Präsenzunterricht: Sorge schwingt mit

Was, wenn zu viele zeitgleich erkranken?

Noch während der Amtszeit des früheren Samtgemeindebürgermeisters Herwig Wöbse (rechts neben Grundschulkonrektor Woldemar Schilberg) waren mobile Luftfilter für die Harpstedter Schulen angeschafft worden. Das Erfordernis, die Klassenzimmer auch bei Minusgraden regelmäßig zu lüften, besteht indes weiterhin. Grundschulleiter Ufke Janssen hält stationäre Geräte mit Frischluftzufuhr und Abluftabfuhr für geboten.
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Noch während der Amtszeit des früheren Samtgemeindebürgermeisters Herwig Wöbse (rechts neben Grundschulkonrektor Woldemar Schilberg) waren mobile Luftfilter für die Harpstedter Schulen angeschafft worden. Das Erfordernis, die Klassenzimmer auch bei Minusgraden regelmäßig zu lüften, besteht indes weiterhin. Grundschulleiter Ufke Janssen hält stationäre Geräte mit Frischluftzufuhr und Abluftabfuhr für geboten.

Harpstedt – Dass nach dem Ende der Weihnachtsferien weiterhin in Präsenz unterrichtet wird, hält Ufke Janssen, Rektor der Grundschule Harpstedt, für richtig, und das sehen nach seiner Einschätzung auch die Lehrkräfte so. „Wir können gut damit leben“, sagt er. Gleichwohl sorgt sich der Schulleiter angesichts der stark ansteigenden Inzidenz in der Coronakrise.

Er teilt die gleichen Ängste, die sich aus Altenheimen, Krankenhäusern, Polizei, Feuerwehr und Unternehmen vernehmen lassen: Was, wenn die in hohem Maße infektiöse Omikron-Virusvariante massenhaft Ansteckungen nach sich zieht und auf einen Schlag zu viel vom Personal „wegbricht“?

Wie lange geht das gut?

Was wahrscheinlicher ist, durchgängiger Präsenzunterricht bis zu den Osterferien oder erneute Schulschließungen mit Notbetreuung, vermag Janssen nicht einzuschätzen und zu prognostizieren. „Sollte es zu vielen gleichzeitigen Ausfällen von Lehrkräften als Folge von Ansteckungen kommen, befürchte ich aber, dass wir erst mal am Stock gehen, ehe jemand merkt, dass die Situation anders gehändelt werden muss“, gibt sich der Schulleiter keinen allzu großen Illusionen hin.

„Früher konnte schon mal eine Lehrkraft zwei Klassen in zwei Räumen betreuen. Heute ist so etwas leider kaum mehr möglich. Die Kinder bedürfen immer einer Aufsicht; sonst benehmen sie sich nicht. Im Zwei-Minuten-Takt zwischen zwei Klassen pendeln – das ginge noch. Aber man kann nicht der einen Klasse in Ruhe etwas erklären und die andere allein lassen“, spricht der Rektor aus Erfahrung.

Sollte es zu vielen gleichzeitigen Ausfällen von Lehrkräften als Folge von Ansteckungen kommen, befürchte ich, dass wir erst mal am Stock gehen, ehe jemand merkt, dass die Situation anders gehändelt werden muss.“

Ufke Janssen

Die sieben pädagogischen Mitarbeiterinnen seien für das 19-köpfige Kollegium ohnehin und besonders jetzt eine unentbehrliche Stütze. Bislang sei von ihnen niemand aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 abgesprungen, obgleich dazu auch Personen gehörten, die den sogenannten vulnerablen Gruppen zuzurechnen seien. In Anbetracht der Omikron-Infektionsgefahr baue die Grundschule Harpstedt auf ein noch vorsichtigeres Verhalten als bislang, so Janssen.

Früher konnte schon mal eine Lehrkraft zwei Klassen in zwei Räumen betreuen. Heute ist so etwas leider kaum mehr möglich. Die Kinder bedürfen immer einer Aufsicht; sonst benehmen sie sich nicht.“

Ufke Janssen

Die Kinder würden täglich getestet. „Die Kolleginnen und Kollegen haben die Möglichkeit, das zu tun, und dürfen nun wieder die dienstlichen Tests dafür verwenden. Der überwiegende Teil des Teams macht das auch“, erläutert der Rektor. Die Impfquote liege in etwa auf dem Niveau der bundesdeutschen Gesellschaft. Hinreichend Tests stünden zur Verfügung. Mit Blick auf die Qualität reibt sich der Schulleiter allerdings schon mal die Augen: „Wir haben auf der Seite des Robert-Koch-Instituts nachgeschaut. Die Tests, die wir zuletzt bekommen haben, werden dort so beschrieben, dass sie nur eine hohe Verlässlichkeit haben, wenn man wirklich die allerhöchste Viruslast hat. Sonst erkennen die gar nichts“, bedauert Janssen. Er wundere sich vor diesem Hintergrund mitunter, „was da so eingekauft wird“.

Die Schülerinnen und Schüler müssen nun medizinische Masken tragen, während zuvor auch einfache Stoffmasken erlaubt waren. Das haben wir natürlich sofort eingefordert.“

Ufke Janssen

Seit Ferienende habe es an der Grundschule Harpstedt noch keine positiv Getesteten gegeben. Überhaupt sehe zumindest die bisherige Bilanz sehr gut aus. „Wir haben bis heute insgesamt 29.000 Testkits erhalten und davon etwa 28.000 verteilt und verwendet. In vielleicht zehn Fällen zogen positive Schnelltestergebnisse PCR-Tests nach sich, von denen dann aber kein einziger positiv gewesen ist“, berichtet der Rektor.

Alle Kinder trügen Mund-Nase-Schutz, auch die Erstklässler. Mit dem Unterrichtsbeginn in dieser Woche habe eine neue Vorschrift gegriffen: „Die Schülerinnen und Schüler müssen nun medizinische Masken tragen, während zuvor auch einfache Stoffmasken erlaubt waren. Das haben wir natürlich sofort eingefordert.“

Die Schülerinnen und Schüler sind froh darüber und dankbar dafür, dass sie in die Schule kommen können. Und das sagen sie uns auch.“

Ufke Janssen

Die Kinder seien unbenommen in einer schwierigen Situation. Nach wie vor gelte das Kohortenprinzip. Als Folge davon seien den Mädchen und Jungen auf dem Schulhof nach Jahrgängen kleine Aufenthaltsbereiche zugewiesen. Dadurch würden sie der Möglichkeit beraubt, jenen Kindern aus dem Weg zu gehen, mit denen sie sich nicht so gut verstünden. „Insgesamt aber“, so Janssen, „sind sie froh darüber und dankbar dafür, dass sie in die Schule kommen können. Und das sagen sie uns auch.“

 Die Kinder sitzen in dicken Jacken mit Schals an den Tischen.“

Ufke Janssen

Bedauerlich sei der Zustand, in auskühlenden Räumen unterrichten zu müssen. Der Bund habe zwar Geld bereitgestellt für Filteranlagen mit Frischluftzufuhr und Abluftabfuhr, aber „da kommt gar nichts“, beklagt Janssen. Die von der Samtgemeinde Harpstedt angeschafften mobilen Geräte ohne Luftaustausch befreiten die beiden Harpstedter Schulen eben nicht von dem Erfordernis, „die Fenster zum Lüften ständig offen zu halten“. Die Konsequenz: „Die Kinder sitzen in dicken Jacken mit Schals an den Tischen.“

Viele Schulträger bislang nicht „auf den Zug aufgesprungen“

Warum viele Schulträger bislang nicht „auf den Zug aufgesprungen sind“ und noch keine stationären Luftfilteranlagen angeschafft haben, kann sich der Rektor nicht erklären. „Der frühere Bürgermeister Herwig Wöbse wollte das“, weiß er. „Aber seit seiner Abwahl habe ich von dem Thema nichts mehr gehört“, bedauert Janssen.

Daraus, dass er Wöbses umsichtigen Umgang mit der Pandemie geschätzt habe, macht der Schulleiter am Rande keinen Hehl.

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