Hedwig Stahl als Organistin der evangelisch-lutherischen Christusgemeinde verabschiedet

Sie hatte stets das erste und das letzte Wort

Virtuos an den Tasten, ob nun an der Orgel oder am Steinway-Flügel: Hedwig Stahl aus Hölingen.
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Virtuos an den Tasten, ob nun an der Orgel oder am Steinway-Flügel: Hedwig Stahl aus Hölingen.

Harpstedt – „Jetzt muss ich etwas machen, was ich nicht gern tue“, leitete Pastorin Elisabeth Saathoff gegen Ende eines Wunschliedergottesdienstes am zweiten Weihnachtstag in der Harpstedter Christuskirche zur Verabschiedung von Organistin Hedwig Stahl aus Hölingen über. Deren Aufgabe übernimmt künftig Ilka Major.

„Liebe Hedwig, du hast dieses Amt 17 Jahre ausgeübt. Ich habe versucht zu erkunden, wie viele Pastorinnen und Pastoren du in deinem Dienst begleitet hast. Ich bin auf elf gekommen. Du warst immer die Erste und die Letzte, die einem Gottesdienst seine Gestalt gab. Oft sind wir beinahe beschwingt von deinem Orgelspiel aus der Kirche getanzt. Da gab es Dreiertakte, die einen wirklich gut in Fahrt brachten“, sagte die Pastorin in ihrer Laudatio.

Sie ließ persönliche Erinnerungen folgen. Etwa an das eine oder andere Adventskonzert früherer Jahre in der damals noch vollen Christuskirche. „Hedwig hat es sogar geschafft, dass wir das Quempas-Singen gemacht haben – mit verschiedenen Gruppen in den Ecken. Manchmal war es zäh, aber sie hat einfach nicht nachgelassen. Und dann wurde es eben doch sehr schön.“

Elisabeth Saathoff entsann sich zudem an musikalische Darbietungen des von Hedwig Stahl geleiteten Chors „AmaSing“. Beiträge der Organistin zum Neujahrsempfang blieben ebenfalls nicht unerwähnt. „Die hatten immer richtig Biss und werden uns sehr fehlen“, sagte die Geistliche. Musikalische Gottesdienste seien in diesem Jahr leider selten gewesen, „aber du hast für die Gemeinde alles aus der Orgel rausgeholt“, sagte Saathoff. „Das war Verkündigung auf eine ganz eigene Weise“, urteilte sie. Sogar bei Inkoop an der Kasse war die Pastorin nach eigenem Bekunden auf die „besonders schöne Musik“ auf der Orgel angesprochen worden.

Im Namen des Kirchenvorstands dankte sie der aus dem Amt scheidenden Organistin dafür, „dass du über so viele Jahre deine Kräfte und Gaben in die Gemeinde hineingegeben hast“. Jetzt aber sei Abschied angesagt; gleich mit dem neuen Jahr beginne der Ruhestand. „Damit bist du frei von allen mit dem Orgeldienst verbundenen Aufgaben und Pflichten“, so Saathoff. Die Verabschiedete wollte wissen, ob sie den Kirchenschlüssel behalten darf. Darauf reagierte die Pastorin hocherfreut: „Ja, bitte, bitte behalte ihn!“ An „einer oder zwei Stellen“ stehe Hedwig Stahl nämlich doch noch im Orgeldienstplan für 2021, gestand die Geistliche. „Wir freuen uns sehr, dass dies nicht ein Abschied für immer ist, sondern du uns ein Stück weit erhalten bleibst.“

Die coronabedingt recht wenigen Besucher in der Kirche spendeten zum Abschluss kräftigen Beifall für die verdiente Musikerin. „Aus dem Dienst bist du entpflichtet, aber der Musik wirst du mit Sicherheit treu bleiben. Und für deinen Garten hast du vielleicht ja jetzt ein bisschen mehr Zeit“, leitete Pastorin Saathoff zu einem lebendigen Abschiedsgeschenk in Form einer Apfelquitte über. „Ich hoffe, sie findet einen guten Platz. Ich wünsche mir, dass du an uns denkst, wenn du die Früchte erntest.“ Diese „kleine Dreingabe aus der Dienstgemeinde“ sei aber noch nicht alles, bekräftigte die Pastorin. „Die Zweige sahen etwas kahl aus. Da habe ich noch was drangehängt“, erläuterte sie. Wie zuvor alle anderen Kirchgänger durfte sich Hedwig Stahl zum Schluss ein Lieblingsweihnachtslied wünschen. Sie entschied sich für „Den die Hirten lobeten sehre“. Das Singen war als Folge der Pandemie und des Lockdowns nur einzelnen Gemeindegliedern gestattet. An der instrumentalen Gottesdienst-Ausgestaltung beteiligte sich indes auch Hedwig Stahl selbst.

Pastorin Saathoff predigte auf der Grundlage der von Jesaja prophezeiten Ankunft Jesu über Hoffnungsbilder wider „weihnachtliche Tränen“, „einen Heiligen Abend, der vielen viel zu still war“, sowie „Abstandsregeln und Reiseverboten“. Solche Hoffnungsbilder kündeten auch von Gerechtigkeit, Frieden, starken Worten (statt physischer Gewalt) und einer versöhnten Schöpfung – eben von allem, wonach sich die Menschen sehnten. „Alles das wird geschehen, weil Gottes Geist und die Erkenntnis des Herrn wirken. Und zwar unter uns. In der Welt, in der wir uns jeden Tag bewegen. Mit Christus hat es begonnen, dass diese Visionen wahr wurden. Aber es ist noch nicht vollendet. Das spüren wir im Augenblick sehr deutlich. Es geht weiter. Es wirkt auch durch uns.“

Von Jürgen Bohlken

Eine Apfelquitte für den Garten bekam Hedwig Stahl (rechts) von Pastorin Elisabeth Saathoff überreicht.

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