Eigentümer nennt Gerüchte um angebliche Rockerkneipe „geschäftsschädigend“

Sorge um Zukunft des „Landhauses Dünsen“

Was wird aus dem „Landhaus Dünsen“? Der neue Eigentümer verbittet sich geschäftsschädigende Gerüchte.
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Was wird aus dem „Landhaus Dünsen“? Der neue Eigentümer verbittet sich geschäftsschädigende Gerüchte.

Dünsen – Die mit milchiger Folie abgeklebten Scheiben wirken fast wie ein Symbol für die momentan undurchsichtige Zukunft des „Landhauses Dünsen“. Was wird daraus? Eventgastronomie, auch für Biker, mit Gasthaus-Mietmöglichkeit für private Anlässe? Oder „Rockerkneipe“ und „Hells-Angels-Treffpunkt“, wie besorgte Einwohner befürchten?

Der neue Eigentümer aus Bremen verbittet sich geschäftsschädigende „Mutmaßungen, die auf Gerüchten basieren“, zumal weder gegen ihn selbst noch gegen einer seiner Betriebe ermittelt werde. Jeder, so kündigt er an, werde das „Landhaus Dünsen“ für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage mieten können. Zudem seien Oldtimer-Treffen und Bikerfrühstück geplant. Zur Eröffnung würden auch Dünsens Bürgermeister und Rat eingeladen.

Nach Kenntnis unserer Zeitung gibt es einen Bauantrag für das „Landhaus“. Der sieht Umbauten im Rahmen dessen vor, was im Vorfeld einer Neueröffnung zu erwarten ist. Der neue Eigentümer soll ein einwandfreies Führungszeugnis vorgelegt haben.

Die Polizei Delmenhorst hat Kenntnis von dem Verkauf und von einer möglichen zukünftigen Verbindung in das Rockermilieu.“

Auszug aus der Stellungnahme der Polizeiinspektion zur Veräußerung des „Landhauses Dünsen“ und dem neuen Eigentümer.

Also alles ganz harmlos? Gelegentlich Harley-Davidson-Fahrer vor der Tür, aber kein Grund zur Beunruhigung? Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch sieht das offenkundig etwas anders. Sie hat nach eigenem Bekunden Kenntnis vom Verkauf des „Landhauses Dünsen“ und dem neuen Eigentümer sowie „einer möglichen zukünftigen Verbindung in das Rockermilieu“. Bislang gebe es aber „keine polizeiliche Handhabe“. Präziser wird’s nicht in der Stellungnahme.

Die Behörden sind jedenfalls auf der Hut. In einem Arbeitskreis „Rocker“ aus Landkreis-, Samtgemeinde-, Gemeinde- und Polizeivertretern ist nach Kenntnis unserer Zeitung recht drastisch dargelegt worden, was passieren könnte, wenn das Rockermilieu in Dünsen Fuß fassen sollte. Die Gesprächsinhalte seien vertraulich und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, merkt dazu die Polizeiinspektion an.

Polizei äußert sich wenig konkret

Ansonsten widmet sie sich in ihrer Stellungnahme auf sehr konkrete Fragen unserer Zeitung ausschweifend, aber allgemein, ohne einen erkennbaren Bezug zu Dünsen, der Rockerkriminalität als Bekämpfungsschwerpunkt, die ein entschiedenes Vorgehen erfordere: Die Polizeidirektion Oldenburg habe zu diesem Zweck eine „strategisch-taktische Rahmenkonzeption“ entwickelt. Die werde auch von der Inspektion konsequent umgesetzt.

Szenetypisch für Rockergruppierungen sind laut Polizei Betäubungsmittel-, Waffen- und Erpressungsdelikte sowie Menschenhandel. Die Banden gingen zum Teil mit „gravierender Brutalität“ vor. Auf kommunaler Ebene arbeite die Polizeiinspektion sehr eng mit der Stadt Delmenhorst und den Landkreisen in ihrem Zuständigkeitsbereich „sowie anderen Sicherheitsbehörden“ zusammen. Erkenntnisse über Rockergruppierungen würden fortlaufend bewertet „und alle zur Verfügung stehenden strafprozessualen sowie polizei- und verwaltungsrechtlichen Möglichkeiten (...) ausgeschöpft“. Den Einsatz eines „szenekundigen Beamten“ verschweigt die Polizei nicht.

„Landflucht“ hat eingesetzt

In Großstädten stehen Rockergruppierungen zunehmend unter Fahndungs- und öffentlichem Druck. „Landflucht“ hat längst eingesetzt: Die Behörden beobachten mit Sorge, dass etwa die Hells Angels ihre Fühler auch in ländlichen Regionen Niedersachsens ausstrecken.

In Bremen sind sie schon seit 2013 per Verfügung komplett verboten. Im vergangenen Jahr scheiterte der Rockerclub mit einem Versuch, das Verbot auf juristischem Wege außer Kraft setzen zu lassen. Er hatte es dem Oberverwaltungsgericht leicht gemacht, die Klage abzuweisen. Die Hells Angels hatten sich nämlich offiziell bereits aufgelöst, traten aber gleichwohl als Kläger auf. Eine nicht mehr existente juristische Person aber hat keine Klagebefugnis.

Bleibt zu hoffen, dass die alteingesessene Gaststätte in Dünsen tatsächlich von Auswüchsen des Rockermilieus verschont bleibt und sich das gastronomische Konzept des neuen Eigentümers in einem mit der dörflichen Gemeinschaft kompatiblen Rahmen bewegt. Dünsens Bürgermeister Hartmut Post ahnt gleichwohl: „Eine traditionelle Dorfgaststätte, wie wir sie bislang kannten, wird das wohl nicht wieder.“

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