Petra Fischer aus Beckeln näht Mund-Nase-Masken

Stoffreserve hilft in Krisenzeiten

Farbe gegen die düstere Stimmung: Aus bunten Stoffen näht Petra Fischer ehrenamtlich Masken für Pflegepersonal, Taxifahrer und ihre Familie. Fotos: Fischer
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Farbe gegen die düstere Stimmung: Aus bunten Stoffen näht Petra Fischer ehrenamtlich Masken für Pflegepersonal, Taxifahrer und ihre Familie.

Beckeln – „Ich habe eine riesengroße Stoffreserve zu Hause, die baue ich jetzt ab“, erzählt Petra Fischer. Die 55-Jährige aus Beckeln hat vor gut zwei Wochen damit begonnen, Masken zum Schutz von Mund und Nase zu nähen. Inzwischen sind es mehr als 70 Stück.

In der aktuellen Coronakrise zeigt sich, dass eine gute Tat die nächste motivieren kann – so war es auch in Fischers Fall. Über die vor mehr als zwei Wochen gegründete Facebookgruppe „Wildeshausen hilft“ habe eine Bekannte Unterstützung bekommen, berichtet die Beckelnerin. So sei sie selbst auf die Initiative aufmerksam geworden und habe ebenfalls dazu beitragen wollen. Da Fischer bereits seit Langem mit der Nähmaschine arbeitet, sei die Produktion von Mund-Nase-Masken für sie am naheliegendsten gewesen, erzählt sie. Der erste Auftrag, den sie in Absprache mit „Wildeshausen hilft“-Administratorin Kathrin Siegmund übernahm, waren 13 Masken für Mitarbeiterinnen im Einzelhandel.

Eine Anleitung zu finden, sei kein Problem gewesen, sagt die 55-Jährige: „Auf Facebook gibt es ganz viele Schnittmuster.“ Mehrere Versuche habe sie gemacht, die Entwürfe Probe getragen und überlegt, was für die Herstellung wichtig ist: „Ich will sie schon stabil machen.“ 

Die aktuelle Vorlage, mit der Fischer arbeitet, besteht aus Baumwolle, die sie in zwei bis drei Lagen übereinander näht. Außerdem sei eine Tasche vorgesehen, in die ein Stück Vlies eingelegt werden könne, um die Durchfeuchtung der Maske zu verhindern. Zusätzlich setzt die Beckelnerin ein Stück Pfeifenreiniger ein, damit der Stoff an der Nase passgenau sitzt. Das sei zum Beispiel für Menschen, die eine Brille tragen, wichtig, erläutert Fischer. Andernfalls würden die Gläser durch den Atem beschlagen.

Kein Ersatz für medizinische Fachausrüstung

Da sie in ihrem Fundus vor allem bunte Stoffe hat, haben die Masken, die die 55-Jährige näht, wenig mit der weißen Schutzausrüstung des medizinischen Personals gemein. Gerade in einer „traurigen Zeit“ wie dieser sei das sicher nicht verkehrt, findet sie. Zudem seien die Produkte trotzdem bei 95 Grad waschbar oder könnten sogar gekocht werden. Trotz alledem: Ein Ersatz für medizinische Fachausrüstung seien die Stücke auf keinen Fall. Sie dienten lediglich dazu, eine mögliche eigene Infektion nicht weiterzuverbreiten.

Fischers ehrenamtliche Arbeit kommt verschiedenen Menschen zugute: Taxifahrer, Arztpraxen und das Seniorenheim vor Ort haben bereits eine Spende von ihr erhalten. „Die Masken von gestern waren für die Familie, die jetzt gehen per Post in den Taunus“, berichtet die Beckelnerin. 24 Stück habe sie am Sonntag genäht, neun Stunden habe sie dafür gebraucht. Ein freiwilliger Arbeitstag – ein regulärer fehlt der 55-Jährigen derzeit.

Zwei Tage, bevor wegen der Coronakrise in Deutschland Geschäfte schließen mussten, hatte sie eine Stelle in einem Stoffladen angetreten. Nun steht Fischer mit den neuen Kolleginnen immerhin in engem Austausch und gibt ihnen Tipps für das Nähen von Masken. Wenn alles vorbei ist, sagt sie, möchte sie gern wieder dort arbeiten, Nähkurse geben und kleinere Auftragsarbeiten annehmen.

Mund-Nase-Masken

Die Mund-Nase-Masken, die derzeit viele Menschen zu Hause nähen, sollen dabei helfen, andere vor einer Infektion zu schützen. Die Idee: Der Stoff fängt Flüssigkeit auf, die beim Sprechen oder Atmen ausgestoßen wird. Diese Masken sind etwa für Pflegepersonal geeignet und müssen nach jedem Gebrauch gewaschen werden. Für Menschen, die direkt mit Covid-19-Infizierten zu tun haben, sind hingegen Atemschutzmasken nötig. Diese gelten als medizinisches Produkt und können nicht privat hergestellt werden.  

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