Schnupperwoche: Interessierte können Einblicke in den Alltag der beiden BUND-Waldkindergärten gewinnen

Wo die Natur jede Menge Spielzeug bietet

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Am „Waldkalender“, einem Konstrukt aus „Mini-Strickleitern“, wird mit Hilfe eines zu verknotenden Bandes täglich der aktuelle Wochentag markiert.

Harpstedt - Caspar darf im „Waldkalender“ seinen nahenden Geburtstag „eintragen“. Das kunstvolle Geflecht aus Naturmaterialien erfüllt seinen Zweck: Die darin integrierten „Mini-Strickleitern“ stehen für die Wochen eines Monats – und jeder eingearbeitete Zweig wiederum für einen Wochentag. Morgen für Morgen vollzieht sich im Begrüßungskreis ein Ritual. Jeweils ein Waldkindergartenkind „verknotet“ dann ein Stück Band. Am richtigen Zweig, versteht sich, damit der Kalender den korrekten Tag „anzeigt“.

Mit Hilfe eines anderen Utensils, der Walduhr, entscheidet sich indes täglich, wer in den Genuss kommt, „Bestimmer“ zu sein. „Das betreffende Kind darf den Platz wählen, zu dem unser Tagesausflug führen soll. Es sucht Lieder aus, die wir singen, und kann sich Spiele wünschen“, verrät Erzieherin Nadine de Boer.

Zusammen mit Sonja Kern betreut sie aktuell 14 „Waldfüchse“. Mit den „Grashüpfern“ gibt es einen zweiten Harpstedter BUND-Waldkindergarten. Hier kümmern sich Andrea Brockmann und Sabine Reibert um 13 Mädchen und Jungen. Jeweils 15 Kinder können beide Gruppen maximal aufnehmen. Für das kommende Kindergartenjahr stehen insgesamt nur noch zwei freie Plätze zur Verfügung. „Auch mit Blick auf die Folgejahre sind wir gut ausgebucht“, freut sich Nadine de Boer.

Für ihren täglichen Streifzug durch den „Amtsacker“-Wald benötigt jedes Kind Rucksack und Isomatte, eine bruchsichere Flasche, einen nassen Waschlappen zum Waschen der Hände vor den Mahlzeiten und nach Toilettengängen sowie „vollwertige, gesunde, abfallarme Frühstücksverpflegung“ in wiederverwertbaren Behältern. Ist das jeweilige Tagesziel erreicht, für gewöhnlich nach einer halben Stunde, stärken sich die Kinder und Erzieherinnen zunächst – auf ihren Isomatten sitzend.

Die sich anschließende Freispielphase organisieren die Kleinen selbst. „Sie wissen mit wenig Utensilien so einiges anzufangen und funktionieren Naturmateralien für ihre Zwecke um. Mit ganz viel Phantasie empfinden sie etwa Pferdeweiden, Ställe, Futterkrippen oder sogar Trecker mit Anhängern nach. Die Kinder dürfen zudem unter unserer Aufsicht Schnitzmesser benutzen; für die dreijährigen haben wir Sparschäler dabei“, erläutert Nadine de Boer.

Sie weiß von mehreren Anfragen von Interessierten, die gern den Waldkindergarten-Alltag näher kennenlernen möchten. Diesem Wunsch kommen „Waldfüchse“ und „Grashüpfer“ nun nach: In der kommenden Woche gibt es von Montag bis einschließlich Freitag Gelegenheit zum Schnuppern. Diejenigen, die den Begrüßungskreis nicht verpassen wollen, müssen sich bis 8.30 Uhr beim Waldwagen im „Amtsacker“ einfinden. Wer mit in den Forst ziehen und etwas vom Tagesablauf mitbekommen will, möge an selber Stelle bis spätestens 9 Uhr eintreffen. Ein kurzes „Hineinschauen“ ist hingegen auch um 11.45 Uhr, zur Abholzeit, noch möglich. Telefonisch sind die „Waldfüchse“ unter der Handynummer 01520/ 8960686 zu erreichen – und die „Grashüpfer“ unter der 0172/4075499.

Dass die beiden BUND- Waldkindergärten zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten beitragen, können die Erzieherinnen nur bestätigen. „Die Kinder erlangen schon innerhalb von einem bis zwei Monaten eine große Geländesicherheit“, sagt Nadine de Boer. Als ob sie den Beweis antreten wollten, erklimmen einige „Waldfüchse“ kurz darauf einen Baum in einem atemberaubenden Tempo. Nadine de Boer treibt das Winken aus der Baumkrone keineswegs Sorgenfalten auf die Stirn. „Ich bin seit 13 Jahren hier. Beim Klettern ist noch nie etwas passiert“, erzählt sie.

Der tägliche Aufenthalt an der frischen Luft stärke das Immunsystem. Infektionskrankheiten hätten eine weniger hohe Chance als in Regelkindergärten, sich zu verbreiten, zumal es kein herkömmliches Spielzeug gebe, durch das Keime übertragen werden könnten. Das freie Spiel mit den Dingen, die sich in der Natur finden, beflügele Phantasie und Kreativität. „Und die Grundschulen bestätigen uns immer wieder das gute Sozialverhalten, das die Kinder hier entwickeln. Die Kleinen müssen sich bei uns gegenseitig helfen und unterstützen. Das Gemeinschaftsgefühl ist sehr ausgeprägt – auch, weil wir kleine Gruppen haben“, so Nadine de Boer.

Dass die Mädchen und Jungen in der täglichen Begegnung mit der Natur für ihr Alter erstaunliche Kenntnisse über Flora und Fauna erwerben, liegt auf der Hand. Zusätzlich tragen dazu besondere Aktionen bei, etwa Erkundungen mit Wulf Carius vom BUND an der Delme oder auch, so erläutert Sonja Kern, „Krötenexkursionen“ mit dem Experten Christoph Overesch in der Zeit der Amphibienwanderungen.

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