Das Line-up steht noch nicht / Bands, die auftreten wollen, können sich bei Kai-Jannes („Wuzel“) Dey bewerben

„Schweinegeiles“ Colnrader Open Air erlebt am 2. Oktober ein Revival

Der Einlass um 15.55 Uhr spielt auf den Schauplatz des Geschehens an der Hauptstraße 55 an. Plakat: Veranstalter

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. So alt wird kaum ein Schwein: Auf nahezu 15 Lebensjahre hat es die Sau „Fleckri“ gebracht, die viele Jahre lang für das Colnrader Open Air als Maskottchen herhielt und obendrein das Veranstaltungsgelände an der Hauptstraße 55 bewachte. Als sie starb, lag auch das Festival in den letzten Zügen. Viele Stammgäste bedauerten das Aus dieses Events. Immer wieder musste sich Veranstalter Kai-Jannes Dey, „Wuzel“ genannt, anhören, wann er dem Festival denn endlich eine Wiederbelebung verpassen wolle. Nun hat er sich nach langem, stetigen Bedrängen tatsächlich zu einem Revival durchgerungen – natürlich unter freiem Himmel und selbstverständlich an bekannter Stelle, wo Dey immer noch wohnt.

2. Oktober, Einlass um 15.55 Uhr, Beginn um 18 Uhr – mit dieser Terminwahl ist dem Colnrader, der seit fast 15 Jahren als Sozialassistent im Naturkindergarten Huntlosen arbeitet, ein echter Coup gelungen. Nicht nur, weil die Besucher wegen des darauffolgenden Tags der Deutschen Einheit ausschlafen können, sondern auch wegen des Colnrader Hökermarktes. Einen Teil der Parkplätze, die für das Großevent frühzeitig hergerichtet werden, dürfen schon die Open-Air-Besucher nutzen. Wer die Nacht durchfeiern, aber auch auf Schnäppchenjagd gehen will, macht sich gegebenenfalls gleich am frühen Morgen des 3. Oktober mit der Taschenlampe auf den Weg in den Colnrader Ortskern, um sich ins Marktgetümmel zu stürzen.

„Sauis“, die frühere eigene Währung auf dem „schweinegeilen“ Open Air, wird es nicht mehr geben. „Wuzel“ verspricht aber zivile Preise für Speis’ und Trank. Er wolle sich an dem Festival nicht bereichern, sondern die Kosten decken. „Die Leute sollen Spaß haben, und das soll nicht am blöden Geld scheitern“, sagt der Veranstalter. In der Vergangenheit hatte er Überschüsse, sofern welche anfielen, auch schon mal der Colnrader Jugendfeuerwehr gespendet.

Das Line-up für das Revival steht noch nicht. „Wuzel“ sucht Bands aus der Region, die am 2. Oktober auf dem Open Air an der Hauptstraße 55 spielen wollen. Sie können sich bei ihm unter Telefon 04434/918 950 bewerben. Von Rock und Blues bis hin zu Soul ist alles möglich. Dey stellt aber zugleich unmissverständlich klar: „Das Festival bleibt technofreie Zone!“

Die ehemalige Hochbühne, inzwischen als privates Fahrradmuseum genutzt, wird zum Revival leer geräumt und soll dann eine „Turm-Bar“ beherbergen. Zusätzlich plant „Wuzel“ eine Sekt- und Tequilabar – sowie natürlich auch Stärkungen in fester Form. „Ganz so groß wie früher wird’s wohl nicht werden. Zusammen mit einigen Freunden bin ich gerade dabei, eine feste Bühne aufzubauen. Die Fundamente sind schon gegossen. Fotos, alte Plakate und Zeitungsberichte hängen wir in meinen Wintergarten und ins Gewächshaus. Jede verfügbare Glasscheibe wird genutzt, um Erinnerungen an früher wachzurufen. Und wenn ich dann in drei Jahren 55 werde, lasse ich es mit einem größeren Open Air noch mal richtig krachen“, verspricht Dey.

1992, anlässlich seines 25. Wiegenfestes, hatte er das Event ins Leben gerufen – damals schon mit fünf Bands. Die jungen Helfer aus dem Dorf, die ihm heute zur Seite stehen, dürften in den frühen Festivaljahren gezeugt und zur Welt gekommen sein. Ein Heimspiel feierte auf jedem Colnrader Open Air die Blues-Band „Steamin’ 55“. „Wuzel“ selbst saß am Schlagzeug. Der Name der Combo bedeutet so viel wie „Dampf aus der 55“ – und spielte natürlich auf die Hausnummer 55 an.

Die Combo gönnte sich eine sehr lange Pause. „Bestimmt zwölf, vielleicht sogar 14 Jahre haben wir als Band nichts mehr gemacht. Als ich 50 geworden bin, habe ich zu den Jungs gesagt: ,Es ist so weit. Jetzt kommen wir alle wieder zusammen.’ Nach einer einzigen Probe haben wir in einer größeren Garage während meiner Geburtstagsfeier erstmals wieder zusammen gespielt. Niemand hat was verlernt. Das ist wie Fahrradfahren“, staunt „Wuzel“ rückblickend. Beim kommenden Open Air mischen drei „Steamin’ 55“-Mitglieder als Sessionband mit: Zu Sänger André Protzel, Gitarrist „Dr. Blues“ und „Wuzel“ an den Drums gesellt sich ein Gastmusiker, der anstelle von „Shorty Schuldlos“ den Bass zupft. Gern hätte Dey auch Keyboarder Joe Kretschmer-Strömer dabei habt. „Der ist aber auf Lehrgang. Ihn kriege ich da wohl nicht losgeeist“, vermutet der Drummer. „Wir werden unter anderem Stücke von Gary Clark jr. spielen. Richtig geile Sachen“, kündigt Dey an. „Steamin’ 55“ stand immer für einen Mix aus gecoverten und eigenen Blues-Rock-Songs. Eines der selbst geschriebenen Stücke heißt „Potatoe Joe“. „Es handelt von der letzten Kartoffel, die Stöver in die Erde gehauen hat“, sagt „Wuzel“ – und lacht.

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