Schöpferische Kraft steckt in grandioser Aufführung

„Luther“: Publikum in brechend voller Kirche feiert Chöre mit Standing Ovations

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Die „Feelings“ schlüpften während der gemeinsamen „Luther“-Aufführung mit dem Gospelchor in die einzelnen Rollen.

Harpstedt - Von Anja Rottmann. Brechend voll war die Harpstedter Christuskirche schon vor Beginn des Pop-Oratoriums „Luther“. Auch von der Empore aus verfolgten viele Zuhörer am Sonntagnachmittag das Musical, das der Gospelchor Harpstedt und der Jugendchor „Feelings“ aufführten.

„Was hier heute zu hören sein wird, würde Martin Luther zutiefst berühren. Ich begrüße Sie alle zu dieser kleinen Revolution, die von vielen engagierten Sängern mit enorm viel Engagement einstudiert wurde“, machte Pastor Timo Rucks richtig Lust auf das von Michael Kunze und Dieter Falk kreierte Stück.

Der Gospelchor hatte im Januar und der Jugendchor im Februar mit dem Einstudieren begonnen. Ab April probten beide Chöre gemeinsam zweimal wöchentlich und investierten dabei viel Herzblut. „In diesem Jahr war alles viel umfangreicher als in den Musicals davor“, ließ Chorleiterin Daniela Predescu wissen. „Die Solisten singen fast wie in einer Oper; es gibt viele Wechsel. Jeder ist auf den anderen angewiesen. Vom Solo über Terzett und Quartett bis hin zum Medley wird alles geboten.“ Die letzte Probe hatte am Freitag um 17 Uhr begonnen; sie endete erst um 2 Uhr in der Nacht. Ehe nicht jede Szene zur Zufriedenheit aller saß, wollte keiner nach Hause gehen.

Heraus ragten die Stimmen von Luis Villar

Die Inszenierung passte perfekt in das Luther-Jahr. 1521, vier Jahre nach dem Anschlag seiner 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg, war der Reformator vor dem Reichstag von Worms aufgefordert worden, seine kirchenkritischen Aussagen zu widerrufen. Mit Rückblenden und Ausblicken erzählt das Pop-Oratorium von seinem Ringen um die biblische Wahrheit, von seinem Kampf gegen Obrigkeit und Kirche. Das Ergebnis ist eine spannende Geschichte über Politik, Religion und die Person Martin Luther, die Fragen aufwirft. Insbesondere eine Frage: Wie konnten das Wirken des Reformators und sein Anstoß zum eigenständigen Denken so umfangreiche Veränderungen in Ehe und Familie, Bildung, Wissenschaft, Kunst und Musik auslösen?

Seinen großen Auftritt in dem Musical hatte der siebenjährige Mika Würfel, der bei den „Kirchturmspatzen“ aktiv ist und Luther im Kindesalter verkörperte.

Heraus ragten die Stimmen von Luis Villar in der Rolle des erwachsenen Luther und von Frederike Windhusen als Marketenderin Lara. Aber auch Bjarne Kolb als Johannes Faber und Anton Fugger, Matti Ertel als Kaiser Karl V. und Buchverleger Froben, Alina Kolweyh als Phillip Melanchton, Kurfürst Friedrich, Hans von Berlepsch und Ablassprediger, Holger Kleinert als Luthers Vater Paulus sowie Heinz-Jürgen Greszik (vom Gopelchor) beeindruckten das Publikum in den Solistenparts.

Zu den „alten Hasen“ unter den Darstellern gesellten sich Neele Hellbusch, der schon erwähnte Matti Ertel, Isabell Krössing und Lara Haake hinzu. Neele hat bereits bei den „Kirchturmspatzen“ mitgewirkt. Ebenso bei „AmaSing“ – wie auch Isabell. Lara und Matti brachten indes keine Chorerfahrung mit. Gleichwohl konnten alle vier die Zuhörer begeistern. Gleiches gilt für Jana Böschen, Alina Wenke und Ilka Sander.

Helfende Hände hinter den Kulissen

Hinter den Kulissen der aufwendigen Aufführung wirbelten die Tontechniker Mario Greenway, Maximilian Springer und Ralf Adams, Mitorganisatorin Edda Krusch, die Bau- und die Weinstandgruppe, die Pastoren Timo Rucks und Elisabeth Saathoff, Küsterin Valentina Schmidt, Christa Sander, Uta Böschen, Annelie Wenke sowie Ermal Medulay. Nach dem Finallied gab es Standing Ovations für die grandiose Vorstellung. Einen großen Blumenstrauß überreichte Pastor Gunnar Bösemann im Namen des Kirchenvorstandes an Daniela Predescu. „Es muss schöpferische Kraft geherrscht haben für das, was hier heute passiert ist. Mit deiner unermüdlichen Energie hast du ein wahres Meisterwerk auf die Bühne gebracht. Wir alle hier können nur ahnen, was da alles hinter steckt“. Auf die Frage, welcher Ton der höchste gewesen sei, erwiderte die Chorleiterin schmunzelnd: „Ein Ass!“ Alle Beteiligten hätten sehr gut gearbeitet und am Ende „eine großartige Leistung hingelegt“, zeigte sich Predescu rundum zufrieden. „Profis können in dieser kurzen Zeit keine solche Leistung abrufen – die proben ein halbes Jahr lang oder sogar noch länger.“

Mitorganisator Holger Kleinert beeindruckte das punktgenaue Zusammenspiel der beiden Chöre. Die fließenden Übergänge seien nämlich durchaus schwierig. Annette Ihmels, ebenfalls Mitorganisatorin, imponierte die eigenständige Ausarbeitung der Choreografie durch die „Feelings“. Im Gegensatz zur Urversion, in der die Darsteller spartanisch gekleidet sind, bewunderten die Zuschauer in Harpstedt tolle Kostüme.

Ein Mitschnitt soll zeitnah auf YouTube zu sehen sein.

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