O6b gibt Muffins und Kekse gegen Spenden ab

Was Solidarität bewirken kann

Die Schülergruppe, die bei Inkoop stand, führte einen Bollerwagen mit sich. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Mitunter können Erwachsene von Kindern solidarisches Verhalten lernen – so auch in diesem Fall: Weil einem Mitschüler aus finanziellen Gründen die Teilnahme an einer Klassenfahrt nach Meppen versagt zu bleiben drohte, hat die O 6b der Oberschule Harpstedt am Freitagmorgen vor drei Verbrauchermärkten selbst gebackene Muffins und Kekse als Gegenleistung für Spenden an Passanten abgegeben.

Schnell füllten sich die mitgebrachten Sparschweine. Schon nach zwei Stunden sah es so aus, als kämen die benötigten 230 Euro zusammen.

„Wenn nicht, dann werden die anderen Eltern die Einnahmen aufstocken“, erläuterte Rena Knippelmeyer, deren Sohn Paul ebenfalls zur O 6b gehört. Von daher sei der Erfolg der Aktion gesichert.

Das Kind, mit dem sich die Schüler solidarisierten, ist elf Jahre alt. Ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, gab Klassenlehrerin Diana von Harten aus nachvollziehbaren Gründen nicht preis. Der oder die Betroffene soll anonym bleiben, um eine etwaige Stigmatisierung auszuschließen.

Zwischen Aldi und Bücherlädchen machten diese Mädels zusätzlich mit eigens einstudierten Tänzen auf sich aufmerksam. - Foto: boh

Sowohl bei Aldi als auch bei Inkoop und Lidl in Harpstedt mühten sich die Schüler, ihre Backwaren gegen Spenden an den Mann und an die Frau zu bringen. Bei Netto fand die Klasse hingegen nicht das erhoffte Entgegenkommen. An der Grenze zwischen Aldi und Bücherlädchen postierte sich eine reine Mädchengruppe, die mit Tanzdarbietungen zusätzlich auf sich aufmerksam machte. „Es wäre schade, wenn die Leute uns nicht zuschauen würden“, hoffte Emmi Jung auf Publikum. „Wir haben nämlich sehr viel geübt und dafür sogar unsere Pausen geopfert“, verriet ihre Mitschülerin Mareike Herwig. Manche Passanten unterstützten die O 6b nicht nur mit Münzen, sondern sogar mit Scheinen. Einer sei besonders großzügig gewesen und habe 20 Euro gegeben, verlautete aus der Mädels-Gruppe. Die Freundlichkeit der meisten Mitbürger fiel Marielen Hartmann auf: „Nur manche sagen nein, aber das ist ja ganz normal.“

Engagement zeugt von starkem Zusammenhalt

Schüler, die bei Inkoop standen, führten sogar einen selbst organisierten Bollerwagen mit sich. „Wir sprechen die Leute zuvorkommend an. Wenn sie Zeit haben, bleiben sie stehen“, berichtete Lilli Schmidt. Dass es in Einzelfällen unschöne Reaktionen gab, verschwieg sie nicht. „Ein Passant hat uns gesagt, er gehe nur eben schnell zum Auto, um Geld zu holen. Tatsächlich ist er dann aber nicht zurückgekommen, sondern einfach weggefahren.“

Das Engagement der O 6b zeuge von einem starken Zusammenhalt, fand Rena Knippelmeyer bewundernde Worte für die Aktion. Letztlich hatte die Klasse aus Mitgefühl gehandelt. Nachdem alles darauf hindeutete, dass besagtes Kind aus ihren Reihen vom 17. bis 21. Oktober nicht in Meppen dabei sein würde, entging den anderen die tiefe Enttäuschung der oder des Betroffenen nicht. Hier zu helfen, empfand die O 6b als Selbstverständlichkeit.

Für das Backen mutierten übrigens die elterlichen Küchen gleich mehrerer Schüler am Mittwoch und Donnerstag vorübergehend zu Backstuben. Welche Summe am Ende genau zusammengekommen ist, konnte Diana von Harten noch nicht mitteilen. „Aber es reicht auf jeden Fall.“ Das Geld werde über den Schulförderverein direkt auf das Klassenfahrtskonto gelangen, teilte die Lehrerin mit.

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