Eindrücke von der SoLaWi „Wildes Gemüse Beckstedt“

Wo das Lebensmittel seinem Namen wirklich gerecht wird

Als wartete es darauf, verarbeitet und verspeist zu werden: Gemüse – so bunt wie der Herbst.
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Als wartete es darauf, verarbeitet und verspeist zu werden: Gemüse – so bunt wie der Herbst.

Beckstedt – „Lawi?“ Der dreijährige Sohn stutzt, als seine Mutter ankündigt, zum Packen der SoLaWi-Kisten aufzubrechen. Es gleicht einem Ritual: Wie jeden Freitag fahren die Sperlings als Familie zum Hof Dolling nach Beckstedt. Dort, in der Gemeinde Colnrade, wird seit April das Bio-Gemüse für den Trägerverein der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) „Wildes Gemüse Beckstedt“ angebaut.

Die SoLaWisten freuen sich auf den Ertrag – und ihren Anteil daran. Auch die Familie Sperling. Als sie den Hof erreicht, warten 52 grüne Kisten darauf, befüllt zu werden. Gemeinsam mit anderen Helferinnen und Helfern des Vereins sichten die Sperlings die Ernteausbeute, wiegen ab, verteilen. Beim Packen der Kisten herrscht eine ausgelassene Stimmung. Das Klönen, Lachen oder auch Austauschen von Rezepten gehört einfach dazu. Derweil machen sich die Kinder beim Bündeln der Kräuter nützlich, spielen auf dem Hof oder nutzen die günstige Gelegenheit, die beiden Kälber und den Esel zu streicheln und zu füttern.

Gelebte Solidarität

Nach getaner Arbeit präsentiert sich der Inhalt der Gemüsekisten so bunt wie der Oktober: Lila Kartoffeln namens Anneliese, Rotkohl und grüne Zucchini fallen ins Auge. Ein SoLaWi-Mitglied hat orange leuchtenden Kürbis gespendet. Roter Radicchio und grüner Endiviensalat erwecken den Anschein, als freute sich das Gemüse auf die Verarbeitung.

Reichlich Gemüse will verteilt werden. Rene Dolling und sein Sohn Luca werfen einen Blick darauf. Ihre Mithilfe beim Packen der Kisten versteht sich von selbst.

Abschließend gönnen sich die Helferinnen und Helfer einen Kaffee. Zusätzlich werden mitgebrachte Aufstriche, Marmeladen und Kuchen verköstigt. Gegen 12 Uhr geht es heimwärts. Der dreijährige Spross der Sperlings strahlt, hat er doch zum ersten Mal die Namensschilder an die Kisten anbringen dürfen. Die „Großen“ wünschen sich eine „enkeltaugliche Zukunft“. Sie halten die SoLaWi auch vor diesem Hintergrund für eine gute Sache.

Ich habe das Gefühl, aktiv etwas gegen die Klimakrise zu tun, und kann zugleich Qualitätszeit mit der Familie verbringen.“

Christine Sperling

Christine Sperling findet die Idee der Solidarischen Landwirtschaft, die in Deutschland längst Schule macht, toll. Die Umsetzung auf dem Hof Dolling begeistert sie. Beim Packen werde echte Gemeinschaft gelebt. Das gehe einher mit einer viel größeren Wertschätzung des Lebensmittels, das „hier seinem Namen wirklich gerecht“ werde. Was sonst die SoLaWi ausmache? Um eine Antwort ist die Mutter nicht verlegen: „Ich habe das Gefühl, aktiv etwas gegen die Klimakrise zu tun, und kann zugleich Qualitätszeit mit der Familie verbringen – mal ganz abgesehen davon, dass uns und den Kindern das Gemüse viel besser schmeckt und bekommt.“

Lagerstätten eingerichtet

Die SoLaWisten seien eine bunt gemischte Gruppe. „Manche helfen sehr häufig mit; andere möchten oder müssen ihre Ressourcen gerade anderen Dingen im Leben widmen. Solidarität wird auch beim Verteilen großgeschrieben. Damit nicht jedes SoLaWi-Mitglied nach Beckstedt kommen muss, werden die Kisten in verschiedene Depots in Wildeshausen und Harpstedt gefahren; auch in Dötlingen entsteht gerade eine Lagerstätte. Dort können die Kisten dann abgeholt werden“, verrät Christine Sperling.

Bieterrunde in Colnrade

Am Sonnabend, 20. November, 18 Uhr, wird es im Dorfgemeinschaftshaus in Colnrade die nächste Bieterrunde geben. Dann geht es darum, je einen Ernteanteil vom Hof Dolling für ein Erntejahr gegen Entrichtung eines Solidarbeitrages zu beziehen und damit auch eine Verpflichtung einzugehen. „Neue Mitglieder und zukünftige SoLaWisten sind herzlich willkommen“, betont Christine Sperling. Wer Näheres erfahren will, sollte einen Blick auf die Vereinshomepage werfen.

Weitere Infos unter www.solawi-wildes-gemuese.de

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