Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker hält Vortrag über Gerhard II. im Hotel „Zur Wasserburg“

Schillernde Gestalt mit Einfluss aufs Oldenburgische

Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker

Harpstedt – Einen Vortrag über Gerhard II., einen einflussreichen Kriegsherrn und Reichsfürsten im Mittelalter, hält der Historiker Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker am Freitag, 13. Dezember, 18.30 Uhr, im Harpstedter Hotel „Zur „Wasserburg“. Der Referent genießt in der Samtgemeinde Harpstedt vor allem wegen seiner leitenden Mitwirkung am Forschungsprojekt zur „bäuerlichen Siedlungs- und Geschlechterhistorie“ ein hohes Maß an Bekanntheit.

„Bremen hat es trotz aller Bemühungen eines Kollegen von mir nicht fertiggebracht, des bedeutendsten Erzbischofs von Lippe, Gerhard II., zu gedenken. Das hat wohl mit der geschichtlich verwurzelten Kirchen- und Adelsfeindlichkeit der Stadt zu tun“, sagt Hucker schmunzelnd. Ihm selbst ist es ein Anliegen, an das Wirken der charakterlich nicht leicht zu fassenden Persönlichkeit zu erinnern. Zumal die Wahl Gerhards (vormals Dompropst von Paderborn) zum Erzbischof von Lippe durch das Bremer Domkapitel vor 800 Jahren dafür einen konkreten Anlass bietet. An seinen Amtsantritt am 1. September 1219 sei die Erwartung geknüpft gewesen, dieser Erzbischof werde das Problem der aufsässigen Stedinger Bauern beherzt angehen. Er entstammte einer kriegerischen Familie, weiß Hucker: „Schon sein Vater Bernhard von Lippe war ein bedeutender Feldherr und zudem Missionsbischof in Livland.“

Gerhards erster Schlag gegen die Stedinger Bauern verlief 1229 allerdings erfolglos – und für ihn selbst verlustreich: Sein Bruder Hermann fiel im Kampf.

„Als Folge davon kamen Rachemotive ins Spiel“, sagt Hucker. Gerhard II. habe die Stedinger Bauern „verketzern“ lassen und auch raffiniert, aber kirchenrechtskonform deren Verharren in einem Kirchenbann als eine Form der Ketzerei ausgelegt.

Die Aufständischen strebten nach einer selbstständigen Bauernrepublik. Sie weigerten sich, Abgaben zu zahlen. Gerhard schwärzte sie als Ketzer bei Papst Gregor IX. an. Er warf ihnen vor, Priester und Mönche getötet, Kirchen und Klöster beraubt und verbrannt sowie mit Wachsbildern heidnischen Zauber getrieben zu haben.

Auf Gerhards immer neue Anschuldigungen hin erließ der Papst eine Kreuzzugsbulle, die es erlaubte, die Stedinger mit Gewalt von ihren vermeintlichen religiösen Irrwegen abzubringen. 1233/34 wurden die Aufständischen endgültig besiegt. Viele landeten als Ketzer auf dem Scheiterhaufen. Den zeitgenössischen Zahlen zu den Opfern sei allerdings nicht zu trauen, sagt Prof. Dr. Bernd Ulrich Hucker.

Das blutige Kapitel werfe einen Schatten auf die ansonsten sehr vorbildliche Herrscherzeit Gerhards, der fast 40 Jahre lang, bis 1258, Erzbischof blieb – extrem lange für einen geistlichen Fürsten seiner Zeit. Er habe auch im Oldenburger Land einiges bewirkt. „Er hat dafür gesorgt, dass die Oldenburger Grafen Fuß fassten in Harpstedt und Bruchhausen“, betont Hucker. Gerhard sei es ferner gelungen, „die bis dahin welfische Propstei in Wildeshausen zum Erzstift zu schlagen“. Was Harpstedt angehe, so habe er die Kirchspielsorganisation neu geregelt. Überhaupt sei er ein Organisationstalent gewesen. „Er ließ auch die Kirchspielsstruktur in der Stadt Bremen völlig neu ordnen. Das hatte sogar dauerhaft Bestand – bis in die Moderne.“

Bauherr des Bremer Doms sei Gerhard II. allerdings nicht gewesen, widerspricht Hucker einer vielfach publizierten Darstellung. „Überall bauten die Domkapitel die Kathedralen. Das ist auch für Bremen belegt.“

Hucker findet es kurios, dass die Bremer Gerhards Wirken „einerseits vergessen und ihm andererseits eine Feder an den Hut stecken wollen, die ihm nicht zusteht.“ Die Frage nach dem Charakter des langjährigen Erzbischofs zu beantworten, fällt dem Historiker, der in Wildeshausen wohnt, ausgesprochen schwer. „Er hat im Grunde genommen so gehandelt wie alle anderen Kirchenfürsten seiner Zeit.“ Nicht alles sei ihm geglückt. So sei Gerhard II. etwa mit dem Versuch gescheitert, seinen Neffen als seinen Nachfolger zu installieren.  boh

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