Bedarfsliste für Liegenschaften aktualisiert

Sicherung des Bestands geht richtig ins Geld

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wie viel Geld müsste die Samtgemeinde Harpstedt in ihre Liegenschaften investieren, um langfristig den Gebäudebestand zu sichern oder auch, wo es geboten erscheint, Standards zu erhöhen? Aufschluss darüber gibt eine verwaltungsseitig nach fünf Jahren erneuerte Bedarfsliste, die am Donnerstag, 2. November, den Finanzausschuss während seiner 19-Uhr-Sitzung im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ beschäftigen wird.

Die darin aufgeführten Investitionen ergeben in der Summe 8,93 Millionen Euro. Hinter dieser Zahl einen riesigen Sanierungsstau zu vermuten, würde der Realität allerdings nicht gerecht. Denn tatsächlich stehen auf der Liste auch Maßnahmen, von denen derzeit gar nicht absehbar ist, ob sie in den nächsten 20 Jahren überhaupt umgesetzt werden müssen. Allen voran gilt das für den „Ersatzneubau“ des Kindergartens „Waldburg“ in Harpstedt, der – grob geschätzt – Kosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro verursachen könnte. Die Substanz der bestehenden Kita ist aktuell keineswegs so schlecht, dass hier Handlungsbedarf bestünde. Allerdings haben sich die Kindergartenstandards mit Blick auf Barrierefreiheit, energetische Bilanz und andere Faktoren mit der Zeit erhöht. Wollte die Samtgemeinde entsprechende Anpassungen vornehmen, dann ließe sich das nach Einschätzung der Verwaltung eigentlich nur mit einem Neubau hinbekommen.

Ebenso ist in der Liste ein neues Feuerwehrhaus für die Colnrader Brandschützer mit einer Million Euro Kostenaufwand großzügig kalkuliert. Bislang hat die Politik aber noch gar nicht darüber beschlossen, in welcher Form die Samtgemeinde der aktuellen Raumnot im bestehenden Gebäude Herr werden will – geschweige denn darüber, was das kosten darf.

Mehr Geld pro Jahr für Gebäude vorsehen?

Die Verwaltung will die Politik mit der Neuauflage der Liste vor allem ermuntern, den Ansatz für Investitionen in Gebäude/Liegenschaften in der mittelfristigen Finanzplanung zu überdenken. Bislang hat die Samtgemeinde jährlich 300 000 Euro als „Vorsorgewert“ angesetzt. Die Verwaltung schlägt eine Aufstockung auf pauschal 500 000 Euro vor.

Zumindest einige der aufgelisteten Maßnahmen werden wohl recht zeitnah umgesetzt werden müssen. Dazu zählt Bürgermeister Herwig Wöbse Investitionen in die Fachräume der Oberschule Harpstedt für Physik, Chemie und Biologie, die aus „technischen, aber auch pädagogischen Gründen“ erforderlich seien. Die genauen Hintergründe wird er in den zuständigen politischen Gremien näher erläutern. Besagte Liste legt dafür einen Kostenaufwand von rund 300 000 Euro zugrunde.

Zahlen beruhen auf groben Schätzungen

Wöbse betonte aber auf Nachfrage unserer Zeitung, alle Zahlen seien nur „grob über den Daumen“ geschätzt.

Sicher ist: Die Fassadensanierung an den Schulen wird mittel- und langfristig richtig ins Geld gehen. Die Liste beziffert die Investitionsbedarfe auf 590 000 Euro (an der Grundschule einschließlich nachträglicher Dachdämmung in Teilbereichen), 1,03 Millionen Euro (Oberschule und Spielhalle) und 950 000 Euro (Delmeschule – inklusive Eingangsbereiche). Zwei haushaltstechnisch schon „abgefrühstückte“ Maßnahmen, die vollzogene Westfassadensanierung an der Ober- und die als Nächstes anstehende Südfassadenerneuerung an der Grundschule, sind nicht inbegriffen.

Pauschalansatz für inklusive Beschulung

Pauschal enthält die Liste außerdem 500 000 Euro für etwaige Anpassungen, die für inklusive Beschulung und Barrierefreiheit mittel- oder langfristig vonnöten sein könnten. Denkbar wäre hier etwa das Erfordernis eines Fahrstuhls für die Oberschule, um nur ein Beispiel zu nennen.

Vor dem Hintergrund der immer wieder nach der Frostperiode im Harpstedter Rosenfreibad auftretenden Fliesenschäden würde wohl eine Grundsanierung/Erneuerung des (Schwimmer-)Beckenkopfs Sinn machen. Geschätzter Kostenaufwand: 480 000 Euro. Für eine energetische Sanierung der Turnhalle in Dünsen veranschlagt die Verwaltung indes 780 000 Euro (einschließlich Lichtband). Bei all den großen Zahlen mutet die Summe von 100 000 Euro, die laut Liste die Amtshof-Fassadensanierung erfordern würde, fast schon lächerlich gering an.

Was sich Herwig Wöbse von der politischen Auseinandersetzung mit der Bedarfsliste erhofft, formulierte er im Telefonat mit unserer Zeitung so: „Der Finanzausschuss könnte uns als Verwaltung sagen, in welcher Höhe aus seiner Sicht jährliche Investitionen in die Liegenschaften leistbar wären, ohne dass die Neuverschuldung zu stark stiege und ohne dass die Mitgliedsgemeinden durch die Samtgemeindeumlage über Gebühr belastet würden.“

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Weihnachtsmarkt in Eitzendorf

Weihnachtsmarkt in Eitzendorf

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt am Sudweyher Bahnhof

Weihnachtsmarkt am Sudweyher Bahnhof

Weihnachten auf Rittergut Falkenhardt

Weihnachten auf Rittergut Falkenhardt

Meistgelesene Artikel

Ursache für Brand des Schweinestalls steht fest

Ursache für Brand des Schweinestalls steht fest

Totschlag: Mehr als 13 Jahre Haft für Familienvater

Totschlag: Mehr als 13 Jahre Haft für Familienvater

Verbindung zwischen A28 und A29 nach Unfall gesperrt

Verbindung zwischen A28 und A29 nach Unfall gesperrt

Dünsener Rat lehnt Gründung eines Fachausschusses ab

Dünsener Rat lehnt Gründung eines Fachausschusses ab

Kommentare