Samtgemeindebürgermeisterwahl

CDU schickt erneut Herwig Wöbse ins Rennen

Hartmut Post (r.), Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbandes, und sein Stellvertreter Stefan Wachholder (l.) gratulierten Bürgermeisterkandidat Herwig Wöbse.
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Hartmut Post (r.), Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbandes, und sein Stellvertreter Stefan Wachholder (l.) gratulierten Bürgermeisterkandidat Herwig Wöbse.

Harpstedt – Erwartungsgemäß hat der CDU-Samtgemeindeverband Harpstedt am Montagabend im Koems-Saal auf Vorschlag des Vorstands Herwig Wöbse als Samtgemeindebürgermeisterkandidaten nominiert, und zwar in großer Geschlossenheit.

Weitere Wahlvorschläge gab es nicht. Von 40 Parteimitgliedern nahmen 13 die Chance wahr, persönlich zu erscheinen, um sich an der Nominierungswahl zu beteiligen.Zwölf votierten in geheimer Abstimmung für und einer gegen Herwig Wöbse. Der 55-Jährige will den ersten sieben Jahren als Samtgemeindebürgermeister ab Herbst fünf weitere folgen lassen.

Wiederwahl kein „Selbstläufer“

Er habe einen „Zeitvertrag“ und müsse nun aufs Neue um das Wählervertrauen kämpfen, bekräftigte der Amtshof-Chef. Das sei beileibe kein Selbstläufer. Das Bürgermeisteramt ausüben zu dürfen, empfinde er als Berufung, aber auch als große Ehre. Es schließe eine Brücken- und Scharnierfunktion ein und erfordere die Fähigkeit, tragfähige Kompromisse zwischen Rat, Verwaltung und Bürgern zu finden. Wöbse kommt dabei nach eigenem Bekunden sein ausgleichendes Wesen zugute.

Ich habe eigene Werte und werde mich nicht verbiegen.“

Herwig Wöbse

Seine Freude an den Aufgaben und seine Motivation hätten sich nicht verringert. Der Bewahrung einer zukunftsfähigen, zugleich lebens- und liebenswerten Samtgemeinde fühle er sich weiterhin verpflichtet. Lösungsorientiert in Etappen voranzuschreiten und Dinge nachhaltig auf den Weg zu bringen, halte er für die richtige Strategie. „Ich habe eigene Werte und werde mich nicht verbiegen“, versicherte Wöbse.

Stichwahl scheint sich zu erübrigen

Die Wahlentscheidung, wer in den nächsten fünf Jahren auf dem Chefsessel im Harpstedter Amtshof sitzt, fällt nach derzeitiger Sachlage am 12. September. Aktuell gibt es mit Yves Nagel aus Dünsen einen einzigen weiteren – von SPD und Grünen unterstützten – Kandidaten, der als Parteiloser antritt. Bleibt es dabei, erübrigt sich eine Stichwahl.

Kita-Betreuung erheblich ausgebaut

Im Rückblick auf seine erste Amtsperiode streifte Wöbse Erreichtes – gemeinsam Erreichtes, denn die erzielten Verbesserungen seien keineswegs ihm allein zuzuschreiben. Die Kinderbetreuung bleibe eine große und wichtige Aufgabe. Eltern mit kleinen Kindern bräuchten passgenaue, bedarfsgerechte Angebote. Es gelte Schritt zu halten mit der Nachfrage. Die Samtgemeinde habe in den vergangenen sieben Jahren 80 neue Betreuungsplätze geschaffen, damit Eltern Beruf und Familie besser vereinbaren könnten. Weitere 30 Plätze (im Krippenbereich) kämen mit der Erweiterung der Harpstedter Kita „Zwergnase“ hinzu.

Damit sei aber perspektivisch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Wöbse streifte das Vorhaben, einen neuen Kindergarten in Harpstedt zu bauen. Die „Waldburg“ sei in die Jahre gekommen. „Da müssen wir ran und zeitgerechte Umstände schaffen.“

Digitalisierung in Schulen auf gutem Weg

Die Harpstedter Schulen sah Wöbse in der Digitalisierung auf gutem Weg. Beide seien inzwischen mit WLan versorgt. Die Ausstattung mit digitalen Tafeln sei noch nicht abgeschlossen. Erwähnung fand zudem die vollzogene Erneuerung der naturwissenschaftlichen Fachräume in der Oberschule.

Handlungsbedarf bei Angeboten für Senioren

Von der Jugend arbeitete sich Wöbse zum Alter vor: Er brachte die auch mit seiner Unterstützung in Dünsen und Kirchseelte realisierten Bürgerautos mit Elektroantrieb zur Sprache. Dahinter steht als Ziel mehr Mobilität für Senioren, die sich absehbar zur größten Bevölkerungsgruppe in der Samtgemeinde entwickeln werden. Dass die Infrastruktur in der Pflege und in seniorengerechten Wohnangeboten mitwächst, liegt dem Amtshof-Chef am Herzen. Hier sieht er das Erfordernis, mehr zu tun.

Neue Einsatzkleidung bietet mehr Schutz

Die Ortsfeuerwehren seien „sehr gut aufgestellt“. Die Einsätze würden vielfältiger. Die Samtgemeinde müsse Schritt halten. Das passiere auch. So hätten die Feuerwehren neue Einsatzkleidung bekommen, die leichter und atmungsaktiver sei, aber auch einen noch besseren Schutz im Einsatzgeschehen biete. Die Planung des neuen Feuerwehrhauses in Colnrade sei abgeschlossen. „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr mit dem Neubau beginnen können“, so Wöbse. Darüber hinaus müsse ein weiterer neuer Standort geschaffen werden – für die Stützpunktfeuerwehr Prinzhöfte.

Auf Dauer hilft uns allen nur ein Glasfaseranschluss.“

Herwig Wöbse

Ein schwieriges Kapitel bleibt aus Sicht des Verwaltungschefs die Schaffung wohnortnaher Arbeitsplätze. Dass keine neuen Gewerbegebiete dazugekommen sind, bedauert er. „Ein Erfolgsprojekt“, in das die Gemeinde Prinzhöfte involviert ist, wird indes nach Überzeugung Wöbses das auch mit Unterstützung der Samtgemeinde entstehende interkommunale Gewerbegebiet in Hockensberg mit mehr als 20 neuen Gewerbeflächen. Die Ansiedlung der Harries-Mühle in Groß Ippener empfinde er als „Leuchtturmprojekt“. Das Unternehmen habe sich im Zusammenhang mit dem Standortwechsel sehr gut unterstützt gefühlt.

Da, wo Wohnraum ist, bleibt er auch bezahlbar.“

Herwig Wöbse

Wöbse begrüßte ausdrücklich die Anstrengungen in den Mitgliedsgemeinden zur Baulandentwicklung, denn: „Da, wo Wohnraum ist, bleibt er auch bezahlbar. Er wird erst dann teuer, wenn er knapp ist.“

„Weiße Flecken“ schwinden stufenweise

Für ausgesprochen erfreulich hält der Samtgemeindebürgermeister die Fortschritte im Breitbandausbau, das stufenweise Verschwinden „weißer Flecken“ in lange Zeit unterversorgten Gemeinden (besonders Winkelsett). Nach Ende der dritten Ausbaustufe werden nach Ansicht Wöbses weitere Verbesserungen nötig sein. Und zwar dann sogar in Siedlungsbereichen, die derzeit als relativ gut versorgt gelten. Das habe einfach mit den wachsenden Ansprüchen der Menschen an schnelles Internet zu tun. Wöbse: „Auch hier in Harpstedt, wo noch Kupferkabel liegt, gibt es nicht unbedingt die höchsten Datenübertragungsraten. Auf Dauer hilft uns allen nur ein Glasfaseranschluss.“ Für Häuser ohne diesen Standard werde es immer schwerer, Mieter oder Käufer zu finden.

Flächen für Windkraft als Beitrag zur Energiewende

Dass die Samtgemeinde Harpstedt ihren Beitrag zur Energiewende leistet, machte Wöbse auch an der vor Jahren erfolgten Ausweisung neuer Sonderbauflächen für die Windenergie fest (in einem „recht langwierigen“ Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren). Seither sind im Raum Spradau/Kellinghausen sechs neue Anlagen realisiert worden; sechs weitere sollen demnächst südlich der A1 bei Schulenberg folgen. In der Klein Henstedter Heide gibt es laut Wöbse wegen der „anspruchsvollen Vogelwelt“ viel Konfliktpotenzial. Hier ist derzeit von 14 Anlagen die Rede.

Plädoyer für „Mittelweg“ in Haushaltspolitik

Was die Naherholung angehe, gebe es sicher noch einiges zu verbessern, auch im Interesse der Lebensqualität der eigenen Einwohner, sagte Wöbse. Bereicherungen sehe er im regionalen Knotenpunktsystem für Radler/Radwanderer und im gut ausgeschilderten „Delmepfad“ (als Ergebnis einer kreisweiten Aktion mit Beteiligung der Samtgemeinde).

In der Haushaltspolitik dürfe die Finanzkraft der Mitgliedsgemeinden nicht überstrapaziert werden. Die nämlich müssten ebenso über die Runden kommen wie die Samtgemeinde, die ihre großen Aufgaben aus der Samtgemeindeumlage finanziere. Das gelinge aber nur mit einem „guten Mittelweg“.

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