Heinz Freye vom Geflügelzüchterverband

„Sorgen machen bringt auch nichts“

Fünf Geflügelarten hat Heinz Freye auf seinem Hof in Iserloy. Für die Tiere bedeute die Aufstallpflicht vor allem Stress, sagt er.
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Fünf Geflügelarten hat Heinz Freye auf seinem Hof in Iserloy. Für die Tiere bedeute die Aufstallpflicht vor allem Stress, sagt er.

Harpstedt/Iserloy – Heinz Freye, Vorsitzender des Harpstedter Geflügelzuchtvereins, hat nicht lange gewartet: Bereits am Donnerstag, als die ersten Berichte über eine kommende Aufstallungspflicht erschienen, ließ er seine Tiere nicht mehr nach draußen. Zwerg- und Steinhühner, Chinesische Zwerg- und Kalifornische Schopfwachteln sowie Diamanttauben hat Freye auf seinem Hof in Iserloy. Insgesamt sind es zwischen 70 und 80 Stück Geflügel, sagt er.

In diesem Jahr hat er wegen der Coronakrise keine einzige Schau besucht, auch sein eigener Verband hat die Veranstaltung abgesagt. Die Auflagen seien sehr umfangreich, begründet Freye. „Dafür halte ich den Kopf nicht hin.“ Der nächste Termin: November 2021.

Doch nun droht neben der Covid-19-Pandemie noch ein anderes Virus: H5N8, die Geflügelpest, breitet sich auch in Deutschland und Niedersachsen aus. Dass die Tiere im Landkreis Oldenburg nun zum Schutz in den Ställen bleiben müssen, um nicht durch möglicherweise infizierte Wandervögel angesteckt zu werden, sieht er mit einer gewissen Gelassenheit. „Wenn‘s kommt, dann kommt‘s. Sorgen machen bringt auch nichts“, findet der Iserloyer. Er habe bereits damit gerechnet. Die Situation beobachte er beständig. Außerdem ist die Maßnahme weder für ihn noch für seine Vereinskollegen etwas Neues: In den etwa 30 Jahren, die er bereits Geflügel hält, sei das schon häufiger vorgekommen. Vor vier Jahren, im Winter 2016/17, war die Situation im Landkreis, ausgehend von der Gemeinde Dötlingen, so schlimm wie noch nie: Von November bis Mai gab es immer wieder Ausbrüche, tausende Tiere mussten getötet und Höfe unter Beobachtung gestellt werden.

Desinfektionsmittel und Extra-Schuhe

Nun müssen erst einmal Schutzvorkehrungen getroffen werden. Am Eingang von Freyes Stall stehen eine Desinfektionswanne sowie ein paar Schuhe. Das sei wichtig, um keine Keime von draußen hereinzutragen, erklärt der Iserloyer. Für die Tiere, die nicht mehr ins Freie dürften, bedeute die Aufstallpflicht vor allem Stress, sie würden unruhig. Zusätzliches Grünfutter wie Karotten, Salat oder Kartoffeln soll den drohenden Vitaminmangel ausgleichen. Und für Wassergeflügel sei die Lage besonders unangenehm: Deren Bedürfnis nach einem kleinen Bad draußen könne im Stall nicht befriedigt werden, sagt Freye. „Im Moment sind wir gebunden.“ Er rechnet nicht damit, dass die Tiere vor Ende März, wenn die Zugvogelsaison endet, wieder hinaus dürfen.

Wenn es ganz schlimm kommt und ein Zuchtbetrieb eine Infektion meldet, sei es erst einmal vorbei, kommentiert der Iserloyer: „Man muss dann sehen, dass man ganz vorne wieder anfängt.“ Es gebe zwar eine Entschädigung für getötete Tiere, die auch höher sei als für Mastbetriebe – aber dafür könne kein Züchter wieder kaufen, was er vorher gehabt habe.

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