Architekt erläutert Musikscheunen-Konzept

Zum Schnäppchenpreis ist der Lückenschluss nicht zu haben

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Hermann Dunkler-Gronwald (l.) und Klaus-Dieter Westphal mit einem Modell der Musikscheune, die mithilfe einer Wand an den Koems-Saal angebunden werden soll. Die Besucher des Info-Abends konnten am Donnerstagabend einen Blick darauf werfen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wenn der Flecken Harpstedt schon etwa 185.000 Euro für den Neubau einer Musikscheune auf dem Koems-Gelände ausgeben soll, dann müssten Zweck und Nutzen deutlich über Wind- und Lärmschutz hinausgehen.

Diesen Standpunkt vertrat SPD-Ratsherr Matthias Hoffmann am Donnerstagabend während einer Info-Veranstaltung der Fördergemeinschaft Koems im Lämmerkoven.

Das von Hermann Dunkler-Gronwald aus Hude konzipierte, zum Festplatz offene, von der Wildeshauser Straße aber nicht einsehbare Gebäude könnte Jugendliche zu spontanen, unangemeldeten Feten animieren, gab Zuhörer Michael Siemering zu bedenken. Das aber zöge eine Lärmbelästigung für die Nachbarschaft nach sich.

Rollgitter nur als letztes Mittel

Architekt Dunkler-Gronwald verteidigte indes seinen Entwurf vor rund 25 anwesenden Bürgern. Er ermunterte dazu, die Musikscheune als Chance und Bereicherung zu begreifen. Dort wären nach seiner Einschätzung Konzerte möglich, ebenso auch Theateraufführungen oder kleinere Kunsthandwerkermärkte.

Die Notwendigkeit eines zusätzlichen Gebäudes im Harpstedter Scheunenviertel ergibt sich aus der bevorstehenden Translozierung der früheren Disco „Zum Sonnenstein“ ins Museumsdorf Cloppenburg, die demnächst ein rund 400 Quadratmeter großes „Loch“ hinterlässt. Der nun konzipierte „Lückenfüller“ wird indes „nur“ etwa 170 Quadratmeter Nutzfläche haben.

Davon, die zum Schützenplatz offene Musikscheune durch Rollgitter vorbeugend vor unangemeldeten Feten und Vandalismus zu schützen, hielt der Architekt nichts. Das käme, so der Vorsitzende der Fördergemeinschaft Koems, Klaus-Dieter Westphal, bestenfalls als letztes Mittel in Betracht.

Gebäude mit Grundausstattung

Michael Siemering beteuerte, er habe nichts gegen Traditionsveranstaltungen wie das Himmelfahrtskonzert im Scheunenviertel einzuwenden. Auch mit der Vermietung von Räumen für private Feste kann er gut leben, und selbst der frühere Discobetrieb im „Stein“ habe ihn nie gestört, sagte er gegenüber der Presse. Seine Bedenken, die Musikscheune könnte allzu einladend auf ungebetene Gäste wirken und eine unerwünschte Anziehungskraft auf Jugendliche als Treffpunkt oder Schauplatz spontaner Partys ausüben, sind nicht ausgeräumt. Ob diese Angst berechtigt ist, kann derzeit niemand sagen.

Fest steht indes: Zum Schnäppchenpreis bekommt der Flecken den „Lückenschluss“ nicht. Der „Stein“ verschwindet. Aber der Keller bleibt. Die Kosten für Abriss und Verfüllung trägt ebenfalls die Gemeinde. Daher stehen laut Westphal nicht nur Haushaltsmittel für den reinen Neubau zur Verfügung, sondern insgesamt sogar 300.000 Euro. Eine „Luxusimmobilie“ wird die Musikscheune aber keineswegs. Sondern ein Gebäude „mit Grundausstattung“, sagte Westphal. Mobiliar oder Inventar sind nicht inklusive. Will heißen: Die Berücksichtigung zusätzlicher Wünsche erforderte zusätzliches Geld.

Die beträchtlichen Aufwendungen erklären sich ein Stück weit aus der Konzeption: Die Musikscheune braucht ein sehr kräftiges Fundament und eine solide Konstruktion. Andernfalls ließe bei Wetterextremen stürmischer Wind aus Richtung Schützenplatz, der sich in dem Gebäude finge, das Dach womöglich „abheben“.

Eine Chance zur Entsiegelung

Die Sohlplatte könnte laut Dunkler-Gronwald wohl noch 2018 gegossen werden. Mit der Fertigstellung rechnet er im kommenden Jahr. Ein Teil der Arbeiten wird voraussichtlich in Eigenleistung ausgeführt; dazu sollen alle interessierten Harpstedter Bürger beitragen können – nicht nur die „Rentnerbänd“. 

Die Baumaßnahme bietet zusätzlich die Chance, versiegelte Flächen zu entsiegeln und den rückwärtigen Bereich der künftigen Musikscheune mit mehr Grün ansprechender zu gestalten. Diesbezüglich blieb der Architekt in einen Ausführungen noch recht allgemein.

HINTERGRUND: Ein „Solitär“ im Scheunenviertel

Rein von der Formgebung her wird die Musikscheune sieben Zwölfteln eines zwölfeckigen Zirkuszeltes mit 20 Metern Spannweite ähneln und an der höchsten Stelle 7,60 Meter messen. Die tragende Holzkonstruktion soll aus Leimbindern bestehen, das Dach hingegen aus Balkenlage und Ziegeln – vielleicht in einem gedeckten Rot-Ton.

Das Mauerwerk zwischen den Leimbindern misst gemäß dem vorliegenden Entwurf in der Höhe etwa zwei Meter. Darauf könnte sich der Architekt 60 oder 70 Zentimeter Lichtband mit Holz- und Glaselementen vorstellen. Den „Solitär“-Charakter der Musikscheune, die sich in der Optik vom Gebäudebestand im Koems-Scheunenviertel abhebt, findet er reizvoll.

Der frühere Bauamtsleiter Harro Hartmann hinterfragte, warum die Option einer Remise verworfen worden sei. Schon jetzt sei der Koems-Saal ein sehr dominant wirkendes Gebäude, erwiderte Dunkler-Gronwald. Diesen Eindruck würde eine Remise womöglich verstärken.

Die Hoffnung, die Musikscheune über einen verbindenden Gang mitbewirtschaften zu können, hat sich zerschlagen. Die Anbindung an den Koems-Saal soll sich nunmehr auf eine simple, aber optisch ins Bild passende Wand beschränken – auch als Windschutz.

Der künftige Neubau befindet im Außenbereich. Zwischen Musikscheune und Koems-Saal liegen laut aktueller Planung sechs Meter Distanz – wegen des Solitärcharakters des Neubaus. Ursprünglich schwebte dem Planer ein geringerer Abstand vor.

Der Fußboden der Musikscheune wird dem Krönungsplatz höhenmäßig angepasst, sodass ein barrierefreier Zugang gewährleistet ist. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, mobile Bühnen aufzubauen.

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