Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich? Von wegen! Mit Landfrauen zubereitete Gerichte kommen gut an

Schüler lernen die tolle Knolle schätzen

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Leckeres aus Kartoffeln kochte gestern die Klasse 3c von Lehrerin Annika Schamberger (hinten l.) mit den Landfrauen Jutta Döpcke, Claudia Pleus und Britta Schütte (hinten, v.l.) in der Küche der Harpstedter Delmeschule.

Harpstedt/Dünsen- Von Jürgen Bohlken. Der verlockende Duft von „Felix’ Kartoffelsuppe“, „Yakaris Kartoffel-Wurst-Gratin“, „Diddels Knabberstäbchen mit Dip rot-grün“, „Super-Brötchen XXL“ und „Goldies Waffelherzen“ durchzieht die ganze Delmeschule.

In der dortigen Küche bereiten Landfrauen mit den Dritt- und Viertklässlern der Grundschulen Harpstedt und Dünsen Gaumenfreuden rund um die „tolle Knolle“ zu.

Beim „Kochen mit Kindern“ unter der Regie des gleichnamigen Vereins dreht sich diesmal alles um den nährstoffreichen Erdapfel. Acht Klassen „schleusen“ die Landfrauen Britta Schütte, Jutta Döpcke, Claudia Pleus, Frauke Holzschuher, Hildegard Timmermann, Susanne Hadeler und Iris Wessels in wechselnd besetzten Teams an acht Vormittagen durch das Koch-„Programm“.

Annika Schamberger, Klassenlehrerin der 3c, ist überzeugt: „Diese Aktion trägt auch dazu bei, den Klassenzusammenhalt zu stärken.“ Im Übrigen sei der Grundschule daran gelegen, dass die Kinder erklärt bekämen, welche landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus der Region zu welchen Produkten verarbeitet werden. Dies geschehe auch im Sachunterricht – etwa im Zusammenhang mit dem Themenfeld „Vom Brot zum Korn“.

Pommes müssen nicht zwingend aus der Truhe sein

Pommes müssen nicht zwingend aus der Truhe und Chips nicht unbedingt fertig aus der Tüte kommen; beides lässt sich genauso wie Kartoffelpüree selber machen – auch diese Botschaft wider den Convenience-Trend wollen die Landfrauen weitergeben. Ihnen liegt daran, dass Eltern zusammen mit ihren Kindern zu Hause mehr frisch kochen und den (Nähr-) Wert landwirtschaftlicher Nahrungsmittel aus der Region zu schätzen wissen. Die Erdäpfel, so bleibt den Schülern nicht verborgen, zeichnen sich durch ihren Gehalt an vielen Vitaminen und Mineralstoffen aus; sie gelten als gute und dabei nicht zu kalorienreiche Sattmacher.

Auch ein bisschen Kulturgeschichte fließt in das „Kochen mit Kindern“ ein. Die Schüler erfahren, dass die spanischen Eroberer die ursprünglich aus dem Inkareich stammende Kartoffel im 16. Jahrhundert entdeckten. Wie genau sie nach Europa gelangte, ist nicht abschließend geklärt. Die Landfrauen berichten von früher erlittenen Vergiftungen als Folge von Versuchen, die Früchte der Pflanze (statt der genießbaren Knollen) zu essen. In Preußen setzte Friedrich II., der „Alte Fritz“, den Kartoffelanbau gegen Widerstände durch – mit großer Mühe und eiserner Hand. Das neue Nahrungsmittel sollte Hungersnöten vorbeugen. Die Bauern standen dem Erdapfel aber zunächst sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber. Darin soll der Ursprung eines alten Sprichwortes liegen, das noch immer kursiert: „Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich!“

Der Grundschulklasse 3c indes mundeten die zusammen mit den Landfrauen kredenzten Gaumenfreuden gestern ausgezeichnet – vom Gratin bis hin zu den kartoffelhaltigen Brötchen. Die benötigten Lebensmittel schafft der Verein „Kochen mit Kindern“ an – mit Ausnahme der Kartoffeln; die spendet komplett der Wesselhof in Dünsen.

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