„freiraum“ macht ohne Laden mit Projekten, Events und Klima-AG weiter

Schließung bedeutet nicht das Aus

„Danke“ sagen Sabina Dalg-Vinken und Ulrike Oemisch (v.l.) im Namen des „freiraums“ all denen, die bei den Projekten für den Klimaschutz mitgemacht haben, sowie sämtlichen Unterstützern. Das wollen sie aber mitnichten als Abgesang verstanden wissen. Es soll weitergehen. Allerdings künftig ohne „freiraum“-Laden an der Freistraße. Der hat bereits geschlossen und wird in Kürze leer geräumt.
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„Danke“ sagen Sabina Dalg-Vinken und Ulrike Oemisch (v.l.) im Namen des „freiraums“ all denen, die bei den Projekten für den Klimaschutz mitgemacht haben, sowie sämtlichen Unterstützern. Das wollen sie aber mitnichten als Abgesang verstanden wissen. Es soll weitergehen. Allerdings künftig ohne „freiraum“-Laden an der Freistraße. Der hat bereits geschlossen und wird in Kürze leer geräumt.

Harpstedt – Es ist beschlossene Sache: Das „freiraum“-Team dreht den Schlüssel des Ladens an der Freistraße in Harpstedt am 31. Dezember endgültig um. Faktisch ist die Schließung wegen des Lockdowns sogar schon vollzogen. Die Aufgabe des Ladens bedeute aber keineswegs das Aus des „freiraums“, unterstreichen Ulrike Oemisch und Sabina Dalg-Vinken vom (Träger-)Verein für ganzheitliches Lernen. Komplett ehrenamtliche Projekte wie die „Glücksgärten“ und die Arbeit der Klima-AG mit ihren Gruppen laufen weiter. Die Vernetzung mit dem Repair-Café bleibt gewahrt. Für die Fortführung der Verschenkekultur gibt es konkrete neue Ideen. Das „FerienKlimaCamp“ kommt ebenfalls voraussichtlich 2021 wieder zustande. „Die Gelder sind gerade in der Beantragung. Es sieht gut aus“, sagt Sabina Dalg-Vinken.

Als Folge der Schließung des Ladens in Harpstedt verlagern sich einige Aktivitäten zum „Zentrum PrinzHöfte“ nach Schulenberg, wo bekanntlich nach einer Jurte (als Outdoor-Veranstaltungsraum) eine Bildungs- und Begegnungsstätte entstehen soll. „Im Grunde ändert sich der Standort, aber nicht der Inhalt“, erläutert Sabina Dalg-Vinken. Ulrike Oemisch bemüht ein Bild, das es auf den Punkt bringen soll: Der „freiraum“ werde sich von einem festen Standort lösen und sich konzeptionell in einen „fliegenden Teppich“ verwandeln. Der Prozess im Interesse des Klimaschutzes, die Inhalte und Veranstaltungen – all das werde weitergehen. „Der Verein nimmt sozusagen die Essenz mit zum ,Zentrum PrinzHöfte’. Mit Sicherheit werden dort Veranstaltungen stattfinden, aber eben nicht nur dort.“ In Harpstedt will der „freiraum“ weiter präsent sein, wenngleich künftig ohne feste Anlaufstelle vor Ort.

Mittel in Höhe von rund 10 000 Euro hatte der Verein für ganzheitliches Lernen über die Landessparkasse zu Oldenburg und die Oldenburgische Landschaft für das Veranstaltungsprogramm „Kreatives Klima 2020“ mit Klimakino, Lesungen, Vintage-Workshops, einem großen Fest inklusive Live-Musik sowie Klimakunst-Ausstellung und weiteren Events generiert. Das schloss ein geplantes neues Format mit Geschichtenabenden ein: „Im Wohnzimmer“, so die Idee, sollen unter anderem gute Beispiele für eigene erfolgreiche Beiträge zum Klimaschutz geschildert und erläutert werden können. Das „Kreatives Klima“-Paket aus insgesamt gut 20 Veranstaltungen musste und muss weiterhin coronabedingt warten. Immerhin: Der Förderzeitraum ist schon bis zum 30. Juni 2021 verlängert worden.

Einige Monate dürften allerdings wohl auch noch ins Land gehen, ehe Veranstaltungen wieder möglich sind und hinreichend Zulauf erfahren dürfen. Auch vor diesem Hintergrund hat sich der „freiraum“-Träger gefragt, welchen Sinn der Erhalt des Standortes an der Freistraße noch macht, zumal der Laden in der Pandemie kaum oder – wie derzeit – gar nicht besucht werden kann. Hinzu kommt: Die Öffnungszeiten ließen sich zuletzt nur dank des Einsatzes einer hauptsächlich aus Seniorinnen bestehenden Gruppe von Ehrenamtlichen halten. „Wir mussten abwägen“, verhehlt Ulrike Oemisch nicht.

Die beschlossene Schließung sei auch dem Umstand geschuldet, dass der „freiraum“ das, „was er war“, für längere Zeit eben nicht mehr sein könne, nämlich „ein Veranstaltungsort im Herzen Harpstedts“. Obgleich der Trägerverein die Ladenmiete von September 2019 an für zwölf Monate von der Samtgemeinde Harpstedt bezahlt bekam, verzichtete er darauf, dies für ein weiteres Jahr zu beantragen – im Wissen um die prekärer werdende kommunale Haushaltslage. Ein Folgeantrag hätte ohnehin eventuell „schlechte Karten“ gehabt. Womöglich wäre es dem Verein für ganzheitliches Lernen wie der Freiwilligenagentur „mischMIT!“ ergangen, deren Hoffnung auf eine Fortsetzung ihrer Arbeit in der Samtgemeinde mit kommunalen Zuschüssen geplatzt ist.

Vieles liegt wegen Corona gerade brach. Was tun gegen Stillstand und lähmende Lethargie? Diese Frage beschäftigt auch den „freiraum“. „In der Klima-AG etwa haben wir den Schritt in die Online-Welt geschafft und die ersten zwei Treffen über die Videokonferenz-Plattform Zoom realisiert. Mit Blick auf einen Workshop zu gewaltfreier Kommunikation denken wir über ein Hybrid- oder Onlineformat nach. Mit Präsenzveranstaltungen werden wir aber sicherlich warten, bis sie nicht nur wieder zulässig sind, sondern sich die Durchführung auch richtig anfühlt. Mit Blick auf die ,Glücksgärten’-Gruppe spricht nichts dagegen, dass sie die gemeinsame Gestaltung der Gärten fortsetzt, sobald eine bestimmte Personenzahl im Freien wieder erlaubt ist“, erläutert Ulrike Oemisch.

Dass Corona Menschen, die sich für den Klimaschutz einsetzen, mutlos mache, lässt Sabina Dalg-Vinken so nicht stehen. Viele folgten der Devise: „Jetzt erst recht!“ Gleichwohl behindere die Pandemie die Umsetzung von Vorhaben – so auch das Unterfangen der Klima-AG, sich besser zu vernetzen.

Ein erklärtes „freiraum“-Ziel für 2021: Zu Klimathemen mit Gemeinde/Samtgemeinde im Interesse einer besseren Zusammenarbeit ins Gespräch kommen. „Wir wollen die Kommune nicht nur drängen, mehr zu tun. Wir wollen ihr auch dabei helfen, dass sich Bürger, die sich engagieren möchten, mehr einbringen können“, sagt Dalg-Vinken. Seit September 2017 macht sich der „freiraum“ für den Klimaschutz stark. „Er ist eine große Spielwiese mit Möglichkeiten, aktiv zu werden. Wir finden es super, wie sehr sich viele eingeklinkt haben und wie sich die Gesamtstimmung in der Samtgemeinde von anfänglicher großer Skepsis hin zu Unterstützung verändert hat“, resümiert Ulrike Oemisch. Die Dankbarkeit dafür sei groß – und gehe einher mit Stolz auf das bislang Erreichte.

Von Jürgen Bohlken

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