Schnitzelland mit imposanter Natur

Anja Prade hat in Österreich Fuß gefasst und schon Kontakte geknüpft

In einem Kurs hat Anja Prade das Paragliden erlernt – und sich damit einen ganz persönlichen Wunschtraum erfüllt.

Harpstedt/St.  Martin - Von Jürgen Bohlken. St. Martin am Tennengebirge in Österreich zählt 1 .660 Einwohner und liegt etwa 50 Kilometer von Salzburg entfernt – in 950 Metern Höhe. Anja Prade wohnt dort seit einem Monat und hat auch jetzt noch das Gefühl, „in einer wunderbaren Gegend nach Hause gekommen zu sein“.

Die 38-Jährige, die Harpstedt, das Fotostudio „Photogen“, Freunde und Bekannte hinter sich ließ, hat es trotz des hart umkämpften Immobilienmarktes im Burgenland geschafft, eine, wie sie sagt, „tolle Wohnung“ zu finden. „Auch ein Arbeitszimmer konnte ich mir einrichten. Ein Fotostudio habe ich hier nicht angemietet, aber bereits erste Aufträge erhalten. Ich arbeite on Location, bin unterwegs mit der Selfie-Box, begleite als Fotografin Hochzeiten sowie Events und bekomme im Moment vermehrt Business-Aufträge“, schildert die Auswanderin. Bislang musste sie auf ihre finanziellen Reserven nur in einem vertretbaren Maße zurückgreifen. „Für den Anfang ist es sehr gut angelaufen“, zieht Anja Prade ein erstes Resümee.

Beim Auswandern sei allerdings ein „Berg von Bürokratie zu überwinden“ gewesen, gesteht sie und fügt lächelnd hinzu: „Und die Berge können hier bekanntlich ganz schön hoch sein.“ Noch immer seien nicht alle Formalitäten erledigt. Besonders das Ummelden des Autos erweise sich als eine „langwierige und kostspielige Sache“. Die Lebenshaltungskosten lägen etwas über dem deutschen Niveau. „Aber die Lebensqualität hier sehe ich ebenfalls als sehr hoch an“, urteilt die Fotografin.

Viele Dinge hätten neu organisiert werden müssen. Welche Banken und Versicherungen können mit vernünftigen Konditionen punkten? Und welcher Friseur mit großem Fingerspitzengefühl? Wo gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten, wo gute Ärzte? Wo sitzen zuverlässige Dienstleister? Mit solchen Fragen sah und sieht sich die Selbständige konfrontiert. Langeweile sei „nicht in Sicht“. Kontakte in den bisherigen Wohnort bestehen fort. „Der erste Besuch aus Harpstedt hat auf der Durchreise nach Kroatien hier halt gemacht“, erzählt Anja Prade. Viele Freunde hätten ihr offenbart, dass sie öfter „hier in der Gegend seien“ – etwa, um Urlaub zu machen. Das eine oder andere Wiedersehen sei also „garantiert“. Ihrerseits sei ein Besuch in Harpstedt für Dezember geplant.

Unterstützung von vielen Seiten

Heimweh hat die Auswanderin, die ursprünglich aus dem südbrandenburgischen Senftenberg stammt, bislang nicht verspürt. Dafür sei im Moment alles zu neu und zu aufregend. „Außerdem telefoniere und skype ich mit Freunden genauso wie vorher. Und soooo weit bin ich dann ja auch wieder nicht weg“, sagt die Wahl-Österreicherin schmunzelnd. Ohne den starken Rückhalt und die große Unterstützung durch Familie und Freunde hätte sich ihr Vorhaben, wenn überhaupt, nur sehr viel schwieriger umsetzen lassen, verhehlt sie nicht. Überall waren helfende Hände im Spiel – angefangen bei der langen Fahrt mit dem Umzugslaster: Mehr als 2 .000 Kilometer riss der Lkw an drei Tagen ab; von Harpstedt ging’s nach St. Martin und wieder retour. Als Anja Prade ihre neue Wohnung in Österreich noch nicht beziehen konnte, kam sie bei sehr guten Freunden unter. Für all die Unterstützung bleibe ihr nur eines zu sagen – „ein dickes Dankeschön.“

Doch natürlich gebe es auch ein paar Dinge, die sie an ihrem neuen Lebensmittelpunkt vermisse, gesteht sie. Dazu zählen „ein paar sehr gute Freunde, mein Pflegepferd, natürlich die Musikabende im ,Liberty’s’ und das gute Essen aus den unterschiedlichen Restaurants in Harpstedt und umzu“. In Österreich fühlt sich Anja Prade „wie im Schnitzelland“. Diverse „herzhafte Köstlichkeiten“ sagen ihr durchaus zu, aber „eine große Vielfalt an verschiedenen Länderspezialitäten findet sich hier nicht“, bedauert sie schon ein wenig.

Dafür sei ist die Natur umso beeindruckender. Vor einigen Wochen lag bereits der erste Schnee auf den „grauen Riesen“. Es sei „wahnsinnig faszinierend“, unterwegs in einer sternenklaren Nacht „die hohen Berge in Sichtweite“ vor sich zu haben. „Wenn der Mondschein die schneebedeckten Gipfel hell erleuchten lässt, dann zieht mich der Anblick schon richtig in seinen Bann“, schwärmt Anja Prade.

Auch sei es ihr gelungen, erste Kontakte zu knüpfen. „Eigentlich ist es hier wie überall auf der Welt. Bist du offen den Leuten gegenüber, sind sie es dir gegenüber auch“, spricht die 38-Jährige aus Erfahrung.

Bereut hat sie den „großen Schritt“ in ein für sie neues Land nach eigenem Bekunden auf keinen Fall. „Es war jede Anstrengung wert. Ich freue mich auf das, was kommt“, blickt sie voller Optimismus in die Zukunft.

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