Zigtausende pilgern zum Hökern nach Colnrade

Feilschen am Feiertag in Colnrade: „Schlag ein!“

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Hunderte Schleich- und Skylander-Figuren – fein säuberlich aufgebaut.

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Dass ihn Kunden mitunter den „einarmigen Banditen“ nennen, empfindet Karl aus Neubruchhausen nicht als böswillig gemeinte, stigmatisierende Beleidigung wegen seines körperlichen Handicaps, sondern als augenzwinkernde Anspielung auf seine Schlitzohrigkeit als Flohmarkthändler. Seinen Nachnamen gibt er nicht preis. Heinrich Ehlers aus Klein Henstedt ist scharf auf einen elektrischen Stemmhammer, den Karl mit auf den Colnrader Hökermarkt gebracht hat. 80 Euro soll der kosten. „Garantie ist inklusive“, umgarnt der Händler den Kunden. Ehlers bietet 50. „Schlag ein!“, frohlockt er. Doch ganz so schnell bricht Karl nicht ein. Mit einem Preis von 55 Euro können am Ende beide Seiten leben.

Ordentlich Betrieb herrscht schon in der Morgenstunde im Colnrader Ortskern. Auf mehrere 100 Anbieter kommen zigtausend Marktbummler. Stefanie Guttroff aus Merzen nahe Osnabrück zählt schon seit einigen Jahren zum Kreis der „Verhökerer“. Große hölzerne Tierfiguren fallen an ihrem Stand besonders ins Auge. „Mein Vater verkauft öfter auf Märkten. Wenn ich Zeit habe, fahre ich gelegentlich mit“, erzählt die Anbieterin. Die Verkaufstische in Colnrade habe sie bereits am Vortag aufgebaut und dann abgedeckt. „Heute früh bin ich um 3 Uhr raus aus den Federn. Bis Colnrade war es ja schon ein ganzes Stück zu fahren. Das Einweisen hier hat gut geklappt“, sagt Guttroff. Der erste Handel sei gegen 7.30 Uhr perfekt gewesen.

Schauen, wühlen, feilschen, kaufen: Wer auf der riesigen Hökermeile sucht, wird nicht selten fündig.

Lea-Sophie Klatt, erstmals auf dem Hökermarkt vertreten, teilt sich einen Stand mit ihrer Mutter Andrea. Bislang hat die 23-Jährige in Wildeshausen die Vorzüge des „Hotels Mama“ genossen. „Jetzt ziehe ich in eine eigene Wohnung, und alles, was ich nicht mehr gebrauchen kann, muss heute weg“, erzählt sie schmunzelnd. Viele Klamotten fallen auf ihrem Teil des Verkaufstisches ins Auge. Die mütterliche Hälfte des Stands mutet indes an, als sei das Inventar des Kinderzimmers aufgelöst worden. Die Tochter nickt zustimmend: „Ja, so sieht's aus.“

Hunderte von Schleich-Figuren, zumeist Pferde, sowie „Skylander“ aus Kunststoff, die Gamer „virtualisieren“ können, um so eigene Charaktere für ein Konsolenspiel zu erschaffen, hat ein Anbieter aus Westerstede zusammen mit seiner Frau in mühevoller Kleinarbeit fein säuberlich aufgestellt. „Das war gar nicht so schlimm. In anderthalb Stunden stand das alles“, winkt er ab. Wie er zu diesem doch recht speziellen Sortiment gekommen sei? „Durch eine Geschäftsauflösung“, erwidert der Händler.

Per Handschlag wird der Deal besiegelt.

Gut gelaunt begegnet Dörthe Grau ihren Kunden. „Mit einem Flohmarktstand bin ich das erste Mal dabei. Meine Eltern haben hier früher Spareribs verkauft“, erzählt die 38-Jährige. „Unsere beiden Mädchen, ein und drei Jahre jung, sind da leider schon wieder rausgewachsen“, deutet sie auf die Babybekleidung auf ihrem Verkaufstisch. „Bei manchen Sachen bereue ich das ein bisschen“, gesteht sie. Die Beckstedterin wundert sich darüber, dass sich sogar vermeintlich Unverkäufliches zu Geld machen lässt. „Bei meiner Senseo-Kaffeemaschine hatte ich eigentlich gar keine Hoffnungen. Ich habe gedacht, die nimmt niemand, weil sie so alt ist, habe mich aber getäuscht. Ein Laufgitter, von dem ich ebenfalls dachte, dass ich es wieder mit nach Hause nehmen müsste, ist sogar sofort weggegangen“, staunt die 38-Jährige.

Wer auf der Colnrader Hökermeile sucht, der muss einfach fündig werden, so der Eindruck: Hier gibt es offenkundig nahezu alles, was das Sammlerherz höherschlagen lässt oder in den eigenen Hausstand, die Werkstatt und den Garten passt – ob dekorativ, praktisch, nützlich, reparaturbedürftig oder brandneu.

Die Feuerwehr Colnrade behält das etwas durchwachsene Wetter mit ein wenig Bangen im Auge. „Die abgeernteten Felder, die wir als Parkplätze nutzen dürfen, sind unsere Achillesferse“, gesteht der stellvertretende Ortsbrandmeister Markus Kuraschinki. Der Regen der vergangenen Tage hat den Boden aufgeweicht. Die vielen Autos tun ein Übriges, um die Parkplatzzufahrten zu „vermatschen“. So mancher, der sich festfährt, kommt durch Anschieben freundlicher Einweiser schnell wieder aus dem Dreck heraus. Für die „schwereren Fälle“ stehen Trecker örtlicher Landwirte bereit. Die Schlepper werden durchaus benötigt. Das zeigt sich bereits am Morgen, aber auch im weiteren Verlauf des Tages.

Hökermarkt in Colnrade

Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
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Hökermarkt in Colnrade
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 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
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 © Jürgen Bohlken
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 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
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Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken
Hökermarkt in Colnrade
 © Jürgen Bohlken

Alles in allem bekommen der Förderverein der Feuerwehr Colnrade als Veranstalter und der ebenfalls in die Organisation involvierte SC Colnrade viel Lob für den tollen Job, den die Helfer einmal mehr mit großer Routine erledigt haben.

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