Schutzgebiet in Henstedter Heide angeregt

FDP beteuert: Keine Verhinderungsplanung

Klein Henstedt - Auf Antrag der FDP befasst sich der Kreisumweltausschuss am Dienstag, 29. September, gegen Ende seiner um 17 Uhr im Kreishaus in Wildeshausen beginnenden Sitzung mit einer etwaigen Schutzgebietsausweisung in der Klein Henstedter Heide.

Im Antragsschreiben weist Fraktionssprecher Ernst-August Bode darauf hin, dass dieses Gebiet im noch gültigen Landschaftsrahmenplan von 1995, der allerdings als reiner Fachplan nur Wünschenswertes im Interesse von Natur und Landschaft formuliert, als „landschaftsschutzwürdiger Bereich“ eingestuft sei. Als „Schutzziele und wertbestimmende Faktoren“ fänden darin der Erhalt und die Entwicklung der durch Hecken und Feldgehölze strukturierten Kulturlandschaft mit Schlatts, Kleinstmooren und baumreichem Feuchtgrünland Erwähnung, ebenso das Vorkommen gefährdeter Arten sowie die Bedeutung des Bereichs für Naturhaushalt und Landschaftsbild.

„Leider ist die Ausweisung (...) als Schutzgebiet, aus welchen Gründen auch immer, durch den Landkreis nicht weiterverfolgt worden“, bedauert Bode im

„Konflikte ließen sich vermeiden“

Antrag der Liberalen. „Die unübersehbaren Folgen sind eine (...) Veränderung des Landschaftsbildes durch Beseitigung von Feldgehölzen und Hecken, Grünlandumbruch und Intensivierung der Landwirtschaft durch Maisanbau und Monokulturen. In dem Bildband ,Klein Henstedter Heide 2013‘ sind diese drastischen Veränderungen (...) dokumentiert, wenn auch die Auswirkungen auf den Artenschutz und gefährdete Lebensgemeinschaften nicht sichtbar sind“, führt der Fraktionsvorsitzende weiter aus.

Er verweist auf die aktuellen Windparkplanungen, die auf rund 500 Hektar in der Henstedter Heide die Errichtung von, so Bode, etwa 40 Windenergieanlagen (WEA) mit bis ungefähr 200 Meter Höhe zur Folge haben könnten. Damit würde das Landschaftsbild „in einer Kernzone des Naturparks Wildeshauser Geest unwiederbringlich zerstört“, gibt er zu bedenken, „zumal in unmittelbarer Nähe“ – in Abständen von nur wenigen Kilometern – bereits Windparks vorhanden seien oder neue „gebaut werden sollen“. Die Liberalen fürchten auch bauliche Eingriffe in den Naturhaushalt des Gebietes: Die Errichtung neuer WEA erfordere „breite, zumindest schotterbefestigte Wege mit großen Kurvenradien, die auch wegen möglicher Unterhaltungs- und Reparaturarbeiten“ an den Anlagen „nicht zurückgebaut“ werden könnten. Dafür wären Gehölzstreifen an vorhandenen Wegen aufzuschneiden, wenn nicht sogar ganz zu beseitigen, oder aber „es müssten Durchbrüche geschaffen werden“. Die existierende strukturierte Kulturlandschaft mit Hecken und Feldgehölzen, wie sie der Landschaftsrahmenplan beschreibe, würde zerstört, schlussfolgert Bode.

Ein weiteres Problem wäre aus Sicht der Kreistags-FDP „der Eingriff in die Bodenstruktur“. Gründungspfähle und riesige WEA-Fundamente zögen womöglich eine Veränderung im Wasserhaushalt des Gebietes und die „Austrocknung und Verlandung der vorhandenen Biotope“ nach sich. Damit aber würden die im Landschaftsrahmenplan genannten langfristigen Maßnahmen und Umsetzungsvorschläge zur Sicherung der Henstedter Heide „ad absurdum“ geführt.

Bode ist schon klar, dass die von der FDP angestrebte Schutzgebietsausweisung als Windkraft-Verhinderungsplanung aufgefasst werden könnte. Darum gehe es seiner Fraktion aber nicht, versichert er. Die FDP vertrete die Meinung, dass der „Kernbereich“ der Henstedter Heide unter Schutz gestellt werden sollte, während ihr „ein weiterer Bereich an der Autobahn“ für den Bau von WEA „geeignet erscheint“. Mit einem Schutzgebiet ließen sich, so Bode, auch die Bedenken ausräumen, die wegen geringer Abstände zu Wohnbebauung (etwa 500 Meter) laut geworden sind. „Der Landkreis hätte hier die Möglichkeit, ohne größere Konflikte sowohl den Ansprüchen der Energiewende als auch dem Schutz von Flora und Fauna und dem Erhalt des Landschaftsbildes gerecht zu werden“, bekräftigt der FDP-Fraktionsvorsitzende.

2008 sah ein Antrag von Herwig Wöbse (CDU) schon einmal die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes vor. Damals lag zumindest der Verdacht nahe, dass die Realisierung der geplanten 380-kV-Freileitung zum St. Hülfer Neufeld zumindest erschwert werden sollte. Der Prinzhöfter Rat pfiff Wöbse aber zurück, der wiederum seinen Antrag zurücknahm.

boh

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