Harpstedter Pastorin im Gespräch

Seelsorge in Corona-Zeiten: Was ist wichtig?

Seelsorge per Telefon: Elisabeth Saathoff. Foto: Kab
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Seelsorge per Telefon: Elisabeth Saathoff. 

Seelsorge bedeute derzeit auch, dass die Gemeindemitglieder füreinander sorgen, findet Elisabeth Saathoff, Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde Harpstedt. Sie spricht darüber, was die richtigen Worte für eine Karte an die Oma sind und wie der Glaube in der Coronakrise helfen kann.

Harpstedt – Zu bestimmten Uhrzeiten geschehen in Deutschland derzeit besondere Dinge: Um 21 Uhr etwa stehen viele Menschen am geöffneten Fenster und klatschen, um dem medizinischen Personal für seinen Einsatz zu danken. In Harpstedt – und nicht nur dort – ist 19 Uhr zu einem wichtigen täglichen Termin geworden: Anlässlich der Aktion „Licht der Hoffnung“ läuten die Glocken der Christuskirche zehn Minuten lang. Diesen Moment nutzen viele, um eine Kerze als Hoffnungssignal ins Fenster zu stellen und ein Gebet zu sprechen. Pastorin Elisabeth Saathoff sieht darin eine Ausweitung der Idee der Seelsorge: „Das ist etwas, wo die Gemeinde selbst aktiv wird. Die Menschen sorgen für ihre Seele, indem sie die Gemeinschaft suchen.“

Auch wenn derzeit persönliche Treffen mit anderen stark beschränkt sind, höre sie häufig, dass auf anderem Weg mehr Kontakte bestehen als normalerweise. Viele telefonierten etwa häufiger mit ihren Eltern oder Großeltern und entdeckten neue Möglichkeiten, zusammenzukommen. „Das ist eine gute Chance, eine Beziehung wieder zu intensivieren“, sagt Saathoff.

Neue Wege nutzt das Team der Geistlichen ebenfalls. Seit knapp zwei Wochen werden die Gottesdienste in der Christuskirche per Live- stream übertragen. „Die werden geguckt, der Bedarf ist da“, meint die Pastorin. Tatsächlich: Der Beitrag im Youtube-Kanal „Kirche Harpstedt“ hat rund 2200 Klicks. Auch für Sonntag ist eine Übertragung der Andacht geplant.

Es kommen bereits deutlich mehr E-Mails

Neben diesem Angebot stünden die Pastoren telefonisch für Gespräche bereit, versichert Saathoff. Ein Thema, das dabei derzeit naheliege, seien Parallelen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Gedanke „Ich darf nicht raus, weil ich dort gefährdet bin“ könne bei älteren Menschen durchaus Erinnerungen wecken. Die Nachfrage nach telefonischer Seelsorge sei im Moment noch nicht besonders erhöht, sie rechne aber damit, dass sich das in den kommenden Wochen ändern werde. Derzeit seien viele Menschen noch damit beschäftigt, sich im „Corona-Alltag“ einzurichten. Die Zahl der E-Mails habe aber bereits deutlich zugenommen.

Ein Tipp zur Seelsorge, die jede und jeder betreiben könne, ist der Pastorin zufolge, eine Karte oder einen Brief zu schreiben. „Ich kann da nur alle ermutigen.“ Sie hat auch Ratschläge, was den Inhalt angeht. „Wenn da steht: ,Ich denke an dich‘, ist das schon gut“, findet Saathoff. Gerade der schriftliche Kontakt sei geeignet, um Dinge mitzuteilen, die meist ungesagt blieben – Sätze wie „Du bist mir wichtig“ oder „Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“. Der Vorteil der Post: Sie kann mehrfach gelesen werden. Doch auch Telefonate seien wichtig, um dem Redebedarf älterer Menschen entgegenzukommen, erläutert die Pastorin. Sie empfiehlt, danach zu fragen, wie sie den Tag verbracht haben und was sie gefreut hat.

In der Tatsache, dass derzeit Millionen von Menschen eine Krise erleben, sieht Saathoff einen Anknüpfungspunkt zum Kirchenkalender: Noch bis Ostern dauert die Passionszeit, die Gläubige an das Leiden Jesu erinnert. Häufig sei das abstrakt, Schmerz und Unglück würden oft nur aus der Distanz betrachtet, sagt Saathoff. Plötzlich aber spürten die Menschen das Leid selbst. Die Kirche könne in dieser Situation als Stütze dienen: „Ich denke, es ist ein Trost, dass Jesus das Leiden kennt und er sagt: ,Ich lasse euch nicht allein‘.“ Dass auch die negativen Seiten Teil des Lebens seien, werde in der Gesellschaft gern beiseite geschoben.

Kontakt

Das Team der Christusgemeinde ist wie gewohnt unter den Telefonnummern 04244/9653057 (Pastorin Saathoff), 04244/9687098 (Pastor Gunnar Bösemann) und 04244/8760 (Pastorin Hanna und Pastor Timo Rucks) zu erreichen.

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