Abnahmefahrt erfolgreich verlaufen

Stählernes Zugpferd kommt nach Aufarbeitung wie neu daher

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Bei Kirchseelte entstand am 28. Oktober diese Aufnahme von der erfolgreich gemeisterten Abnahmefahrt der Diesellok 222 „unter Last“.

Harpstedt - Den 28. Oktober werden die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF) sicher als „großen Tag“ für ihre nunmehr wie neu anmutende Lok 222 in Erinnerung behalten, weil die Abnahmefahrt zwischen Harpstedt und Groß Mackenstedt erfolgreich verlief. Damit darf die Rangierlok vom Typ Kö II nach fast 40 Jahren Zwangspause ab sofort wieder auf die Strecke.

Neu ist die Dieselkleinlok natürlich nicht. Das wäre bei einer Museumsbahn ja auch höchst ungewöhnlich. Das 1935 erbaute „Stahlross“ nutzte die Wehrmacht während der NS-Diktatur im Dienste der Munitionsanstalt (Muna Dünsen) für Munitionstransporte. Dabei verkehrte die Lok wohl gelegentlich auch auf den Gleisen der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE). 

Nachdem sie kurz vor Kriegsende eine Sprengung schwer beschädigt „überlebt“ hatte, ging sie – erfolgreich repariert – erst zur Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn und dann zur Firma Rethe-Speicher nach Hamburg, bis sie 1979 aufs Abstellgleis geschoben wurde.

„Als Denkmal- und Spielplatzlok diente sie später dem Fußballklub Hamburg-Wilhelmsburg. Dort entdeckten wir sie zufällig und erwarben sie 1994 in einem Tauschgeschäft“, berichtet der stellvertretende Vereinsvorsitzende der DHEF, Torben Kluwe.

So gelangte das „Zugpferd“ zwar wieder in die alte Heimat, aber erst 2007 gab es mithilfe der Delmenhorster Beschäftigungsfirma Neue Arbeit gGmbH einen ersten Anlauf zur – zunächst äußerlichen – Aufarbeitung. 2009 kam die Lok als glänzendes, aber noch motor- und getriebeloses „Denkmal“ zurück nach Harpstedt.

In den folgenden Jahren verstärkte sich bei den Eisenbahnfreunden der Wunsch, aus dem Schauobjekt wieder eine einsatzbereite Rangierlok zu machen. „Der entscheidende Anstoß, die Betriebsfähigkeit herzustellen, resultierte aus dem eher zufälligen Erwerb einer alten DDR-Kleinlok, die als Ersatzteilspender diente und ein passendes Getriebe hatte“, erinnert sich Kluwe.

Zwischen 2013 und Herbst 2018 gab es dann viel zu tun für die ausschließlich ehrenamtlich in der Werkstatt tätigen Vereinsmitglieder der DHEF: Ein passender Motor musste gefunden und das Getriebe eingebaut werden. Immer wieder traten unerwartete Probleme bei der Reaktivierung des alten Fahrzeugs auf. Und stets fanden sich dafür Lösungen. Die Museumsbahner mussten allerdings sehr oft „Zwangspausen“ einlegen und wichtigeren Dingen Priorität einräumen – so etwa Hauptuntersuchungen an Personenwagen oder der Reparatur der Dampflok Nummer zwei.

Nun aber ist die historische Lokomotive wieder einsatzbereit. Künftig soll sie die Diesellok Nr. 7 des Vereins entlasten, für deren Motor im Ernstfall kaum noch Ersatzteile zu bekommen sind.

Zusammen mit den Museumsbahnern wünschen sicher auch viele Sympathisanten der DHEF der „222“ allzeit gute Fahrt.

eb/boh

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