Aus Facebookfreundschaft resultiert für Sandra Otte ein „Geschenk“

Ein kleines Lied voller Leichtigkeit

Unbeschwerte Momente – der Musikclip zu „Das kleine Lied“ von und mit Sandra Otte und Martin Olding ist voll davon. Quelle: Youtube/Screenshots: Bohlken
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Unbeschwerte Momente – der Musikclip zu „Das kleine Lied“ von und mit Sandra Otte und Martin Olding ist voll davon (Bild bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen). Quelle: Youtube/Screenshots: Bohlken

Hölingen – Schaumkussbrötchen, erste Liebe, Glücksgefühle. Bilder, die für die Leichtigkeit des Seins stehen: sattes Grün, Sand, Watt, Strandkörbe – und mittendrin Sandra Otte. Der neue Song der Physiotherapeutin, die in Hölingen wohnt und nebenberuflich schauspielert, Songs schreibt, singt, Gitarre spielt und konzertiert, kommt wie der dazugehörige Youtube-Musikclip beschwingt und leichtfüßig daher.

„Das kleine Lied“ entstand in der Coronazeit und resultiert aus einer Kooperation, die sich fast aus dem Nichts entwickelte. Seine Finger als Initiator und Motor im Spiel hatte der Musiklehrer, Berufsmusiker, Komponist und Musikproduzent Martin Olding aus Bremen – für Sandra Otte noch vor ein paar Monaten ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Beide kannten sich bis dato nicht wirklich. Eine Facebookfreundschaft verband sie. Mehr nicht.

Umso überraschter reagierte die Hölingerin, als Olding sie Ende März anschrieb und anfragte, ob sie Interesse habe, gemeinsam mit ihm einen Song zu machen. Sie selbst sollte das Texten übernehmen, hegte aber Zweifel, ob sie das hinkriegen würde. Für gewöhnlich lassen eigene Erlebnisse oder Beobachtungen die Verse spontan aus ihr heraussprudeln. Aber „auf Kommando“ texten? Konnte das klappen?

Da hat es bei mir plopp gemacht.“

Sandra Otte

Trotz ihrer Bedenken ließ sich die 44-Jährige darauf ein. „Martin meinte, er könne sich gut vorstellen, dass ich die Leichtigkeit in das Stück reinbringe. Das hätte er gar nicht mehr sagen müssen, weil ich das Thema, das er mir vorgeschlagen hatte, auf Anhieb richtig nett und reizvoll fand“, erzählt Sandra Otte. Das Lied sollte sich um Glücksgefühle in der Erinnerung an unbeschwerte Momente drehen. Um die Leichtigkeit des Seins, nach der sich ja gerade in der Coronazeit die Menschen sehnen.

Olding spielte drei unterschiedliche Songstrukturen auf der Gitarre ein. Die dritte Harmonien-Variante beflügelte Sandra Ottes Kreativität. „Da hat es bei mir plopp gemacht“, schildert sie schmunzelnd. An nur einem Abend habe sie den Text geschrieben und die Melodie dazu entwickelt. Das ganze Projekt empfindet die Liedermacherin immer noch als „großes Geschenk“, zumal es sowohl die professionelle Studioaufnahme als auch den Musikclip-Dreh einschloss. „Martin bekam als Berufsmusiker vom Senat für Kultur in Bremen eine Förderung. Er hat mich sozusagen aus einem Impuls heraus einfach mit ins Boot gezogen“, freut sich die 44-Jährige noch immer unbändig über die völlig unverhoffte Chance.

Projektbezogenes Stipendium

Die Förderung seitens des Kultursenats sei ein projektbezogenes Stipendium und offenbar dem Umstand geschuldet, dass die meisten Kulturschaffenden von den Coronahilfen wenig bis überhaupt nicht profitiert haben, weil sie kaum betriebliche Ausgaben geltend machen konnten, sagt Olding. Die Studioaufnahme und der Videodreh mit Sandra Otte seien das erste Projekt, das er auf diese Weise vergütet bekomme.

Der Bremer ist gut vernetzt. Facebookfreundin Sandra Otte weckte sein Interesse mit ihrer quirligen, natürlichen Art, aber auch in künstlerischer Hinsicht. Ihm imponierte besonders das Musikvideo zur Ballade „Für Dich“, die Eifersucht und Rachegelüste nach einer Trennung mit Ironie überhöht. „Da kommt Sandra sehr glaubwürdig rüber. Ihre Authentizität fand ich von Anfang an sehr besonders und beeindruckend“, verrät der 54-Jährige. Das traf sich gut, zumal alles, was mit Film zu tun hat, für ihn noch Neuland ist. „Dieses Terrain reizt mich schon. Ich möchte es für mich erschließen und entwickeln, stehe da aber noch am Anfang. Studioarbeit mache ich hingegen schon gefühlt mein Leben lang. Immerhin schon seit meinem 20. Lebensjahr“, erzählt der Bremer.

Wir mussten immer wieder mal warten, bis Leute an uns vorbeigelaufen waren. Man hat uns zwar beäugt, aber nicht beim Videodreh gestört.“

Sandra Otte

Der Clip zu „Das kleine Lied“ entstand vorwiegend an der Nordseeküste, am Strand von Duhnen. Dort herrschte Ende Mai schon spürbar mehr Betrieb als mitten im Lockdown. „Wir mussten immer wieder mal warten, bis Leute an uns vorbeigelaufen waren. Man hat uns zwar beäugt, aber nicht beim Videodreh gestört“, erinnert sich Sandra Otte. Die Kameraführung übernahm vorwiegend Martin Olding – auch daran zu erkennen, dass er selbst weniger oft im Bild ist als die Liedermacherin. Eine Szene, in der sich die Hölingerin ein Schaumkussbrötchen zu Gemüte führt, entstand in einer Bäckerei in der Bremer Neustadt. Gefilmt wurde während des normalen Betriebs. Der Bäcker sei einfach großartig gewesen, schwärmt Otte: „Er sagte spontan: ,Ich mach mit‘.“

Die Spontanität hat mir besonders gefallen. Auch dem Video merkt man an, dass da ganz wenig Drehbuch drinsteckt.“

Martin Olding

Die Aufnahme des Songs in Oldings Privatstudio war dem Videodreh vorausgegangen. „Zwei Tage lang haben wir daran herumgefeilt“, berichtet die Liedermacherin. Sie will das Stück auf jeden Fall an ihr „Label geben“, damit es bei Spotify und Co. gestreamt werden kann. Auch auf der Setlist für ihr Live-Programm soll „Das kleine Lied“ seinen Platz bekommen. Sandra Otte konzertiert nicht nur an öffentlichen Locations, sondern ebenso im privaten Rahmen, etwa in Wohnzimmern oder – teils coronabedingt – in Gärten unter freiem Himmel.

Die Projekt-Kooperative sagte beiden Seiten zu. „Die Spontanität hat mir besonders gefallen. Auch dem Video merkt man an, dass da ganz wenig Drehbuch drinsteckt“, urteilt Martin Olding. Die ersten Reaktionen auf den Clip seien ausgesprochen positiv gewesen. Den nächsten Schritt zu gehen und abermals „die Köpfe zusammenzustecken“, kann sich der Berufsmusiker gut vorstellen. Ob es in der Zusammenarbeit eine Fortsetzung gibt, wird sich zeigen.

Olding-Kompositionen haben sich unter anderem schon in der satirischen Kolumne „Toll“ des ZDF-Magazins „Frontal 21“ wiedergefunden. Ein Titel im Stile früherer DDR-Bands wie Karat oder City aus der Feder des Bremers fand indes Eingang in „Deutschland ‘89“, eine spannungsgeladene, für Amazon Prime produzierte Serie zur „Wendezeit“.

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