„Fest der Begegnung“ soll Flüchtlingen die Chance geben, deutsche Mitbürger aus der Samtgemeinde kennenzulernen

Sehnsucht nach sozialen Kontakten

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Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer hoffen auf einen guten Besuch zum „Fest der Begegnung“ – und besonders auf das Kommen vieler deutscher Mitbürger aus der Samtgemeinde.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Zum Teil sind ihre Angehörigen bereits nachgezogen. Viele der in der Samtgemeinde Harpstedt lebenden Flüchtlinge beherrschen die deutsche Sprache mittlerweile recht gut. Sie wollen nicht unter sich bleiben.

Ihre Sehnsucht nach sozialen Kontakten ist groß. Gern würden sie Harpstedtern von sich und Syrien erzählen. Sie möchten Spielgefährten für ihre Kinder finden und Kontakte zu Einheimischen schließen, aus denen gegenseitige Besuche erwachsen könnten. Da kommt das „Fest der Begegnung“ gerade recht.

Nach der Premiere vom März vergangenen Jahres erhoffen sich die Flüchtlingsinitiative, die Diakonie und die Malteser als Veranstalter diesmal noch mehr Zulauf. Die Flüchtlinge werden, so vermuten sie stark, am Sonnabend, 16. September, ab 15 Uhr in großer Zahl auf dem Kreisjugendzeltplatz an der Schulstraße in Harpstedt vertreten sein. Wichtig sei, dass genügend deutsche Mitbürger kämen, damit echte Begegnungen ermöglicht würden. Im Idealfall gelingt mit dem Fest ein kleines Stück weit Integration. Flüchtlinge werden, so die Idee, mit Einheimischen auf Planen oder mitgebrachten Wolldecken picknicken und plaudern – und deutsche sowie syrische Kinder auf der Hüpfburg der Malteser Seite an Seite toben.

Das Programm habe mehr zu bieten als beim ersten Fest dieser Art, und auch die Werbung sei – etwa mit Plakaten – deutlich größer aufgezogen worden, betont Flüchtlingshelferin Thea Möring. „Alles ist kostenlos“, werben die Organisatoren in eigener Sache. Das gelte für das Ponyreiten und das Kinderschminken genauso wie für die Gaumenfreuden vom Grill. Vereine und Gruppen werden eingebunden: Die Anfänger des Unicycle-Teams Harpstedt zeigen Kostproben ihres fahrerischen Könnens auf dem Einrad. Eine Bauchtanzgruppe tritt auf. Die Jugendfeuerwehr Harpstedt lockt mit Wasserspielen oder ähnlichen Angeboten. „Wir wollen zusammen viel Spaß haben. Das Miteinander ist wichtig“, betont Thea Möring.

Die Gäste können und sollen selbst ein wenig zum Gelingen beitragen. Jeder, der kommt, wird darum gebeten, das Buffet mit einem Salat, Brot, Kräuterbutter oder dergleichen zu bereichern. Das Fleisch und die Getränke haben indes die drei Veranstalter besorgt, die das Fest finanzieren. Schwein ist auf dem Grill natürlich aus Rücksichtnahme auf die muslimischen Flüchtlinge tabu. Stattdessen gibt es Köstlichkeiten vom Lamm, Rind oder auch Geflügel. Angesichts der besten Absichten der Organisatoren steht für Thea Möring schon jetzt fest: „Es regnet nicht!“ Wenn aber wider Erwarten doch, dann steht das Kreisjugendzeltplatzgebäude als räumliche Ausweichlösung zur Verfügung.

„Das war er plötzlich sehr gut gelaunt“

Zeitweise lebten rund 250 Flüchtlinge nach dem letzten großen Zustrom in der Samtgemeinde Harpstedt. Heute sind es nach Kenntnis von Thea Möring noch ungefähr 60. Mindestens fünf Familien hätten inzwischen selbst eine Wohnung gemietet.

Die Zahl der Flüchtlingshelfer, die aktiv im Einsatz seien, liege momentan bei rund 20, weiß Pastor Gunnar Bösemann. In Zeiten, als der Unterstützungsbedarf weit größer war, seien es über 50 gewesen.

Mariam Taramuosh kann sich schon gut auf Deutsch verständigen, doch die Zahl ihrer Kontakte zu Harpstedter Bürgern hält sich bislang in recht engen Grenzen. Der Syrerin fallen auf Anhieb ihre früheren Nachbarn ein – oder die „Frauen in der Linden-Apotheke“, wo sie mal ein Praktikum absolvieren wollte. 2015 kam sie nach Deutschland. Über Dortmund und Wildeshausen gelangte sie nach Harpstedt. „Die Leute dürfen uns gern ansprechen“, betont auch Perwin Mohammed aus Syrien. Genauso wie sie freut sich Ahmad Juao, Vater einer dreijährigen Tochter, auf das Fest der Begegnung: „Ich hoffe, dass viele Familien mit ihren Kindern kommen.“ Juao, ebenfalls Syrer, sei zunächst allein nach Deutschland geflüchtet, erzählt Pastor Bösemann. Seine Frau, die gerade schwanger ist, und seine Tochter seien vor sechs Monaten im Zuge der Familienzusammenführung nachgekommen. „Da war Ahmad plötzlich sehr gut gelaunt“, erinnert sich der Geistliche.

Bedingt durch den Familiennachzug, gibt es auch aktuell immer noch gelegentlich Neuankömmlinge. Am vergangenen Montag etwa kam eine Frau mit ihren fünf Kindern; diese Flüchtlingsfamilie wohnt in Dünsen.

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