Am Sonntag Typisierungsaktion in Harpstedt in Kombination mit einer Benefizveranstaltung für Jung und Alt

Marius (19): „Mein Leben liegt in euren Händen“

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Die Aktion „Marius will leben“ soll ein voller Erfolg werden: Nicolas Rottmann sowie Adrian, Lara und Jannik Wessel (von links) aus der Fußball-Spielgemeinschaft Dünsen-Harpstedt-Ippener (SG DHI) rühren hier kräftig die Werbetrommel für die Typisierung in der Harpstedter Delmeschule und das Benefiz-Rahmenprogramm auf dem Schulsportplatz – mit Fußball für die ganze Familie sowie mit Spaß und Sport für Jung und Alt.

Harpstedt - Tausende Flugblätter, Plakate und Spendendosen sind verteilt; die Facebook-Seite zählt über 3000 Likes – die Videobotschaft darauf stammt von Marius Kossmann und hat über 283000 Menschen erreicht. Vereine, Firmen und Privatpersonen nehmen Anteil am Schicksal des an Leukämie erkrankten Harpstedters. Nun kann jeder dem jungen Mann helfen, der so viele Herzen berührt. Noch fehlt der genetische Zwilling, der Marius‘ Leben retten kann; der soll jetzt gefunden werden. Zu diesem Zweck veranstalten die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS), Familie, Freunde, der Harpstedter Turnerbund (HTB) und viele ehrenamtliche Helfer an diesem Sonntag eine um 13 Uhr in der Delmeschulturnhalle an der Schulstraße in Harpstedt beginnende Registrierungsaktion: Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren kann sich dann als potenzieller Lebensretter in die Datei aufnehmen lassen. Begleitend läuft auf dem Schulsportplatz eine bunte Benefizveranstaltung.

Freunde und Sportkameraden des erkrankten 19-Jährigen haben alles getan, um der Aktion zum Erfolg zu verhelfen. „Martin Werner, sein ehemaliger Trainer, hatte mich angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, ein Benefizspiel für Marius zu organisieren. Ich habe sofort zugestimmt. Als ich mich mehr mit dem Thema beschäftigte, kam mir der Gedanke, es nicht dabei zu belassen, sondern etwas mehr daraus zu machen. In Gesprächen mit Martin, Bekannten, Freunden und Vereinskameraden rückte immer mehr die Typisierung in den Fokus, was mich dazu bewog, mich mit der DKMS in Verbindung zu setzen. Das hat den Stein ins Rollen gebracht. Es ist eine unheimliche Dynamik in Harpstedt und Umgebung entstanden“, weiß Marc Wulferding, Hauptinitiator der Aktion und Sportkamerad des Leukämiekranken. Das Thema „Marius will leben“ sei in aller Munde: Jeder wolle mitmachen. Wulferding erhofft sich, dass dieses Interesse so groß bleibt „und wir am Sonntag möglichst viele Spender und Spenden bekommen werden“. Er wünscht sich, dass dann „ganz Harpstedt auf den Beinen ist“ und möglichst viele Vereine „unseren sowie auch Erich Meenkens Aufruf annehmen und sich auf den Weg machen, um Marius, aber auch anderen an Blutkrebs erkrankten Menschen zu helfen“.

Der Tag soll jedem in Harpstedt in Erinnerung bleiben. Er könnte sogar Signalwirkung haben und auch künftig Menschen motivieren, sich typisieren zu lassen, um so möglicherweise zum Lebensretter zu avancieren. Die Organisation steht. Über 100 freiwillige Helfer warten zwischen 13 und 18 Uhr auf Marius‘ Lebensretter. Sie werden von der Datenerfassung über die Blutabnahme bis hin zur Endkontrolle für einen reibungslosen Ablauf der Registrierungsaktion in der Turnhalle sorgen.

Auf dem Sportplatz locken derweil süße und herzhafte Köstlichkeiten sowie kalte und heiße Getränke. Während Mama und Papa sich typisieren lassen, können die Kinder auf der Hüpfburg toben, sich im Torwandschießen oder beim Menschenkicker beweisen, sich schminken lassen und anderes mehr. Obendrein warten eine große Tombola und ein Flohmarkt auf die Besucher.

Alle Einnahmen des Tages fließen zu 100 Prozent in den Spendentopf der Aktion – und damit in die Finanzierung der Registrierungen. Denn die Bestimmung der Gewebemerkmale im Labor ist aufwendig und teuer. Der DKMS entstehen für jede Neuaufnahme in die Datei Kosten in Höhe von 50 Euro, die weder durch öffentliche Träger noch durch Krankenkassen getragen werden.

Marius selbst verfolgt die Ereignisse vom Krankenhausbett aus. Aktuell erhält er eine weitere Chemotherapie. „Jeder Tag ist anders. Mal treten die Nebenwirkung einfach auf, mal nicht. Ich versuche das so gut wie möglich durchzustehen. Das gelingt mir mal besser, mal nicht so gut. Nach der Diagnose fühlte ich mich allein und machtlos – aus allem gerissen, was man hat“, sagt der 19-Jährige. Der enorm hohe Stellenwert der Gesundheit im Leben ist ihm schlagartig bewusst geworden.

„Ich habe immer versucht, so gesund wie möglich zu leben. Dass es mich trotzdem getroffen hat, zeigt, dass es jeden treffen kann. Nun gehört die Leukämie zu mir, aber ich stehe das jetzt durch. Ich werde allen zeigen, dass es jeder schaffen kann! Ich habe keine Sekunde daran gedacht aufzugeben. Dafür ist das Leben zu wertvoll. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie viel Kraft ich von meiner Familie, meinen Freunden und Kollegen bekommen habe, und wie viel Mut mir die Registrierungsaktion macht“, so der Harpstedter. Ein einfaches „Dankeschön“ reiche gar nicht aus. „Mein Leben liegt in euren Händen“, wendet sich Marius Kossmann direkt an seine Mitmenschen.

• Das Programm im Überblick.

Sonntag, 9. August, 13 bis 18 Uhr, Delmeschulturnhalle in Harpstedt:

• Öffentliche Typisierungsaktion.

Begleitend dazu auf dem Schulsportplatz:

• Fußball für die ganze Familie sowie Spaß und Sport für Jung und Alt, Benefizfußballspiel zwischen einer Auswahl der 1. und 2. Herren des HTB und dem Team „Marius“ (Anpfiff: 17 Uhr).

• Das Rahmenprogramm: Hüpfburg, Torwandschießen, Selfiebox, Menschenkicker, Kinderschminken, Fußballgeschwindigkeitsmessungen, Fußballgolf, Street-Soccer, Fußballbowling, Fußballbillard, Flohmarkt, große Tombola, Versteigerung.

• Kulinarisches: Bratwurst und Pommes, Kuchen, Kaffee sowie andere Getränke und Popcorn.

eb/boh

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