Planungsauftrag für Technikkeller erweitern?

Sanierungsstau schließt nun auch den Sprungturm ein

Die „Projektskizze“ sah auch noch eine elektronische Einlasskontrolle vor. Diese Maßnahme könnte nun erst einmal in weitere Ferne gerückt sein.
+
Die „Projektskizze“ sah auch noch eine elektronische Einlasskontrolle vor. Diese Maßnahme könnte nun erst einmal in weitere Ferne gerückt sein.

Harpstedt – Eine einzige große Maßnahme im Rosenfreibad, nämlich die nötige Erneuerung des Technikkellers für das Schwimmerbecken, hätte eigentlich gereicht. Nun aber hat die Samtgemeinde Harpstedt ein weiteres teures Problem vor der Brust: Wegen gravierender Schäden, unter anderem an der Betonkonstruktion, ist der Sprungturm aller Voraussicht nach „abgängig“.

Es gäbe eigentlich sogar Investitionsbedarf darüber hinaus – mit Blick auf Badeaufsicht und Lagerraum. Eine Sanierung in dem Sinne, dass der Sprungturm hinterher wieder der DIN und den statischen Erfordernissen entspricht, hält die Verwaltung für unrealistisch. Also bliebe nur die Kompletterneuerung als Option.

Für die (Hybrid-)Sitzung des Bau-, Umwelt- und Planungsausschusses in der Harpstedter Oberschulaula am kommenden Montag, 17. Mai, 19 Uhr, empfiehlt sie, den bestehenden Planungsauftrag für den nötigen neuen Technikkeller zu erweitern. Und zwar um eine „Vorplanung zum Neubau eines Sprungturms“ sowie eines Badeaufsichtsgebäudes inklusive einer geschlossenen Remise für Lagerzwecke.

Förderprogramm siebenfach überzeichnet

Ein größeres Maßnahmenpaket für das Harpstedter Freibad hatte die Samtgemeinde schon im Herbst 2020 „auf dem Zettel“ gehabt. Damals erhoffte sie sich einen üppigen Zuschuss aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Die Aussicht auf eine 45-prozentige Förderung schien verlockend. Das Ingenieurbüro Thalen Consult aus Neuenburg, bereits mit der Vorplanung für den Technikkeller einschließlich der dazugehörigen technischen Ausrüstung beauftragt, erarbeitete schnellstmöglich mit der Verwaltung eine „Projektskizze“, die fristgerecht eingereicht wurde.

Der Samtgemeinde war klar, dass nur mit einem schlüssigen Gesamtkonzept die Chance auf Fördermittel gewahrt bliebe. Daher beinhaltete die „Projektskizze“ zusätzlich zum Technikkeller auch die Sprungturmerneuerung, eine Aufsichtsplattform für die Badeaufsicht, eine Remise und eine elektronische Einlasskontrolle mit geändertem Eingangsbereich.

Im vergangenen Frühjahr aber platzte die Hoffnung auf viel Erneuerung für vergleichsweise wenig Geld. Amtshof-Chef Herwig Wöbse gab im März mit Bedauern bekannt, die Samtgemeinde sei nicht in die Liste der zu fördernden Projekte aufgenommen worden. Das Bundesprogramm sei siebenfach überzeichnet gewesen: Bei einem Antragsvolumen von rund 2,8 Milliarden Euro hätten nur 400 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestanden.

Zentraler Standort für Badeaufsicht

Gleichwohl hält es die Verwaltung weiterhin für sinnvoll, zusätzlich für einen neuen Sprungturm und ein Badeaufsichtsgebäude „die Erstellung entsprechender Vorentwürfe und Kostenschätzungen zu beauftragen“. Die Gründung der Sprungturmanlage stehe im Übrigen hinsichtlich der Statik im baulichen Zusammenhang mit dem unterirdischen Schwimmerbecken-Technikkeller, heißt es in der Beratungsvorlage für den Bau-, Umwelt- und Planungsausschuss.

Nach den maßgeblichen Unfallverhütungsvorschriften sei zudem für die Badeaufsicht ein zentraler Standort vorzusehen, „von dem aus die Becken und das Außengelände gleichzeitig überwacht werden können“. Geschehe dies in Form eines Gebäudes, könnten „dort für die effektive Arbeitsgestaltung zugleich die elektronische Bedienung der Freibadtechnik und die Überwachung der Wasserqualitäten zusammenfassend integriert werden“.

Eine Remise werde zur Deponierung von technischem Gerät und Material sowie für die Becken-Frostsicherung erforderlich. Die derzeit genutzte, dem Flecken Harpstedt gehörende „Schwarze Scheune“ werde kurz- bis mittelfristig nicht mehr für Lagerzwecke zur Verfügung stehen. Ihre zunehmende Baufälligkeit offenbare sich deutlich.

Kosten bislang nur „überschlagen“

Der neue Technikkeller sowie Sprungturm und Badeaufsichtsgebäude seien nach aktuellem Planungsstand „im Bereich des jetzigen alten Technikkellers vorgesehen“. Damit die Außenanlagen mit den Pflasterungen und den im Erdreich liegenden Leitungen nicht mehrfach aufgerissen werden müssten, empfiehlt die Verwaltung, das Maßnahmenpaket zu gegebener Zeit in einem Rutsch abzuarbeiten.

Die Kosten sind bislang nur „überschlägig“ ermittelt worden. Die Verwaltung rechnet mit Aufwendungen von etwa anderthalb Millionen Euro. Wird zunächst der Planungsauftrag erweitert, wie verwaltungsseitig empfohlen, schlüge dies mit zusätzlichen 30 000 Euro (rund) zu Buche.

Maßnahmen zu planen, ist eine Sache, sie umzusetzen, eine andere. Haushaltstechnisch droht die Abarbeitung des Sanierungs- und Modernisierungsstaus zu einer Herausforderung zu werden. Der Freibadbetrieb zählt zu den freiwilligen Leistungen. Schon die Pflichtaufgaben aber „drücken“ gewaltig, auch im investiven Bereich: Das der Feuerwehr Prinzhöfte per Beschluss zugesagte neue Feuerwehrhaus wird die Kommune bald realisieren müssen, und der ins Auge gefasste Neubau der „Waldburg“-Kita will ebenfalls finanziert werden.

Nach einer normalen Freibadsaison sieht‘s im Moment nicht aus

Die erschreckenden Schäden am Sprungturm im Rosenfreibad haben sich vor knapp einem Monat offenbart – während einer Ortsbesichtigung. Klar ist: In dieser Saison (wann auch immer sie beginnt) steht er den Badegästen nicht zur Verfügung. Wegen der Schadenslage ist er gesperrt. Möglicherweise könnte der Turm in diesem zweiten Coronajahr in Folge selbst unbeschädigt (wieder) nicht genutzt werden. Momentan sieht es eher nicht nach einem halbwegs normalen Badebetrieb aus. In Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover haben die ersten Freibäder bereits eröffnet. Die Beschränkungen lassen allerdings aufhorchen. Da ist die Rede davon, dass Gäste nur allein, zu zweit oder nur mit Personen des eigenen Haushaltes eingelassen werden und Umkleiden sowie Duschen geschlossen bleiben. Auch wird teils nur die Hälfte der Schwimmbahnen genutzt – und zwar durch stundenweises „Mieten“. 

„Es bleibt zukünftigen Haushaltsberatungen in den politischen Gremien vorbehalten, ob oder ab wann die Planungsinhalte überhaupt in die weitere Umsetzung gehen sollen“, merkt die Verwaltung in ihrer Beratungsvorlage zu den Maßnahmen im Freibad an. Sie ergänzt: „Die Erweiterung der Vorplanung dient lediglich dazu, hierfür eine gesicherte Kostenermittlung zu erhalten. Die spätere Entscheidung zur Umsetzung kann auch von zukünftigen Fördermitteln abhängig sein. Eine abgeschlossene Vorplanung ist für Neuanträge eine gute und manchmal auch zwingende Grundlage.“

Aus der elektronischen Einlasskontrolle mit Ausgangsdrehkreuz, die bekanntlich schon seit längerer Zeit angestrebt wird, dürfte wohl so schnell nichts werden. Diese Technik wäre weder aus Gründen der Verkehrssicherheit noch aufgrund von Sanierungsbedürftigkeit erforderlich, gibt die Samtgemeindeverwaltung zu bedenken. Sie empfiehlt daher diese Maßnahme nicht als Gegenstand der Planungsauftragserweiterung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

„Impfdosis-Retter“ müssen fix sein

„Impfdosis-Retter“ müssen fix sein

„Impfdosis-Retter“ müssen fix sein
Sorge um Zukunft des „Landhauses Dünsen“

Sorge um Zukunft des „Landhauses Dünsen“

Sorge um Zukunft des „Landhauses Dünsen“
„Am Rennfeuer“ summt und blüht es

„Am Rennfeuer“ summt und blüht es

„Am Rennfeuer“ summt und blüht es
CDU stellt Liste zur Stadtratswahl 2021 auf

CDU stellt Liste zur Stadtratswahl 2021 auf

CDU stellt Liste zur Stadtratswahl 2021 auf

Kommentare