Weiterhin teils deutlich zu hoher Nitratgehalt

Sieben „rote Punkte“ in der Samtgemeinde Harpstedt

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Die Trendwende ist auch in der Samtgemeinde nicht erreicht. Analysen von Proben aus sieben Brunnen haben – oftmals deutliche – Nitrat-Grenzwertüberschreitungen offenbart.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Eine Trendumkehr bei der Nitratbelastung des oberflächennahen Grundwassers lässt sich in der Samtgemeinde Harpstedt nicht erkennen. Sieben der 2017 kreisseitig beprobten Brunnen weisen Gehalte von 66 bis zu 280 Milligramm auf. Maximal zulässig wären 50 Milligramm.

Die Zielvorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden weiterhin nicht erreicht, und die Sorge, ob die jetzige Trinkwassergüte auf Dauer gewahrt werden kann, erscheint vor diesem Hintergrund nur allzu berechtigt.

„Flächendeckend ist in der Samtgemeinde Harpstedt das Grundwasser nicht in einem guten Zustand“, resümierte Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft, am Montagabend im Samtgemeindefachausschuss für Bau, Umwelt und Planung. Die Messwerte von 2017 bildeten allerdings das ab, was bereits 2013/14 „auf den Flächen passiert ist“, betonte er.

Auch landkreisweit gibt es nach wie vor zu viele „rote Punkte“. Über die Hälfte der Brunnen, nämlich 30 von 56, weisen weiterhin Nitratgehalte über dem Grenzwert auf; in 16 lag die 2017 festgestellte Belastung im oberflächennahen Grundwasser unter einem Milligramm. Sie sind in der Karte blau markiert. In Grün sind jene zehn Messstellen gekennzeichnet, bei denen sich der gemessene Nitratgehalt über einem Milligramm, aber unter dem Grenzwert bewegte.

Die Kreisverwaltung wird die Nitrat-Messergebnisse am 1. Dezember online stellen. Das gilt hingegen nicht für die Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln, die kreisseitig alle drei Jahre für jährliche Aufwendungen von rund 12 000 Euro ermittelt werden. Der Landkreis begründet dies mit der komplexen und daher alles in allem sehr schwierig zu vermittelnden Materie.

Es „hakt“ bei der Düngebehörde

Auffälligkeiten in der Pestizidbelastung, in einem Fall sogar eine Grenzwertüberschreitung, sind indes auch in der Samtgemeinde Harpstedt in zwei Brunnen festgestellt worden. Kreisweit überschritten Proben aus vier Messstellen den Grenzwert laut Trinkwasserverordnung. Diese Brunnen habe der Landkreis dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gemeldet – mit der Bitte, eine „Fundaufklärung“ zu veranlassen, erläuterte Hahn.

Zurück zum Nitrat: Im Rahmen eines eigenen Messprogramms beprobt der Kreis Oldenburg nunmehr seit 2013 im jährlichen Turnus Brunnen, was rund 3 500 Euro an jährlichen Kosten verursacht. Anfangs waren es 34 Messstellen; inzwischen sind es 56; bis auf 60 soll sich die Anzahl noch erhöhen.

Auf der Basis der bisherigen Datenlage lassen sich keine Auswirkungen von Kleinkläranlagen auf die Nitratwerte konstatieren. Die Kreisverwaltung registriert nach Angaben von Dieter Hahn eine hohe Kooperationsbereitschaft seitens des Landvolks und der Landwirtschaft. Beratung werde als Chance begriffen. Die Abstimmung mit dem Landvolk habe sich bewährt.

Das kreiseigene Messprogramm mache sogar Schule; auch die Landkreise Vechta und Cloppenburg hätten inzwischen eins gestartet.

Hingegen „hakt“ es offenbar bei der Düngebehörde. Der Landkreis Oldenburg hatte ihr laut Hahn sechs auffällige Messstellen zwecks Vor-Ort-Kontrolle gemeldet. „Auf die Ergebnisse mussten wir lange warten“, berichtete der Amtsleiter. Er betonte: „Der Landkreis ist nicht die Überprüfungsinstanz für düngerechtliche Vorgaben.“ Das sei vielmehr eine Aufgabe der beim Land angesiedelten Düngebehörde.

Eine Trendumkehr erhofft sich die Kreisverwaltung nun von den seit dem 1. Juli geltenden Verschärfungen im Düngerecht. Werde dieses Ziel nicht erreicht, sei mit noch weit drastischeren Einschnitten zu rechnen, prognostizierte Dieter Hahn.

Nitrat-Grenzwertüberschreitungen im oberflächennahen Grundwasser sind 2017 in der Samtgemeinde Harpstedt in nachfolgenden Brunnen festgestellt worden (in Klammern die Werte der Vorjahre).

• OOWV 161/Groß Ippener: 100 Milligramm pro Liter (2013: 54; 2014: 57; 2015: 44; 2016: 64 Milligramm pro Liter);

• AEA Wunderburg P1.1/Prinzhöfte-Wunderburg: 66 Milligramm pro Liter (2013 und 2014: 110; 2015: 91, 2016: 76);

• OOWV 179/Groß Ippener/Klein Ippener Straße: 86 Milligramm pro Liter (2016: 85).

• NLWKN HO 55ll/Harpstedt/Alter Holzhauser Kirchweg: 99 Milligramm pro Liter (2013: 97; 2014: 123; 2015: 101; 2016: 99 Milligramm/Liter);

• NLWKN C1_93/Colnrade/Am Hasenberg: 110 Milligramm pro Liter (2013: 115; 2014 und 2015: 120; 2016: 119).

• AEA Wunderburg W8/Prinzhöfte-Wunderburg: 130 Milligramm pro Liter (2013: 110; 2014: 120; 2015: 130; 2016: 123).

• OOWV 148/Klein Köhren/Bei der Purrmühle: 280 Milligramm pro Liter (2013: 271; 2014: 210; 2015: 180; 2016: 218).

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