„Wörter Wald“ geht im August in Runde zwei

Skulpturengarten wird zur Konzert- sowie Theaterbühne

Baumturen nennt Franz Robert Czieslik Skulpturen wie diese „Tänzerinnen“. An Robinien fasziniert ihn besonders die „Fomvielfalt im Wachstum“. Keiner dieser Bäume sei wie der andere. - Foto: boh

Gross  Ippener - Von Jürgen Bohlken. Seit sechseinhalb Jahren lebt und arbeitet Franz Robert Czieslik in Groß Ippener. Er fühlt sich bereits verwurzelt mit seiner Wahlheimat, weiß die offene Art der Menschen aus der Gemeinde sowie der Umgebung zu schätzen. Dass er mal im Gemischten Chor Harpstedt singen würde, hätte er sich vor noch gar nicht so langer Zeit kaum vorstellen können. Seit Anfang 2017 schmettert er bei den Bässen Lieder mit. „Und zwar mit Freude!“, betont der 51-Jährige.

Bei passender Gelegenheit wird der Holzbildhauer und Satiriker voraussichtlich sogar mit den Sangesfreunden nach Loué fahren. Dabei hat er nicht nur den Austausch mit dem Partnerchor im Hinterkopf. Bildende Künstler müsse es doch auch in der französischen Partnerstadt des Fleckens geben, vermutet er. Czieslik fände es reizvoll, wenn auf diesem Terrain neue Kontakte und Begegnungen zustande kämen. Er selbst würde Künstlern aus Loué gern eine Möglichkeit zur Präsentation ihrer Arbeiten in seinem Skulpturenpark einräumen.

Inzwischen verdingt sich Czieslik nicht mehr nebenbei in einem Betrieb in Ganderkesee als „Schweinehirt“ und „Ferkelgeburtshelfer“. Er ist jetzt ganz und gar Freiberufler. Gerd Berding aus Wildeshausen vom Bremer Senioren Service e.V. beriet ihn kostenlos rund um die Existenzgründung – auch in der Frage der Krankenversicherung. Czieslik kann diese Hilfestellung nur empfehlen. Unter dem Tenor „Alt hilft Jung“ betreuen die selbst erklärten „Wirtschaftssenioren“ ehrenamtlich Existenzgründer; sie prüfen die Rentabilität der Vorhaben, decken Kostenfallen auf, unterstützen bei der Erstellung von Business-, Finanz- und Liquiditätsplänen.

Der Skulpturenpark, den Czieslik erschaffen hat (Zum Baßmerhoop 14), mobilisierte in den beiden zurückliegenden Jahren etwa 2 500 Besucher. Auch Radlergruppen zieht es dorthin. Viele buchen das „Rundum-sorglos-Paket“ – eine Führung in Kombination mit einigen literarischen Kostproben des Gastgebers. Czieslik hat nichts dagegen, wenn sie sich den Aufenthalt mit einem Picknick zusätzlich versüßen. Ein eigener Gastro-Bereich als zusätzliches wirtschaftliches Standbein schwebt ihm ohnehin nicht vor. Das könnte er nach eigenem Bekunden „nicht leisten“.

Tritt der Künstler als Satiriker in Erscheinung, schlüpft er in die Rolle des „Franz Zehnbier“. So auch am 20. August, wenn der von ihm organisierte Poetry Slam „Wörter Wald“ ab 15 Uhr in die zweite Runde geht, diesmal allerdings mit einem kleinen Teilnehmerfeld von sechs oder sieben Slammern. Einen Platz wird der Gastgeber bis zuletzt freihalten – in der Hoffnung, das Event um etwas Lokalkolorit bereichern zu können: „Franz Zehnbier“ wünscht sich nämlich, dass auch ein Teilnehmer aus der Samtgemeinde Harpstedt eigene Poesie oder Prosa vorträgt (Anmeldung unter Tel.: 0172/109 77 74), wobei die Länge des Beitrags fünf bis maximal sieben Minuten nicht überschreiten soll. Deutschlands älteste Slammerin, Marlene Stamerjohanns (80) aus Wilhelmshaven, mischt übrigens erneut mit, allerdings nicht wieder „außer Konkurrenz“, sondern als reguläre Wettbewerberin. Als „Special Guest“ kündigt der Organisator den Braunschweiger Eberhard Kleinschmitt an.

Zunächst aber freut sich Franz Robert Czieslik nun auf die Saisoneröffnung in seinem Skulpturengarten am Montag, 1. Mai. „Fünf auf einen Streich“ lautet das Motto ab 15 Uhr, wenn „Franz Zehnbier“ teils unterhaltsame, teils nachdenkliche Texte liest und sich vier „LandStreicher“ hinzugesellen: Swantje Jerebic (Cello), Dhana Lange (Viola), Jennifer Selzer (Viola) und Ute Klitte (Violine) geben Kostproben ihres Könnens aus verschiedenen Musikgenres. Der Eintritt ist frei; eine Spende für die Musiker wird erbeten. Am 14. Mai beginnt um 11 Uhr ein „Konzert der „Harpstedter Streicher“ bei Franz Robert Czieslik. Dahinter verbirgt sich das von Ute Klitte geleitete Kinder- und Jugendstreichorchester. Am 18. Juni, 15 Uhr, verwandelt sich der Skulpturengarten in eine Theaterbühne: „Nächste Halbzeit“ heißt ein zweiteiliges Monodrama über das Dasein in der zweiten Lebenshälfte, das dort dann Friedo Stucke zum Besten gibt.

„Durch Wald und Flur“ führt am 8. Juli, 17 Uhr, eine botanische Entdeckungstour in Kooperation mit der Nabu-Gruppe Harpstedt unter der Leitung von Prof. Dr. Ankea Siegl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Beim Sommerkonzert des Gemischten Chors Harpstedt am 30. Juli, 15 Uhr, wird Czieslik im Skulpturengarten selbst mitsingen.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen stehen im Internet.

http://skulpturen-holz.de/termine/veranstaltungen

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