseelte bis zum Bundeswehrschießstand in Groß Ippener seit längerer Zeit im Visier. Ja, die Straße sei über den Winter noch schlechter geworden, bestätigt er. Auffällig sei vor allem – vom Kirchseelter Bahnhof kommend – die scharfe Linkskurve: „Da sind inzwischen mehr Löcher drin als alles andere“, urteilt der Ratsherr über den Ist-Zustand. Dass die Gemeindeverbindungsstraße noch zwei Winter übersteht, ehe sie – vielleicht – grundsaniert wird, kann er sich kaum vorstellen. Angesichts der Auflösungserscheinungen bliebe von der Fahrbahn nicht mehr allzu viel übrig, ahnt Kräkel, seines Zeichens Inhaber eines Garten- und Landschaftsbaubetriebs mit Betriebshof in Kirchseelte.

Nach seiner Ansicht müsste die Samtgemeinde Harpstedt als Baulastträger schon vor der Grundsanierung die schlimmsten Fahrbahnschäden beheben. Die Straße heute noch mit dem Fahrrad zu befahren, hält er für nicht ratsam. Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse widerspricht ihm in diesem Punkt keineswegs. Die GVS weise „strukturelle Schwächen“ auf, so der Verwaltungschef auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Seitenstreifen würden immer mal wieder aufgefüllt, teils von Sandabbauunternehmen. Das halte allerdings nur sehr kurzzeitig.

Noch in diesem Jahr soll ein kürzerer, weniger schadhafter Bereich des Groß-Ippener-Weges eine Oberflächenbehandlung erhalten – eine präventive Maßnahme, um auf diesem Abschnitt einer Verschlechterung des Zustandes entgegenzuwirken.

Abzuwarten bleibt, ob die Samtgemeinde für die Grundsanierung/Überbauung Fördermittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz erhält. Die Entscheidung über die beantragte Aufnahme in das Mehrjahresprogramm soll im Sommer fallen. „Das ist nicht aussichtslos, aber auch kein Selbstläufer“, weiß Wöbse. Immerhin hält die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Grundvoraussetzungen für eine Förderung für erfüllt: Die Straße muss auf mindestens fünfeinhalb Meter Breite ausgebaut werden (tatsächlich avisiert sind sogar sechseinhalb Meter); es darf dort weder eine Tempo-30-Zone noch ein Lkw-Durchfahrtverbot noch eine Tonnagebegrenzung geben.

Ein flüchtiger Blick auf dieses Bild könnte vermuten lassen, hier sei Kopfsteinpflaster verlegt. Tatsächlich handelt es um ein völlig von Rissen durchzogenes Stück Schwarzdecke des Groß-Ippener-Wegs.

Als Indiz für die überörtliche Bedeutung der GVS kann ihre sehr beachtliche Frequentierung herhalten: Den Ergebnissen einer einwöchigen Verkehrszählung vom vergangenen Herbst zufolge befahren täglich rund 1100 Fahrzeuge den Groß-Ippener-Weg. Gut ein Fünftel davon (21,4 Prozent) ist dem Schwerlastverkehr zuzurechnen.

Selbst wenn der Ausbau –wie erhofft – 2021 kommt, erweist er sich für die Samtgemeinde als außerordentlich kostspielige Angelegenheit. Bei Fördermitteln in Höhe von rund 2,1 Millionen Euro verblieben immer noch geschätzte 1,4 Millionen Euro bei der Kommune als Baulastträger. Die Planungskosten kommen noch oben drauf, und auch die fallen mit grob veranschlagten 220 000 Euro üppig aus. Die immensen Aufwendungen sind nicht zuletzt der langen Ausbaustrecke – immerhin 3,4 Kilometer – geschuldet.

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