Gertrud Hennes stellt Beweidung vorerst ein

Schafkadaver im Wunderburger Moor deuten auf Wolfsriss hin

Die vom Kehlbiss herrührenden Verletzungen sind auf diesem Bild nicht zu erkennen, wohl aber die großflächigen Wunden am hinteren Teil des Körpers.
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Die vom Kehlbiss herrührenden Verletzungen sind auf diesem Bild nicht zu erkennen, wohl aber die großflächigen Wunden am hinteren Teil des Körpers.

Harpstedt/Prinzhöfte – Seit vielen Jahren beweidet Gertrud Hennes aus Sandhatten das Wunderburger Moor für den Landkreis Oldenburg mit ihren „Braunen Haarschafen“. Die halten die Gräser kurz, damit die Heide durchkommt und gedeihen kann. Doch das hat sich nun erst einmal erledigt: Ein Wolf soll zwei der 27 Schafe gerissen und drei weitere verletzt haben.

Ihre Herde hat die Züchterin bereits abgezogen. Von den verletzten Tieren werden zwei durchkommen; um das Leben des dritten, das tiefe Fleischwunden davongetragen hat, bangt Gertrud Hennes seit Tagen.

In Panik war der Herde größtenteils – wie auch immer – die Flucht vor dem natürlichen Feind gelungen. Fünf Schafe vermisst die Halterin weiterhin. Zu ihrem Verbleib hat sie keine Kenntnis. „Mein Mann Gottfried weilte am vergangenen Mittwochmittag zur Kontrolle im Wunderburger Moor. Da waren die Schafe bis auf wenige ausgebrochen. Wohl zu ihrem eigenen Glück“, vermutet die Züchterin.

Auf einer frisch gemähten Wiese, ungefähr 800 Meter von der Weidefläche entfernt, stieß Gottfried Hennes auf das erste verendete Schaf. Es war durch einen Kehlbiss zu Tode gekommen und im hinteren Teil des Körpers großflächig an- und abgenagt. Der noch warme Kadaver ließ darauf schließen, dass der Riss nicht lange zurücklag. „Das zweite Schaf, das gerissen worden war, entdeckten wir erst zwei Tage später auf der Weidefläche. Das Gebiet ist recht unübersichtlich“, sagt Hennes.

Zu viel Strom wird in die Erde abgeleitet

Wolfsberater Michael Reich sei zwischenzeitlich vor Ort gewesen. Nach seiner Einschätzung habe mit großer Wahrscheinlichkeit ein Wolf die Schafe getötet. Gewissheit gebe es aber erst in voraussichtlich fünf Monaten, wenn die entnommene DNA ausgewertet sei. Wolfsfährten sind nach Kenntnis von Hennes nicht gefunden worden. Spuren seien aber auf dem knochentrockenen Boden auch nicht unbedingt zu erwarten gewesen.

Die Politik muss wissen, was sie will: den Wolf unterstützen oder Weidetierhaltung. Beides miteinander zu vereinbaren, wird auf Dauer nicht funktionieren.

Gertrud Hennes

Ein Elektrozaun aus vier Stahldrähten übereinander umgibt die Weidefläche. „Vom Aufbau her ist er wolfsschutzgerecht“, erläutert Gertrud Hennes. Weil aber Sträucher und anderer Bewuchs in den Zaun hineinragten, werde zu viel Strom in die Erde abgeleitet. „Am Draht liegen 5 600 Volt an. Bei Kontakt mit einem größeren Tier bricht die Spannung aber auf etwa 1 300 Volt ein. Und das reicht dann offenbar nicht mehr für eine nachhaltige Wolfsabwehr“, konnte die Schafzüchterin in Erfahrung bringen.

Um die Frage, ob sie entschädigt wird, hat sie sich noch nicht gekümmert. Der Schaden sei jedenfalls nicht unerheblich: Der Verkaufspreis pro Muttertier bewege sich bei rund 300 Euro. Die Politik müsse wissen, „was sie will“: Weidetierhaltung oder den Wolf in seinem Streben nach Lebensraum unterstützen? Beides miteinander zu vereinbaren, wird nach Überzeugung von Gertrud Hennes „auf Dauer nicht funktionieren“.

Autobahnzaun hält geflüchtete Tiere auf

Zumindest hat sie die meisten der Schafe, die geflüchtet waren, zurückbekommen. Mithilfe von Jägern sei am Freitagabend sogar eine Gruppe von gleich elf ihrer Tiere unweit der Simmerhauser Straße an der A1 entdeckt worden. Der Autobahnzaun habe sie wohl gestoppt, sagt die Sandhatterin.

Nicht von ungefähr hat sie schon länger keine Jungtiere mehr auf die Fläche im Wunderburger Moor gelassen. Vor drei Jahren setzten ihr und ihrem Mann der Riss eines Schafes und eines Lamms sehr zu: „Seitdem bringen wir da keine Lämmer mehr hin.“

In die Samtgemeinde vorgedrungen

Die Fläche habe sich indes mit den Jahren super entwickelt: „Als wir mit der Beweidung anfingen, konnte man von Heide nicht viel sehen. Das hat sich grundlegend geändert. Und zwar durch die Beweidung, aber auch durch das Entkusseln der Birken“, erzählt Hennes. Im Moment hält sie es für „viel zu gefährlich“, ihre Schafe im Wunderburger Moor grasen zu lasen. Darauf ließe sie sich vielleicht mal wieder ein, wenn sich der Landkreis Oldenburg bereit erklärte, den Zaun „zweimal im Jahr“ freischneiden zu lassen. Zumindest das müsse sichergestellt sein.

Dass der Wolf auch in die Samtgemeinde Harpstedt vorgedrungen ist, wissen Jäger schon länger. Einwohner erzählen immer mal wieder von Sichtungen – wie kürzlich im Umfeld des ehemaligen Harpstedter Klärwerks. Weil aber oft Foto- oder Filmmaterial fehlt, sind viele Schilderungen mit Vorsicht zu genießen. Verwechslungen von Wölfen mit Hunden kommen nicht so selten vor.

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