Disco-Eröffnung

Wegen Geldknappheit „norddeutsche Lösung“ für den „Stein“

Dirk Böhling (r.) interviewte auch DJs als „Originale“ des „Steins“, namentlich Hans Freitag, Volker Kubainsky („Coco“), Uwe Geppert („Potter“) und Jürgen Langhorst.
+
Dirk Böhling (r.) interviewte auch DJs als „Originale“ des „Steins“, namentlich Hans Freitag, Volker Kubainsky („Coco“), Uwe Geppert („Potter“) und Jürgen Langhorst.

Harpstedt/Cloppenburg – Sie wünsche sich, dass über „dieses Projekt“ gesagt werde: „Es ist uns gelungen, eine Zeitreise zu ermöglichen“, bekräftigte Museumsdirektorin Dr. Julia Schulte to Bühne am Freitagnachmittag während der Feier zur Eröffnung der vormaligen Harpstedter Landdiskothek „Zum Sonnenstein“ im Museumsdorf Cloppenburg vor mehr als 120 geladenen Gästen (wir berichteten am Freitag).

Eine Art Talkshow moderierte Dirk Böhling. Er rückte in Interviews immer wieder die Disco-Ära in den Mittelpunkt. Mit der Hitparaden-Musik als Background ratterte er die Liste der Förderer im Schnelldurchlauf herunter. Vier davon bat er auf die Bühne: Patricia Bonney vom Amt für regionale Landesentwicklung, die Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (auch CDU-Vize), Dr. Johannes Janssen von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung sowie den Geschäftsführer der Carl Leiber Stiftung, Josef Anneken. Dieses „Quartett“ musste sich in einem Quiz zeitgeschichtlichen Fragen aus den 1980er-Jahren stellen – unter anderem nach der Länge von Prinzessin Dianas Hochzeitsschleier.

Einfacher wäre es gewesen, wenn man das Objekt im Ganzen transportiert hätte. Das wäre aber zu teuer gewesen.“

Hermann Dunkler-Gronwald

Angesichts der Mittelknappheit für die spektakuläre „Translozierung“ des „Sonnensteins“ habe, so Architekt Hermann Dunkler-Gronwald, die „norddeutsche Lösung“ darin bestanden, das Gebäude zu zersägen und es in großen Teilen von Harpstedt nach Cloppenburg zu befördern. „Einfacher wäre es gewesen, wenn man das Objekt im Ganzen transportiert hätte. Das wäre aber zu teuer gewesen.“

Stefanie Hoppe-Fuchs, für die akustische Installation verantwortlich, verriet: „Die Schwierigkeit lag darin, der Disco ein Klangerlebnis zu verpassen, als sei sie mit Besuchern voll besetzt.“ Werner Straukamp hatte sich indes als Historiker in seinem Forschungsprojekt mit der Diskothekengeschichte entlang der B 213 unter dem Stichwort „Jugendkultur“ auseinandergesetzt.

Frühere DJs plaudern aus dem Nähkästchen

Im Mittelpunkt standen am Freitag die Macher und „Originale“. Stellvertretend für etwa 20 bis 25 Discjockeys traten Hans Freitag (1975–1980), Volker Kubainsky alias DJ „Coco“ (1978–1985), Uwe Geppert alias DJ „Potter“ (1989 bis Ende der 1990er) und Jürgen Langhorst (1987–1997) auf die Bühne. Auf die Moderatorenfrage, ob man in den Seventies auch deutsche Schlager neben englischen Hits bringen konnte, erwiderte Freitag: „Das ging ohne Weiteres. Man durfte nur den Rhythmus nicht wechseln. Dann war die Tanzfläche leer.“ Heute würde es ihn nicht mehr „in den Fingern jucken“, als DJ zu arbeiten; die modernen Discos hätten viel zu viel Technik.

Jürgen Langhorst plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen: Disco-Betreiber Klaus Sengstake habe ihn ab und zu am Pult angerufen und gebeten: „Fahr die Musik runter! Der Tresen ist komplett leer. Die sind alle auf der Tanzfläche.“

Von Mary Roos bis Egon Müller

„Wir kamen 1973 aus Bremen nach Harpstedt und haben aus dem Tanzlokal eine Disco gemacht. Die Harpstedter waren damals alle noch sehr konservativ. Die ersten drei Jahre waren schwierig“, erinnerte sich Sengstake. „Ich habe mich gerne modisch gekleidet. Das passte einigen nicht“, ergänzte seine Frau Gunda. Mit der Zeit erwarb sich die Disco weithin einen hervorragenden Ruf. Ab und zu seien Prominente auf dem Rückweg von der NDR-Sendung „Die aktuelle Schaubude“ reingeschneit, so Klaus Sengstake. Die Sängerin Tina York, ihre noch bekanntere Schwester Mary Roos oder auch Sandbahnweltmeister Egon Müller hätten dazugehört. „Im Laufe der Zeit wurden wir zu einer großen Familie – Gäste und Mitarbeiter. Schön, dass die Erinnerung in der Form erhalten bleibt und der ,Stein" nun von jungen Leuten besichtigt werden kann“, urteilte der Ex-Discobetreiber.

Museumsdirektorin Dr. Julia Schulte to Bühne erhielt – passend zum Anlass – von ihrem Vorgänger Dr. Uwe Meiners eine LP der kanadischen Rockband „The Kings“, die seiner eigenen Plattensammlung entstammte.

Von diesem Montag, 19. Juli, an kann der „Stein“ im Museumsbetrieb besichtigt werden.  

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht

Horrorunfall ohne Führerschein verursacht
Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor

Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor

Wildeshauser Stadtverwaltung schlägt runden Tisch vor
„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer

„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer

„Hutkonzert“ in Harpstedt für Flutopfer
85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

85-jähriger Fußgänger bei Unfall tödlich verletzt

Kommentare