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Rätselhafte Symptome nach der Impfung

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Von: Jürgen Bohlken

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Hannelore Niemann
Hannelore Niemann © -

Harpstedt/Dünsen – Eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die nach der Impfung gegen Corona mit langwierigeren Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben, wollen Nicol Schlotmann aus Dünsen und Hannelore Niemann aus Harpstedt ins Leben rufen. „Einen Raum dafür haben wir bereits. Wir treffen uns erstmals am 15. März von 16 bis 18 Uhr in der Harpstedter Delmeschule – und dann an jedem dritten Dienstag im Monat zur gleichen Zeit. Wir möchten uns austauschen. Wir wollen aber auch in die Öffentlichkeit, weil wir nicht angehört werden“, beklagt Hannelore Niemann.

Die 61-Jährige kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele Begleiterscheinungen des Impfens „auf Druck von oben gedeckelt werden“. Ihr selbst kämen „immer mehr Fälle“ zu Ohren. Die Harpstedterin geht aktuell davon aus, dass mindestens fünf Betroffene am ersten Treffen der neuen Selbsthilfegruppe teilnehmen werden. Wer dazustoßen will, kann sich bei ihr (Telefon 0174/66 56 942) oder Nicol Schlotmann (Telefon 01577/949 70 54) melden.

Die gesundheitlichen Beschwerden der Dünsenerin hat unsere Zeitung kürzlich ausführlich beschrieben. Bei ihr zog die Impfung gegen Corona erhebliche Sehstörungen sowie Konzentrationsschwächen, Atemnot, Hautunreinheiten und ein merkwürdiges Gangbild nach sich. Nachgewiesen ist ein kausaler Zusammenhang nicht. Eine vorangegangene Covid-Erkrankung könnte eine Rolle gespielt haben. Ein T-Zellen-Test hat mittlerweile zweifelsfrei ergeben, dass Nicol Schlotmann bereits in einem sehr frühen Stadium der Pandemie mit dem Coronavirus infiziert war. Damals litt sie auch unter Symptomen, die auf Long Covid oder Post Covid hindeuteten.

Nicol Schlotmann
Nicol Schlotmann © -

Im Mai 2021 ging es ihr nach eigenen Angaben wieder gut. Nach der Impfung im Juli verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand indes so sehr, dass sie ihrer Arbeit als Busfahrerin nicht mehr nachgehen konnte. Der Verdacht, die Impfung habe womöglich Long/Post-Covid-Symptome (neu) hervorgerufen und vielleicht sogar verstärkt, steht weder bewiesen noch widerlegt im Raum. Ob derartige Wechselwirkungen auftreten können, ist schlicht nicht hinreichend erforscht.

Rätsel geben ebenso die Beschwerden der Schlaganfallpatientin Hannelore Niemann auf. Eine Woche nach der Erstimpfung mit dem Biontech-Impfstoff vom 29. April habe sie so sehr unter Luftnot, starkem Zittern und Kreislaufproblemen gelitten, „dass der Notarzt kommen musste“, schildert sie. Diese Symptome seien allerdings nach gut einem Tag wieder abgeklungen.

 Beim Laufen schaffe ich keine langen Wege mehr, weil die Kraft fehlt.

Hannelore Niemann

Am 9. Juni folgte die Zweitimpfung, erneut mit Biontech. Wiederum eine Woche später seien Hautausschläge am ganzen Körper, gepaart mit einem Jucken und Brennen der Haut, aufgetreten. Die Rötungen seien zurückgegangen; der Hautarzt habe das Problem mit Tabletten in den Griff bekommen. „Jetzt aber ist das auf die Nerven übergegangen“, erzählt Hannelore Niemann. Vor allem nachts verspüre sie ein Brennen und Schmerzen in Beinen und Armen. Beim Laufen schaffe sie zudem keine langen Wege mehr, „weil die Kraft fehlt“.

In einer Woche gilt sie als ungeimpft

Seit der Impfung fühle sie sich insgesamt schlecht. Dass sie gesundheitlich abgebaut habe, bekomme sie auch von ihrer Ergo- und ihrer Psychotherapeutin bestätigt. Boostern lassen dürfe sie sich wegen der Symptome nicht, aber die ärztlichen Bedenken würden ihr kurioserweise eben auch nicht attestiert.

Schon in einer Woche gilt sie als ungeimpft. Um ein Attest zu erhalten, müsste sie nach eigenem Bekunden in eine Klinik, wo sie dann den Impfstoff unter die Haut gespritzt bekäme, damit die körperlichen Reaktionen darauf untersucht werden können. Auf diese „Pferdekur“ will sich die 61-Jährige aber nicht einlassen.

Zur Klarstellung darf an dieser Stelle der Hinweis nicht fehlen, dass sämtliche in Deutschland zur Anwendung kommenden Impfstoffe als sicher gelten. Wie das Paul-Ehrlich-Institut immer wieder bekräftigt, seien bislang äußerst selten bedrohliche oder die Gesundheit beeinträchtigende Nebenwirkungen zu beklagen gewesen; das Risiko, als Ungeimpfter schwer an Corona zu erkranken, sei ungleich höher.

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