„Da steckt Leben drin“

Mehr als 70 Besucher beim Vortrag zum Thema Blühflächen in Harpstedt

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Die Blühflächen bieten den Tieren Schutz und Nahrung und wirken dem Insektensterben entgegen.

Harpstedt - Von Alina Pleuß. Die Resonanz am Mittwochabend im Hotel „Zur Wasserburg“ in Harpstedt war so überwältigend, dass kurzerhand mehr Raum gebraucht wurde: Mehr als 70 Personen waren zu der gemeinschaftlichen Veranstaltung „Harpstedt blüht auf“ vom Naturschutzbund (Nabu) und dem Landvolk Weser-Ems gekommen. Der Referent, Anbauberater Wolfgang Jerebic, klärte die Besucher rund um das Thema Blühflächen in der Samtgemeinde Harpstedt auf.

„Das Insektensterben ist mittlerweile in aller Munde. Heute wollen wir aber keinen Verantwortlichen dafür finden, sondern positive und zukunftsgerichtete Sichtweisen zu dieser Problematik besprechen“, erklärte Eva Heinke, Sprecherin der Nabu-Ortsgruppe Harpstedt. Im Fokus stand daher die Blühfläche als eine Möglichkeit, dem Insektensterben entgegenzuwirken. Die Areale, die den Tieren Schutz und Nahrung bieten, sind sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten und auf öffentlichen Grünflächen zu finden, erklärte Jerebic während seines Vortrags. „Ungefähr 100 Hektar an Wildäckern und Blühflächen sind aktuell in der Samtgemeinde Harpstedt vorhanden.“

Im landwirtschaftlichen Rahmen gab es in der Region bereits viele Versuche, unterschiedliche Blühmischungen auszusäen. 2009 startete Jerebic mit der Aussaat von Wickroggen als Ergänzung zum Mais. Ein 15 Meter breiter und 400 Meter langer Blühstreifen am Wunderburger Weg in Harpstedt folgte 2011. Im Laufe der Jahre ergänzten unter anderem Zweitfrucht-Getreide-Versuche sowie Zwischenfruchtmischungen das Unterfangen. Und auch in diesem Jahr habe man wieder Pläne: Auf der Fläche am „Dreiangel“ sollen erneut Versuche zu Zwischenfrüchten, Mais und Blühmischungen stattfinden.

Dass wirklich jeder aktiv werden kann, betonte Jerebic. Er selbst hatte im vergangenen Jahr im Rahmen einer Nachbarschaftsaktion im Neubaugebiet einen Blühstreifen angepflanzt. „Diese Flächen sehen nicht nur schön aus. Da ist Leben drin“, sagte Jerebic. Um die Auswirkung einer Blühfläche zu verdeutlichen, berichtete er von einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2011. Zunächst beobachtete man das Vorkommen von Bienen auf einem Ackerrandstreifen, der lediglich mit Gras bewachsen war. Sieben verschiedene Bienenarten und 30 einzelne Exemplare wurden gezählt. Nachdem dort eine Blühfläche angepflanzt worden war, zählte man ein Jahr später zwölf verschiedene Arten und rund 700 einzelne Bienen. „Je umfangreicher die Flächen sind, umso mehr Vielfalt entsteht“, so Jerebic.

Anbauberater Wolfgang Jerebic, Eva Heinke (Nabu-Sprecherin der Ortsgruppe Harpstedt) und Lüder Wessel (Landvolk Weser-Ems, v.l.) freuten sich über die gute Resonanz am Mittwochabend.

Ideal wäre es, wenn sich die Bürger bei dem Thema unterstützen: „Vielleicht weiß der eine, wie so ein Areal angelegt und die Mischungen ausgesät werden müssen. Dafür weiß der andere, was gepflanzt werden muss, um bestimmte Insekten anzulocken.“ Ein regionaler Dialog sei wichtig. Das unterstrich Sabina Dalg-Vinken vom „freiraum“, die die Aktion „Blütenmehr in Harpstedt“ vorstellte (wir berichteten) und zu einer Infoveranstaltung rund um Saatgut am Freitag, 2. März, ab 15 Uhr, Freistraße 1, einlud.

Im anschließenden Austausch ging Jerebic auf die Fragen der Besucher ein. Beispielsweise erkundigte sich ein Mann aus dem Publikum, ob es nur einjährige Mischungen gebe. „Nein, man kann auch mehrjährige verwenden. Das gestaltet sich privat einfacher als in der Landwirtschaft. Da kommen einem oft die EU-Regelungen ins Gehege“, erklärte Jerebic. Auf die Frage, ob schon Versuche mit Wildkräutern statt mit Kulturpflanzen unternommen wurden, gab der Harpstedter die Antwort: „Ich habe da Erfahrungen gemacht. Aber auf Ackerflächen kann es passieren, dass Samen, die in der Mischung sind, Probleme bereiten, sodass man die Pflanzen später mit der Harke wieder rausziehen muss.“

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