Gespräch mit Parlamentariern

Was tun gegen Überbeanspruchung des Groß-Ippener-Wegs?

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In die Örtlichkeiten mussten sich die Abgeordneten Susanne Mittag (3.v.r.) und Christian Dürr (2.v.l.) erst einmal hineindenken. Das Bild zeigt sie an der Seite von Marion Vosteen (Wahlkreisbüro Dürr), Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark, Samtgemeinderatsherr Uwe Kräkel, Ratsherr Gerfried Holthusen (Gemeinde Kirchseelte) und Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse (von links).

Kirchseelte/Groß  Ippener - Von Jürgen Bohlken. Was tun, um die völlige Überbeanspruchung des Groß-Ippener-Weges als Ausweichstrecke bei Staus auf der A1 zu unterbinden? Eine Tempobegrenzung auf 50 oder gar 30 km/h für diese Gemeindeverbindungsstraße (GVS) ließe sich wohl nicht bei der Straßenverkehrsbehörde durchsetzen.

Ein Lkw-Durchfahrtverbot könnte Sinn machen, wenn es sich auf den überörtlichen Schwerlastverkehr begrenzen ließe. Die Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (SPD) und Christian Dürr (FDP) rangen am Freitag im Gespräch mit Kommunalpolitikern um Lösungen. Den „Stein der Weisen“ fanden sie aber nicht. Beim zweiten Thema des Gespräches, den beiden holprigen, gepflasterten Teilstücken im Verlauf der Dorfstraße (L 338) in Kirchseelte, hatte der Bau- und Planungsausschuss schon am Vorabend Nägel mit Köpfen gemacht: Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr soll mit der Instandsetzung dieser Fahrbahnabschnitte der Verkehrssicherungspflicht nachkommen. „Das ist nur die zweitbeste Lösung, aber immerhin eine Lösung“, lautet der Standpunkt von Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark.

Gesamtkosten bei mindestens 100 .000 Euro

Verabschiedet hat sich die Gemeinde bis auf Weiteres von der Absicht, eine durchgängige Asphaltierung zu erwirken. Dafür bedürfte es eines Lärmgutachtens und eines Planfeststellungsverfahrens. Die Gesamtkosten lägen laut Stark bei mindestens 100 .000 Euro. Und ob die Gemeinde mit dieser „Investition“ ihr Ziel überhaupt erreichen würde, ist völlig offen.

Vor allem der Abschnitt in Höhe Niehaus/Holthusen gilt als marode. Das Pflaster ist wellig, teils abgesackt. Steine lassen sich problemlos herausnehmen oder fehlen bereits. Regelmäßig verlieren Fahrzeuge auf der „Buckelpiste“ Radkappen, seltener Spiralfedern. Der Lärm, den Lkw, vor allem leere, auf dem Pflaster verursachen, bringt Anwohner um ihren Schlaf. Die Erschütterungen lassen schon mal Gläser aus Regalen fallen und sollen sogar Risse in Bausubstanz verursacht haben. Die planfestgestellten Pflasterstücke sind noch nicht mal uralt. Sie waren aber gleichwohl ein Zugeständnis an den Denkmalschutz, mit dem die Kirchseelter trotz aller Hinweise auf die negativen Begleiterscheinungen und die beeinträchtigte Verkehrssicherheit nunmehr seit Jahrzehnten leben müssen. Die Wurzel allen Übels verortet Christian Dürr beim Landesamt für Denkmalschutz.

Als mindestens genauso knifflig erwies sich das Thema Groß-Ippener-Weg. Dass die Großbaustelle auf der A1 Ende Oktober Geschichte sein soll, verwies Samtgemeinderatsherr Uwe Kräkel (SPD) ins Reich der Illusionen. Sie wandere nur weiter in Richtung Bremen. „Vor 2022 werden wir sie nicht los. Darauf könnt ihr wetten“, sagte Kräkel. Seine Meinung: Es mache immer noch mehr Sinn, den Umfahrungsverkehr über Groß Ippener, Harpstedt, Dünsen und Kirchseelte zu leiten – über Landesstraßen, die eine solche Beanspruchung verkraften könnten. Kräkels Empfehlung für den Groß-Ippener-Weg: Zumachen für den Schwerlastverkehr! Andernfalls sei absehbar, dass es „hier richtig scheppert“. Die aktuelle Situation auf der GVS sei jedenfalls lebensgefährlich. „Menschenleben können wir mit nichts ersetzen“, mahnte Kräkel.

Das nervige Pflaster im Verlauf der L 338 bleibt, soll aber instandgesetzt werden. - Foto: Bohlken

Konsens war, dass ein durchgehender sechsspuriger Ausbau der A1 zwischen den Dreiecken Stuhr und Ahlhorn Entlastung brächte. Der Bund stuft dieses Vorhaben aktuell aber nur unter der Rubrik „weiterer Bedarf“ ein. Der Befürchtung von Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, der sechsspurige Ausbau werde wohl noch 20 bis 30 Jahre auf sich warten lassen, widersprach Susanne Mittag: „So weit entfernt ist das nicht mehr.“ Bei der Aktualisierung des Bundesverkehrswegeplans (2025) könne die Maßnahme im günstigen Fall in den „vordringlichen Bedarf“ rutschen. Christian Dürr regte an, Kontakt mit dem Verkehrsminister aufzunehmen, um zumindest eine „wasserdichte Planung“ für den sechsstreifigen Ausbau zu erwirken, die zu gegebener Zeit aus der Schublade gezogen werden könnte.

Für den Groß-Ippener-Weg schlug Mittag vor, den aktuellen Zustand der GVS und – mithilfe eines modernen, auch ausleihbaren Zählgerätes – die Frequentierung zu dokumentieren, denn: „Eine gewisse Faktenlage für die Argumentation hilft immer.“

Was die Gewährung etwaiger Mittel nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) angehe, so sei es nicht entscheidend, ob die Ursache des schlechten Zustands „von den Sandtransporten, vom Autobahn- oder Durchgangsverkehr“ herrühre, so Herwig Wöbse. Nach Dürrs Kenntnisstand käme dieser Topf für Sanierungsmaßnahmen ohnehin wohl nicht in Betracht.

Berufsfeuerwehr für die Autobahn?

Mit Blick auf eine denkbare Straßensperrung für Lkw seien Wechsel- und Folgewirkungen zu berücksichtigen, betonte Wöbse. Schon jetzt sei es in Groß Ippener ein zunehmendes Problem, dass sich der Lastwagenverkehr über Birken- und Mühlenweg in Richtung Siek schlängele. Würde in Kirchseelte die GVS dichtgemacht, so seien vielleicht andere die Leidtragenden. Der Verkehr flösse womöglich dann über Straßen, „die noch deutlich schlechter sind“. Zur Sprache kam auch die mittlerweile hohe Zahl der Feuerwehreinsätze – nicht zuletzt bedingt durch Hilfeleistungen nach Unfällen auf der Autobahn. Wenn freiwillige Brandschützer mehrmals wöchentlich oder sogar täglich ausrücken müssen, sehen das deren Arbeitgeber naturgemäß nicht gerade gern. Aus Feuerwehrkreisen lässt sich daher mittlerweile vernehmen, der Bund möge als Träger der Autobahnen etwas zur Entlastung der Einsatzkräfte tun. Wöbse sprach Hoffnungen in Richtung hauptberufliche Autobahnfeuerwehr an. „Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin“, erwiderte Dürr.

Wenngleich die meisten Fragen offenblieben, fand Klaus Stark das parteiübergreifende, sachorientierte Gespräch mit den Parlamentariern erfrischend und dankte den Teilnehmern. Den Anstoß dafür hatte SPD-Samtgemeinderatsherr Klaus Budzin gegeben – mit einem Schreiben an alle drei hiesigen Bundestagsabgeordneten. Astrid Grotelüschen (CDU) hatte sich unlängst bereits schriftlich zum Thema Groß-Ippener-Weg erklärt.

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