Schwierige Zeit für Jüngere 

Coronakrise ist für Kinder und Jugendliche kein Urlaub

Jugendpflege geschlossen: Annelen Voß kann gerade nicht arbeiten. Foto: Backhaus
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Jugendpflege geschlossen: Annelen Voß kann gerade nicht arbeiten.

Die Schulen sind zu, Sportstätten und die Jugendpflege ebenfalls. Inzwischen dürfen Kinder und Jugendliche noch nicht einmal mehr in Gruppen zusammenkommen. Wie ergeht es ihnen in der Corona-Krise und welche Schwierigkeiten kommen noch auf sie zu?

Harpstedt – „Es sind keine Corona-Ferien“, sagt Ute Hegen, Konrektorin der Oberschule Harpstedt. Damit meint sie nicht nur, dass die Lehrkräfte ihren Klassen regelmäßig Aufgaben zukommen lassen. Vielmehr verweist sie auf einen zentralen Punkt in der Wahrnehmung der aktuellen Situation, den auch Jugendpfleger Markus Pieper hervorhebt: Die Kinder und Jugendlichen, die derzeit weder die Schule noch Freizeiteinrichtungen besuchen können, erleben eine grundlegende Veränderung ihres Alltags, die kaum etwas mit einem entspannten Urlaubsmodus zu tun hat.

Zum einen ist da die Schule. Sowohl Hegen als auch Ufke Janssen, der die Grundschule Harpstedt leitet, berichten, dass die Lehrkräfte den Mädchen und Jungen Aufgaben mitgegeben haben und mit ihnen sowie den Eltern in Kontakt stehen. Es handele sich um Grundlagen- und Wiederholungsübungen, Mütter und Väter müssten also nicht als Ersatzpädagogen fungieren, sagt Janssen. „Es dient dazu, dass die Kinder nicht alles vergessen – und auch zur Beschäftigung.“ Nichtsdestotrotz sei es nicht einfach für Eltern, ihren Nachwuchs für Schulaufgaben zu motivieren, das höre er immer wieder.

In der Oberschule seien hingegen die heranrückenden Abschlussprüfungen ein Thema, erläutert Hegen. Die Jugendlichen erkundigten sich etwa, ob ausgefallene Klausuren nachgeholt würden. Eine Frage, die angesichts der Tatsache, dass niemand weiß, ob die Schulen wie derzeit geplant am Montag, 20. April, wieder öffnen können, offen bleibt.

Soziale Kontakte bestimmen die Freizeit

Zum anderen ist da die Freizeit. Denn normalerweise deckten soziale Kontakte die zweite Tageshälfte von Kindern und Jugendlichen ab, sagt Annelen Voß, die mit Pieper in der Harpstedter Jugendpflege tätig ist. „Das finde ich ganz extrem, dass dieser Ausgleich wegfällt.“ Freiwilliges Engagement, Sport im Verein, Freunde treffen – nichts davon sei derzeit mehr möglich. „Das in Kombination mit der Schulschließung ist schon ein einschneidender Faktor.“

Dank sozialer Medien seien die Mädchen und Jungen immerhin gut untereinander vernetzt und könnten ihre Kontakte weiterhin pflegen. Viele Mütter und Väter hätten sicherlich bereits die bestehenden Regeln zur Nutzung digitaler Geräte gelockert.

Doch auch die Kinder und Jugendlichen machten sich natürlich Sorgen. „Ich hoffe, dass viele Eltern mit ihnen über die Situation sprechen und sie das nicht mit sich allein ausmachen müssen“, sagt Voß. Außerdem empfiehlt sie einen möglichst gut strukturierten familiären Tagesablauf mit Zeiten für Schulaufgaben, gemeinsame Mahlzeiten und zum Spielen oder Entspannen. Pieper plädiert für eine positive Haltung und den Versuch, Stress zu reduzieren: „Da müssen wir Eltern auch ein bisschen Schauspieler sein.“

Wie geht es nach der Pandemie weiter?

Schließlich gibt es noch die Zukunft nach der Krise, die möglicherweise nach den Osterferien, wahrscheinlicher aber erst deutlich später beginnen wird. „Wenn Kinder und Jugendliche sich jetzt an Einsamkeit, an das Alleinsein und die Isolation gewöhnen, sehe ich ein Riesenproblem darin, das wieder aus ihnen herauszukriegen“, sagt Pieper. 

Gerade bei Pubertierenden, die mitten in der emotionalen Entwicklung steckten und sozial besonders lernbegierig seien, sei das ein Faktor. „Da kriegen jetzt große Teile der Jugendlichen Angst vor anderen und Angst vor etwas, das nicht sichtbar ist.“ Dass sie nun lernten, sich mit der Isolierung zu arrangieren, sei das Hauptproblem, findet Pieper.

Denn eines Tages werden die Schulen und Freizeiteinrichtungen wieder öffnen, Nähe werde wieder erwünscht sein. Und die Mädchen und Jungen müssten dann ihr Verhalten erneut umkrempeln. Zugleich werde dann von ihnen verlangt, wieder zu funktionieren, also zu lernen und zu spielen wie zuvor. Das sei schon an Erwachsene eine hohe Anforderung, sagt der Jugendpfleger, für die Minderjährigen sei sie noch weitaus höher.

Aus anderen Zeiten: Markus Pieper mit einem 2019-Ferienspaßprogramm. 

Auch Voß macht sich Gedanken, welche Herausforderungen für sie und ihren Kollegen aus der derzeitigen Situation erwachsen. Je länger die Phase andauere, in der Eltern, Kinder und Jugendliche gemeinsam zu Hause seien, desto wahrscheinlicher sei es, dass es dort „knistere“. „Da können wir jetzt aber nicht viel machen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass nachher einiges aufzuarbeiten ist“, sagt Voß.

Kontakt und Hilfe

Das Jugendpflegeteam Markus Pieper und Annelen Voß ist per E-Mail zu erreichen: jugendpflege@harpstedt.de. Auch das Jugendamt des Landkreises Oldenburg steht bei Fragen unter Telefon 04431/85257 zur Verfügung.

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