Harpstedts früherer „Stein“

Tanzen im Museumsdorf Cloppenburg erlaubt: Sonnenstein versprüht Disco-Flair

Der „Sonnenstein“– so, wie er mal war: Da werden Erinnerungen wach.
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Der „Sonnenstein“– so, wie er mal war: Da werden Erinnerungen wach.

Der „Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg ist wieder hergestellt. Die ehemalige Harpstedter Kultdiscor wartet auf die Wieder-Eröffnung. Wann wird eingetanzt?

Harpstedt/Cloppenburg – Viele Harpstedter verspüren eine unbändige Lust, im wiederhergestellten „Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg zu tanzen. Doch die Einweihung der ehemaligen Harpstedter Kultdisco, die als Museumsstück mit Erlebniswert ein zweites Leben geschenkt bekommt, lässt coronabedingt auf sich warten.

Über das aufwendige museale Projekt hat unsere Zeitung mit der wissenschaftlichen Volontärin Laura Pigge gesprochen.

Frage: Ist der frühere „Sonnenstein“ schon komplett aufgebaut, Frau Pigge?

Pigge: Was die Inneneinrichtung angeht, sind wir tatsächlich „durch“. Jetzt sind wirklich nur noch minimale Feinheiten zu erledigen.

Frage: Aus meiner eigenen Erinnerung an den „Stein“ weiß ich um die beschädigte und geflickte Tanzfläche. Was ist damit passiert?

Pigge: Wir haben sie in ihrem Originalzustand wieder eingesetzt. Solange keine Gefahr besteht, bleibt sie so, wie sie ist. Die Beleuchtung ist instandgesetzt und wieder funktionsfähig.

Frage: Tanzen geht also?

Pigge: Ja, einwandfrei. Wir standen alle schon auf der Tanzfläche und haben ein bisschen darauf rumgewippt.

Frage: Jetzt, im April, kommt die Einweihungsfeier wegen der Coronapandemie bekanntlich nicht zustande. Haben Sie schon einen neuen Termin für die große Sause ins Auge gefasst?

Sogar die Gläser sind nach Marken so platziert wie auf alten Fotos.“

Laura Pigge

Pigge: Wir wollen es im Juli versuchen. Ein genaues Datum gibt es noch nicht.

Wissenschaftliche Volontärin im Museumsdorf: Laura Pigge.

Frage: Welche Aufgabe war die anspruchvollste im Verlauf der Innenarbeiten?

Pigge: Das ist superschwer zu beantworten. Da gab es viele Herausforderungen. Die Herstellung der Technik war jedenfalls sehr aufwendig. Wir haben ja mit dem historischen Originalequipment arbeiten müssen. Das wurde gereinigt, geprüft und wieder in Schwung gebracht. Dabei ist ergänzend auch moderne Technik eingefügt worden. Reichlich Arbeit haben zahlreiche „Kleinigkeiten“ bereitet: Jede einzelne Kiste wurde durchstöbert. Dinge wurden anhand von Fotos oder Zeitzeugenberichten rekonstruiert, und es war ein enormer Aufwand, dafür zu sorgen, dass jedes Objekt den ursprünglichen Platz zurückerhielt. Sogar die Gläser sind nach Marken so platziert wie auf alten Fotos.

Wir konnten und durften ja nicht riskieren, dass uns womöglich irgendwann die Decke in Flammen aufgeht.“

Laura Pigge

Frage: Die Lichtanlage ist mit den Jahren und Jahrzehnten immer wieder ergänzt worden. Je nachdem, was gerade im Trend lag, haben die Betreiber draufgesattelt, ohne Altes zu demontieren. Bildet der museale „Stein“ dieses Sammelsurium ab?

Pigge: Ja. Das ist gut gelungen, wenn man bedenkt, dass geltende Bestimmungen zwingend einzuhalten waren. Wir konnten und durften ja nicht riskieren, dass uns womöglich irgendwann die Decke in Flammen aufgeht.

Frage: Ist auch der Bistro-Bereich wiederhergestellt?

Pigge: Ja. Das war uns sehr wichtig. Wir hatten ja das komplette Interieur mitgenommen. Bis hin zu Flaschen, beschriftet mit den Namen ehemaliger Stammgäste. Auch im Bistro sind wir bestrebt gewesen, alles so herzurichten, wie’s war. In der Disco bilden wir den Stand der 1980er-Jahre ab. Eine Tribüne an der langen Seitenwand haben wir auf Grundlage weniger noch existenter Reste anhand von Fotos und Zeitzeugenaussagen rekonstruiert. In Gänze war das Original nicht mehr vorhanden. Die Tribüne erfüllte den Zweck, mehr Sitzplätze zu schaffen.

 Eigentlich müssten wir im „Stein“ sogar mal eine Raucherparty steigen lassen, damit es dort riecht wie früher. Ob das ginge und umsetzbar wäre, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Laura Pigge

Frage: Gab es auch völlig kaputte Objekte, die man eigentlich nur noch „in die Tonne treten“ konnte?

Pigge: Von dem, was wir aus Harpstedt mitgenommen haben, hat so gut wie alles wieder Verwendung gefunden, mal abgesehen von Dingen wie zerbrochene Birnen in Lampen oder zerdepperte Regale.

Frage: Den vollen Aschenbecher wird der Museumsbesucher aber wohl nicht auf dem Tresen vorfinden.

Pigge: Jein. Den Aschenbecher schon. Eigentlich müssten wir im „Stein“ sogar mal eine Raucherparty steigen lassen, damit es dort riecht wie früher. Ob das ginge und umsetzbar wäre, ist natürlich eine ganz andere Frage. Zum Thema Feiern gibt es überhaupt noch Klärungsbedarf, auch mit Blick auf Brandschutzbestimmungen und etwaigen Alkoholausschank.

Frage: Die ursprünglichen Klos will keiner zurückhaben. Hier bilden Sie den Originalzustand sicher nicht ab. Oder doch?

Pigge: Nein. Die Toiletten haben wir einschließlich behindertengerechter WC-Anlage neu hergestellt, damit sie den modernen Standards entsprechen.

Der Wahnsinn: Auch das frühere Bistro hat sein bekanntes Gesicht zurückbekommen.

Frage: Würde jemand, der in der Disco stünde, sofort bemerken, dass er sich in einem „Museumsstück“ aufhält?

Pigge: Ein großer Kenner des „Steins“ könnte das vermutlich an Kleinigkeiten erkennen. Es sieht aber alles sehr nach Originalzustand aus. Sogar die Wände mit aufwendig wiederhergestellten Tapeten.

Frage: Wie sieht‘s im Obergeschoss des translozierten Disco-Gebäudes aus?

Es war uns sehr wichtig, alles so zu gestalten, dass sich der Besucher fühlt, als wäre er tatsächlich an einem Samstagabend in der Disco. 

Laura Pigge

Pigge: Wir haben dort Renovierungsarbeiten erledigt, die Wände gestrichen und dergleichen. Die Pläne zur Gestaltung und Strukturierung dieses Bereichs sind noch in der Mache.

Frage: Wie bringen Sie Information und Erlebniswert unter einen Hut? Viele Museen setzen beispielsweise eine ausgeklügelte Audiotechnik ein. Sie auch?

Pigge: Im unteren Bereich geht es uns tatsächlich um das Erlebnis. Die Leute sollen reinkommen und alles selbst entdecken. Wir arbeiten auch mit Hörstationen. An bestimmten Stellen werden zu ausgewählten Themen gesprochene Dialoge oder Monologe hörbar. Aber es war uns sehr wichtig, alles so zu gestalten, dass sich der Besucher fühlt, als wäre er tatsächlich an einem Samstagabend in der Disco. Da gibt es wenige Dinge, die das Auge stören. Oben siedeln wir hingegen eine klassische Ausstellung an – mit Objekten, Fotos und Infomaterial.

Fotomaterial weiterhin gesucht

Nach wie vor bemüht sich das Museumsdorf Cloppenburg um Fotos aus der früheren Harpstedter Landdisco „Zum Sonnenstein“. „Wir sind immer auf der Suche nach weiterem Bildmaterial und ganz dankbar, wenn uns da jemand noch unterstützen möchte“, sagt Laura Pigge. Die wissenschaftliche Volontärin ist unter Telefon 04471/94 84 27 oder aber via E-Mail an die Adresse sonnenstein@museumsdorf.de zu erreichen.

Frage: Setzen Sie auch Film als Medium ein?

Pigge: Wir werden im Eingangsbereich ein Einführungsvideo zeigen. Damit wollen wir die Besucherinnen und Besucher direkt in die Zeit der 1980er-Jahre versetzen.

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