Schaffung eines gläsernen Gemeinderaums mit mobilen Elementen soll zur Belebung des Gotteshauses beitragen

Erhaltung der Colnrader Kirche ist das Ziel

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Das Für und Wider eines in die Colnrader Kirche integrierten – gläsernen – Gemeinderaums diskutierten Pastorin Dr. Marikje Smid (2.v.r.) und der bisherige Kirchenvorsteher Hergen Lehnhof (rechts) am Mittwochabend während einer Informationsveranstaltung mit Gemeindegliedern.

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Die Befürchtung, die Landeskirche könnte irgendwann auf die Idee kommen, das Colnrader Gotteshaus einfach zu schließen, plagt die evangelische Gemeinde St. Marien Heiligenloh-Colnrade. Die Zahl der Gemeindeglieder schrumpft. Im Colnrader Kirchspielbereich ist sie seit 2006 um etwa 100 auf nun rund 790 gesunken. Hinzu kommt die geringe Nutzung des Gotteshauses, die sich im Wesentlichen auf die 14-tägigen Gottesdienste mit jeweils 20 bis 30 Besuchern beschränkt. Was also tun?

Perspektiven haben am Mittwochabend Pastorin Dr. Marikje Smid und der vor wenigen Tagen verabschiedete Kirchenvorsteher Hergen Lehnhof während einer Informationsveranstaltung aufgezeigt. 35 interessierte Gemeindeglieder fanden sich dazu im Colnrader Gotteshaus ein.

Die Überlegungen des Kirchenvorstands gehen dahin, die Kirche fortan multifunktional zu nutzen und einen Gemeinderaum in das Gebäude zu integrieren. Dazu wäre eine bauliche Umgestaltung nötig. Den aktuellen Planungen zufolge käme der Kirchgänger nach Abschluss der Maßnahme beim Betreten durch den Haupteingang in eine Art „Wintergarten“ mit verschiebbaren Glaselementen, der als Gemeinderaum dienen soll. Schlösse dieser Bereich mit der Empore ab, entstünde ein sehr schmaler, kaum wirklich gut nutzbarer „Schlauch“. Dem Kirchenvorstand schwebt daher vor, ihn ein Stück weiter in das Gotteshaus hineinragen zu lassen. Mit einem Glasdach könnte oben der Anschluss an die Empore hergestellt werden. Der „Charakter eines geschlossenes Kirchenraums“ ginge womöglich verloren, befürchtete Reinhard Kück. In das Gebäude werde ja keine geschlossene Wand eingezogen, hielt Pastorin Smid dagegen. Die Glaselemente ließen sich bei Bedarf zur Seite schieben. Die Kirche an sich verkleinerte sich

Zuweisungen

werden schrumpfen

nicht. Sie verwandelte sich vielmehr in einen „besonderen Raum“. Ein anderer Einwand aus den Reihen des Auditoriums betraf die Akustik. Womöglich litte der Klang der Orgel unter der gläsernen Konstruktion. Dass es diesbezüglich noch Klärungsbedarf gibt, räumte Pastorin Smid ein.

Das Argument für die Integration eines Gemeinderaums, das wirklich ziehe und überzeuge, sei die angestrebte Erhaltung der Kirche, sagte Hanna Dauskardt. Ob schon klar sei, wann das Bauprojekt starte? Nein, die Finanzierung müsse erst stehen, erwiderte Pastorin Smid. „Wir wollen als Kirche in Colnrade auf Dauer erkennbar sein, und daher soll unser Gotteshaus so bleiben, wie es ist“, bekräftigte die Geistliche und ergänzte: „Deswegen wollen wir eine Belebung des Gebäudes erreichen. Nicht zuletzt auch, um gegenüber der Landeskirche zu zeigen, dass unsere Kirche uns wichtig ist und dass hier kirchliches, christliches Leben stattfindet.“

Nach Auffassung der Pastorin empfiehlt es sich, das Bauvorhaben bald anzugehen, zumal sich ein Schrumpfen der jährlichen Zuweisungen der Landeskirche bereits abzeichnet. Im Übrigen müsste ohnehin in die Kirche investiert werden, etwa in die Heizung. „Wir haben noch einen Ölbrenner von 1984, der sehr viel verbraucht.“ Auch gebe es im Gotteshaus keinen Wasseranschluss – eigentlich ein untragbarer Zustand und „eine Sache, die wir sowieso ändern möchten“. Ferner werde ein behindertengerechter Eingang benötigt. Den halte der Kirchenvorstand für sehr wichtig, „weil immer mehr Menschen auf Rollatoren angewiesen sind und wir erreichen wollen, dass auch sie selbständig und ohne Hilfe in die Kirche hineingehen können“, so die Pastorin. Die Planungen sehen auf der Südseite eine Rampe vor. Der dort befindliche Zugang zum Heizungsraum könnte mit einem Wanddurchbruch zu einem behindertengerechten Kircheneingang umfunktioniert werden. Die genauen Gesamtkosten wollen noch ermittelt werden; „pi mal Daumen“ müsste sich das Bauprojekt nach Einschätzung des Kirchenvorstands für 300000 bis 350000 Euro realisieren lassen.

Das Maßnahmenpaket beinhaltet auch eine in das

Leader-Mittel für

Toilettenanlage?

Gotteshaus integrierte Teeküche sowie eine – möglicherweise aus dem „Leader“-Programm förderfähige – Toilettenanlage im Außenbereich. Einen Teil der Kosten wird die evangelisch-lutherische Gemeinde selbst tragen müssen. Die Erlöse aus dem Verkauf des Colnrader Pfarr- und des Gemeindehauses sollen in das Projekt einfließen.

Die Option, ein kleines Gemeindehaus neu zu bauen, sei in Erwägung gezogen worden, so Marikje Smid. Damit wäre aber die Gefahr einer etwaigen Schließung der Colnrader Kirche nicht gebannt. Die Landeskirche könnte, so die Pastorin, argumentieren: „Ihr habt ja jetzt ein schönes Gemeindehaus mit Toiletten. Da ist alles drin. Feiert doch da eure Gottesdienste! Die Kirche braucht ihr ja nun nicht mehr.“ Außerdem sprächen finanzielle Gründe gegen einen Neubau. „Eine Kirche und ein Gemeindehaus können wir uns schlichtweg nicht leisten“, sprach die Pastorin Klartext.

Eine Planungsgruppe aus Gemeindegliedern soll das Projekt begleiten. Reinhard Kück erklärte sich spontan bereit, darin mitzuarbeiten. Weitere Interessierte, die seinem Beispiel folgen wollen, können sich an Pastorin Smid wenden.

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