Fachausschuss lässt sich Barcodesystem vorstellen

Schöne neue (Technik-)Welt im Harpstedter Rosenfreibad?

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Kommen Kartenautomat und Barcode-Lesegerät für das Freibad? Die Entscheidung dürfte noch auf sich warten lassen.

Harpstedt  - Von Jürgen Bohlken. Der Badegast kauft sein Ticket am Automaten. Der „spuckt“ eine Karte mit Barcode aus. Ein Lesegerät im Freibad-Eingangsbereich liest den Code aus.

Ein Drehkreuz entriegelt. Der Besucher kann passieren. Er verlässt die Anlage dann später durch einen separaten Ausgang. Das Drehkreuz dort ist so großzügig dimensioniert, dass auch Mütter mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer rauskommen... Sieht so die Zukunft im Rosenfreibad aus?

Ob die Samtgemeinde Harpstedt eine technische Umrüstung in diese Richtung realisieren wird, ist noch nicht entschieden. Erst einmal soll sich nun der Samtgemeindeausschuss (SGA) vertiefend mit dem Barcodesystem befassen und nach Möglichkeit auch bereits ein Angebot einholen lassen. Dafür hat sich der Schul- und Sozialausschuss am Dienstagabend im Hotel „Zur Wasserburg“ ausgesprochen.

Zuvor hatte Norbert Wolters von der Abteilung ECS (Eingangskontrollsysteme) der Metallbau Emmeln GmbH und Co. KG technische Optionen vorgestellt, darunter auch das von Stefan Wachholder (CDU) vor einigen Monaten ins Gespräch gebrachte RFID-Kartensystem. Für Freibäder favorisiert der Fachmann allerdings die Barcodevariante. Das Auslesen geschehe sehr schnell, und die niedrigeren Kosten sprächen dafür. Ein weiterer Pluspunkt: Unanfälligkeit gegenüber äußeren Einflüssen wie Magnetfeldern.

Der Teufel steckt – wie eigentlich immer – im Detail. Da sind zunächst die erheblichen Investitionskosten, die sich im hohen fünf- oder sogar niedrigen sechsstelligen Bereich bewegen. Jedenfalls deutlich über den 20 000 Euro, die sich für eine etwaige Umrüstung bislang im Haushalt der Samtgemeinde Harpstedt wiederfinden.

Hinzu kommt: Der Ticketautomat würde Kassenpersonal wohl nicht gänzlich ersetzen können.

Nur ein Beispiel: Eine Mutter mit Kinderwagen käme nicht durch das Eingangsdrehkreuz. Sie müsste durch eine Klapptür gehen. Die öffnet sich aber erst, wenn jemand auf ein Knöpfchen gedrückt hat. Wer soll das tun? Das Aufsichtspersonal? Unsere Zeitung hat bei Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse nachgefragt. „Ich halte das nicht für ratsam. Darunter würde vermutlich die Badeaufsicht leiden“, äußerte sich der Verwaltungschef.

Nicht unerheblich dürfte die Haltung des Kioskpächters sein: Jürgen Röhrke wohnte den Beratungen des Schul- und Sozialausschusses bei, hätte also nach einer Sitzungsunterbrechung gehört werden können, doch das passierte nicht. Der Verkauf von Eintrittskarten für das Freibad fällt derzeit mit in seinen Aufgabenbereich. Dafür bekommt er Provision in Form einer nicht unerheblichen prozentualen Beteiligung an den Einnahmen. Käme ein Kartenautomat, so hätte das geringere Erlöse aus diesem „Geschäftsfeld“ für Röhrke zur Folge. Andererseits hätte er vielleicht die Möglichkeit, seinen Kiosk an regnerischen Tagen dicht zu lassen – unter der Voraussetzung, dass die Samtgemeinde da mitspielt. Denn ob die Kommune das gutheißen kann, ist zumindest zu hinterfragen. Es läge ja keineswegs in ihrem ureigensten Interesse, das gastronomische Freibad-Angebot wetterabhängig vorzuhalten.

Dauerkarten müssten mit Bild und Barcode ausgestellt werden

Ein anderes Problem sind etwaige Schummeleien: Was, wenn ein Erwachsener eine ermäßigte Karte am Automaten kauft, um sich selbst unrechtmäßig einen „Rabatt“ auf den Eintritt zuzugestehen? Hier könne erfahrungsgemäß ein großes Display im Eingangsbereich abschrecken, erläuterte Wolters. Optional leuchtet dann nach Auslesen des Barcodes das Wort „jugendlich“ oder „ermäßigt“ auf. Die „Jugendlich“-Variante sei die wirkungsvollere. Zu bedenken auch: Für Eintrittskarten, die länger in Gebrauch sind, wären solides Material und eine Einlaminierung ratsam. Dauerkarten müssten mit Bild und Barcode ausgestellt werden. Bleibt die Frage, wo der separate Ausgang hin soll, zu dem Wolters rät. Bevor die Entscheidung für oder gegen ein Barcodesystem fällt, gibt es also jede Menge Prüf- und Klärungsbedarf. Im Moment bestehe keinerlei Entscheidungsdruck, machte Herwig Wöbse im Schul- und Sozialausschuss deutlich.

Gleichwohl fand die vorgestellte Barcode-Technik im Grundsatz ein wohlwollendes Echo. „Genau das Richtige“, urteilte Stefan Wachholder. „Zeitgemäß!“, meinte Marco Roreger (CDU), der sich für die Einholung eines konkreten Angebots aussprach. „Meine Vorbehalte sind ausgeräumt worden“, sagte Uwe Cordes (Grüne).

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