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„Solawisten“ in Beckstedt im Arbeitseinsatz

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Von: Holger Rinne

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Das sonnige Wetter macht‘s möglich: Der junge Feldsalat braucht keine Schutzfolie mehr.
Das sonnige Wetter macht‘s möglich: Der junge Feldsalat braucht keine Schutzfolie mehr. © Rinne

Die „Solidarische Landwirtschaft“ in Beckstedt wächst. Am Samstag stand für die engagierten Teilnehmer ein Arbeitseinsatz auf dem Plan.

Beckstedt – Sie nennen sich „Solawisten“. Der Begriff klingt ein wenig technokratisch. Das System, für den er steht, ist es aber keineswegs. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Namen der Initiative „Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) ab, die mit dem Verein „SoLaWi Wildes Gemüse Beckstedt“ einen Ableger in der Samtgemeinde Harpstedt betreibt. Kurz beschrieben funktioniert das Prinzip folgendermaßen: Der Verein arbeitet mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen. In diesem Fall ist es der Hof von René Dolling aus Beckstedt.

Der Landwirt kalkuliert die Kosten eines Jahres. Geteilt durch die Anzahl der Ernteanteile (teilnehmende Mitglieder) ergibt sich der Solidarbeitrag, der in einer Bieterversammlung vorgeschlagen wird. In Beckstedt wurden für dieses Jahr 90 Euro pro Monat festgelegt. Dafür erhalten die Mitglieder eine Kiste Gemüse pro Woche. „Ich kann damit locker eine vierköpfige Familie versorgen“, versicherte am Samstagvormittag eine Solawistin auf dem Hof von Dolling. Und Andreas Mikutta aus Barjenbruch warf ein „Ich als Single nehme nur eine halbe kleine Kiste und muss mir noch überlegen, wie ich den Rest haltbar machen kann.“

Beitrag richtet sich auch nach dem, was man zahlen kann

Dabei ist der Beitrag von 90 Euro pro Monat keineswegs in Stein gemeißelt, sondern dient zunächst als Richtwert. „Auf der Bieterversammlung schreibt jeder auf, was er zahlen kann. Wer nicht so viel geben kann, profitiert von denen, die freiwillig mehr zahlen“, erklärte Hille Perl. Sie gehört zum Vorstand des Vereins. Mit Saisonbeginn Anfang April gehören wöchentliche Arbeitseinsätze dazu. Aber auch hier steht die Freiwilligkeit im Vordergrund. „Der eine arbeitet zwei Stunden im Monat, ein anderer 20. Es ist keine Pflicht“, sagte die Winkelsetterin. „Ich genieße die Arbeit in der Gemeinschaft und habe dadurch Menschen kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte“, schwärmte indes Jessica Ondra aus Harpstedt.

So geht Obstbaumschnitt: Hildegard van´t Hull demonstrierte die Technik.
So geht Obstbaumschnitt: Hildegard van´t Hull demonstrierte die Technik. © Rinne

Zum Vereinszeck gehören neben den wöchentlichen Arbeitseinsätzen auch Fortbildungsveranstaltungen. Zu beidem trafen sich am Samstag etwa 20 Solawisten. Der Crashkurs „Obstbaumschnitt“ war mit einer halben Stunde veranschlagt. Wie sich herausstellte, reichte das Zeitlimit bei Weitem nicht aus. Hildegard van´t Hull aus Winkelsett erklärte zunächst an der Straße anhand einiger Beispiele die Prinzipien des Obstbaumschnitts, um dann auf dem Hofgelände mit Astschere, Säge und Messer zur Tat zu schreiten. „Alles, was sich kreuzt und reibt oder nach innen wächst, kann weg“, lautete eine der Verfahrensregeln der Biologin. Die Ernte der Äpfel-, Birnen- und Kirschbäume soll den Solawisten im kommenden Jahr zugutekommen. Währenddessen nahmen andere Vereinsmitglieder im benachbarten Folientunnel für Gemüse die Schutzfolie vom jungen Feldsalat. Das sonnige Wetter machte es möglich.

Nach der Theorie wurde es praktisch: Es ging auf ein Gemüsefeld etwa 800 Meter nördlich des Dorfs, um in einer Gemeinschaftsaktion einen Folientunnel für Tomaten aufzubauen. Diese wurde wegen der wachsenden Zahl der Ernte-Anteilnehmer benötigt. Immerhin liegt die Zahl der Ernteanteile inzwischen bei 57, womit die Solawisten bereits zu Beginn des zweiten Jahres ihre Zielmarke von 70 Anteilen fast erreicht haben.

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