Auf den Spuren von Teilung und Einheit

Schilderungen eines Ex-Häftlings der Stasi gehen unter die Haut

Die Studienreisegruppe der Kreis-Senioren-Union der CDU in Magdeburg vor einem Stück Mauer aus Berlin; im Hintergrund der Magdeburger Dom.
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Die Studienreisegruppe der Kreis-Senioren-Union der CDU in Magdeburg vor einem Stück Mauer aus Berlin; im Hintergrund der Magdeburger Dom.

Harpstedt/Landkreis Oldenburg – Im Zeichen von 30 Jahren Deutscher Einheit stand dieser Tage eine coronabedingt um anderthalb Jahre verschobene Studienreise der CDU-Senioren-Union im Landkreis Oldenburg. Die Organisation oblag der Jakob-Kaiser-Stiftung (Königswinter) sowie Günter Reise, dem Kreisverbandsvorsitzenden aus Großenkneten, und Dieter Kieselhorst aus Harpstedt.

Erste Station: die Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn. „Hier gesellte sich Reiseleiter Holger Pützstück, der auch die Studienfahrten vergangener Jahre begleitet hatte, zu uns“, berichtet Harro Hartmann, einer der Teilnehmer aus Harpstedt.

„In Magdeburg, an unserem nächsten Ziel, gab es nach einem kurzen Besuch des Doms eine kommentierte Stadtführung unter Berücksichtigung der Stadtentwicklung von der Wende bis heute. Das Hundertwasserhaus erntete besondere Aufmerksamkeit. Am Abend haben wir dann Dresden erreicht“, schildert Hartmann.

Am Beispiel der Frauenkirche, wo eine Führung auf dem Programm stand, konnte die Reisegruppe den Wiederaufbauprozess nachvollziehen. Zugleich offenbarte sich die religiöse Bedeutung dieses Gotteshauses, das während der Luftangriffe auf Dresden in der Nacht auf den 14. Februar 1945 durch den in der Stadt wütenden Feuersturm schwer beschädigt worden war und tags darauf in sich zusammenbrach. Zu DDR-Zeiten verblieb die Ruine, ein großer Schutthaufen, als Mahnmal an Ort und Stelle. Seit 2005 erstrahlt die Frauenkirche wieder in ihrem ursprünglichen Glanz – nicht zuletzt dank Spendern und Förderern aus aller Welt.

Zeitzeuge Michael Schlosser hatte aus eigener erlittener Erfahrung viel während einer Führung durch das Gebäude zu berichten. Er zeigte einen Nachbau seines selbst gebauten Flugzeugs, mit dem er 1984 in den Westen fliegen wollte. Nach eineinhalb Jahren Haft wurde Schlosser von der Bundesrepublik freigekauft.“

Harro Hartmann

Eine Führung erlebte die Reisegruppe auch in der Semperoper. Ein kommentierter Stadtrundgang schloss den zweiten Studientag ab.

Im weiteren Verlauf ging es in die Gedenkstätte Bautzener Straße in Dresden, einer früheren Haftanstalt der Stasi. „Zeitzeuge Michael Schlosser hatte aus eigener erlittener Erfahrung viel während einer Führung durch das Gebäude zu berichten. Er zeigte einen Nachbau seines selbst gebauten Flugzeugs, mit dem er 1984 in den Westen fliegen wollte. Nach eineinhalb Jahren Haft wurde Schlosser von der Bundesrepublik freigekauft. Seine Schilderungen gingen unter die Haut“, gibt Harro Hartmann offen zu. Im Sächsischen Landtag schloss sich einer Führung und Sitzprobe im Plenarsaal eine Diskussionsrunde mit den Abgeordneten Kathleen Kuhfuß (Grüne) und Holger Gasse (CDU) an. Dabei bot auch die Stärke der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen Gesprächsstoff. Dazu passte wiederum das Thema „Demokratie im Ost-West-Vergleich“, dem sich die Politikwissenschaftlerin Dr. Cathleen Bochmann während eines Vortrags im Hotelseminarraum widmete.

Leipzig durfte auf dem Ausflugsplan nicht fehlen. „Das Zeitgeschichtliche Forum im Haus der Geschichte war hier unser erstes Ziel. Am Nachmittag folgte – als Abschluss der Studienfahrt – ein Besuch der Nikolaikirche, die als Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen Bekanntheit erlangt hat. Ein Vortrag in der Kirche rief uns ins Gedächtnis zurück, dass die Friedensgebete bereits 1982 begonnen hatten und dann immer mehr Menschen mobilisierten. Ein Zeitzeuge berichtete ausführlich. Voller Eindrücke haben wir die Heimreise angetreten. Manches muss gedanklich noch aufgearbeitet werden“, räumt Hartmann ein.

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