Selbstverteidigung und -behauptung

Von Mobbing bis Missbrauch: Wie können sich Kinder schützen?

Den potenziellen Aggressor auf Abstand halten: Auch das übte Andrea Ney mit den Jungen.
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Den potenziellen Aggressor auf Abstand halten: Auch das übte Andrea Ney mit den Jungen.

Harpstedt – Die Zusammenlegung zweier Selbstverteidigungskurse für Schuleinsteiger und ältere Jungen im Rahmen des Sommerferienspaßprogramms wegen zu geringer Anmeldezahlen sei überhaupt kein Problem gewesen, winkt Übungsleiterin Andrea Ney ab. Alle Teilnehmer hätten in der Harpstedter Delmeschule gelernt, „wie schön es ist, taktvoll miteinander umzugehen“.

Die ernsten Themen im Kurs bewegten sich zwischen Mobbing und drohendem Missbrauch. Die Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren bekamen etwa vermittelt, entschieden „Stopp“ zu sagen, wenn es die Situation erfordert. Sie übten Ausweichschritte, darunter ein Karateausweichschritt als Reaktion auf Schubsen und Schlagen.

In Gesprächen ging es um die Übergänge von Kindergarten zu Schule und von Grund- zu weiterführender Schule – um Situationen, in denen „die Großen“ mitunter ihre vermeintliche Überlegenheit gegenüber „den Kleinen“ auszuspielen versuchen.

Worauf es in gefahrvollen Situationen ankommt

Andrea Ney erklärte auch, wie ein Kind reagieren sollte, wenn ein Fremder versucht, es aus dem Auto heraus anzulocken. Sodann ging‘s auf den Parkplatz. Die Kinder sollten sich Automarken sowie -farben und -kennzeichen merken – Details, auf die es ankommen kann, wenn etwa nach sexuell motivierten Annäherungsversuchen verlässliche Zeugen benötigt werden.

 Ihr müsst aufzeigen, dass es falsch ist, wenn andere euch zu nahe kommen. Sie sollen lernen, wo ihre Grenzen sind.“

Andrea Ney

Als Highlights empfanden die Jungen das Boxen mit Pratzen und das Zerschlagen von Brettern. Das sorgte bei Jasper (8) sowie Jenke und Louis (beide 7) für echte Begeisterung. Ney riet ihren Schützlingen gleichwohl, im Falle realer tätlicher Angriffe eher defensiv zu reagieren – und auszuweichen.

Wo befinde ich mich gerade? Wo sind die Notausgänge? Auch das Erfahren des Raums spielte im Selbstbehauptungskurs eine Rolle – vor dem Hintergrund, dass bewusste Wahrnehmung in Situationen, in denen echte Gefahr droht, von großer Wichtigkeit sein kann.

Lachen ist wichtig bei aller Ernsthaftigkeit

Nach der Pause erzählte Ney den Kindern eine Geschichte über einen Trainer, der Jungs in der Dusche gefilmt und das Video anschließend ins Internet gestellt hatte. Als Übung sollten sich die Jungen in einen Bereich stellen und so tun, als ob sie sich die Arme abseifen würden. Als Andrea Ney dazukam, wurden alle wütend und jagten sie lautstark weg. „Ihr müsst aufzeigen, dass es falsch ist, wenn andere euch zu nahe kommen“, bekräftigte die Übungsleiterin. „Sie sollen lernen, wo ihre Grenzen sind.“

Nur ernst ging es bei aller Ernsthaftigkeit nicht zu. Lachen war ein wesentliches Element in dem von der Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Harpstedt geförderten Kurs. „Wenn die Jungs mir in einer ruhigen Phase Witze erzählen und wir gemeinsam darüber lachen, zeigt das mir, dass in dieser kurzen Zeit ein kleines bisschen Vertrauen entstanden ist“, so Andrea Ney.  aro

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