Bremens Altbürgermeister feiert mit der Samtgemeinde-SPD

Henning Scherf:„Solidarische Botschaft ist heute aktueller denn je“

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Bremens Altbürgermeister Henning Scherf (hinten) mit den geehrten Jubilaren der Samtgemeinde-SPD: Reinhard Rambusch, Ingrid Klein, Alfred Radke, Helmut Niehaus und Heinz Klein (von links).

Harpstedt - Ein „Brief, der zum Nachdenken zwingt“, lag während der Jubiläumsfeierstunde der Samtgemeinde-SPD mit Bremens früherem Bürgermeister Henning Scherf am Sonnabendnachmittag im Hotel „Zur Wasserburg“ neben den Kuchengedecken. Als „volksfeindliche Organisation“ wird die SPD darin beschrieben – und die „Weiterbetätigung“ ihrer Mitglieder als eine „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“.

Das Nazi-Regime hatte mit diesem Brief den Harpstedter Johann Sparkuhl im Jahr 1933 aufgefordert, sein Ratsmandat niederzulegen; „widrigenfalls“ erfolge die „polizeiliche Inhaftnahme“. Ausgehend von diesem düsteren historischen Kapitel, umriss Hermann Bokelmann, langjähriger Ortsvereinsvorsitzender, Altbürgermeister und Altlandrat, die Geschichte der SPD in Harpstedt. Der Anlass: 1946, also vor 70 Jahren, gründete besagter Johann Sparkuhl die SPD in Harpstedt wieder. Von da an setzten sich die Sozialdemokraten prägend für die Entwicklung von Flecken und später auch Samtgemeinde ein.

Scherf als Gast beim Ortsverein

Bremens Altbürgermeister Henning Scherf, der zur Feier des Ortsvereins ebenso wie zur Ehrung langjähriger Mitglieder nach Harpstedt gekommen war, ließ die vergangenen 70 Jahre aus seiner Sicht Revue passieren. „Gerade in der Nachkriegszeit, in der man froh war, ein Dach über dem Kopf zu haben, und improvisieren lernte, war es so wichtig, Leute zu finden, die nicht nur jammerten und klagten, sondern etwas erneuern wollten“, sagte er. Von Anfang an seien die Sozialdemokraten maßgeblich am Neuaufbau beteiligt gewesen. „Das, was wir in Deutschland heute haben und wofür andere Länder uns bewundern, haben wir über die Qualifizierung der Menschen geschafft“, betonte Scherf.

Selbst aus einem armen Elternhaus stammend, sei es für ihn ein völliges Novum gewesen, eine gute Schulbildung genießen zu dürfen. „Das hatten meine Vorfahren nie für möglich gehalten“, so Scherf. „Als meine Eltern aufwuchsen, machten gerade mal zwei Prozent der jungen Leute Abitur; heute sind es 50 Prozent oder sogar mehr.“ Bildung und Qualifizierung seien Voraussetzungen für eine funktionierende Gesellschaft, für Demokratie und Toleranz. „Die Leute müssen wissen, was da droht, wenn sie nicht selbst zupacken und mit anpacken“, so Scherf. Früher seien die Menschen nicht dümmer gewesen als heute; sie hätten lediglich keine Chance gehabt, zur Schule zu gehen.

„Was wir brauchen, ist doch nicht die Angst voreinander“

Die Botschaft der Sozialdemokraten sei heute aktueller denn je. „Wir sind kein Auslaufmodell“, betonte Scherf, während Bokelmann davor warnte, die Errungenschaft der Demokratie mit links als Selbstverständlichkeit beiseite zu schieben. „Was wir brauchen, ist doch nicht die Angst voreinander. Wir dürfen keine neuen Mauern oder Zäune bauen“, mahnte Scherf. „Was wir brauchen, das sind friedliche Angebote, ein friedliches Verhalten gegenüber unseren Nachbarn und den Menschen um uns herum.“

Aktuelle Wahlerfolge von Sozialdemokraten in Kanada und in Italien hob Henning Scherf vor diesem Hintergrund als Mutmacher für die Welt hervor. „Wir brauchen junge Leute, die sich für unsere starke solidarische Botschaft engagieren“, sagte er. „Alle Menschen werden so akzeptiert, wie sie sind. Jeder hat seine Stimme. Jeder hat seine Rechte.“

Gemeinsam mit dem Ortsvereinsvorsitzenden Klaus Budzin ehrte Scherf im Anschluss Jubilare. Für 40-jährige SPD-Mitgliedschaft wurden Reinhard Rambusch sowie Ingrid und Heinz Klein ausgezeichnet. Eine Urkunde für 60-jährige Parteitreue erhielt Helmut Niehaus. Alfred Radke wurde für 65-jährige Mitgliedschaft geehrt. 

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