Hintergründiges zur Samtgemeinde Harpstedt

Warum wirken viele der Wappen so modern?

Die Anordnung der Gemeindewappen orientiert sich in diesem Schaubild grob an der geografischen Lage der Gemeinden. Collage: Bohlken
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Die Anordnung der Gemeindewappen orientiert sich in diesem Schaubild grob an der geografischen Lage der Gemeinden. Collage: Bohlken

Harpstedt – Ein intensiverer Blick auf die Wappen der acht Mitgliedskommunen der Samtgemeinde Harpstedt macht ein wenig stutzig. So richtig alt sehen sie nicht aus. Eher modern. Als hätte ein Grafiker sie erst vor einigen Jahrzehnten entworfen und gestaltet. Das trifft zu. Zumindest für die meisten Wappen.

Sechs der acht stammen tatsächlich aus dem späten 20. Jahrhundert. Sie wurzeln, was irgendwie nicht verwundert, in der Gemeindereform von 1974. Damals, bei der Entstehung der Samtgemeinde Harpstedt in ihrer heutigen Form, verfügten nur zwei Gemeinden über eigene Wappen: der Flecken Harpstedt mit der Harpstedter Harfe und die Gemeinde Colnrade mit dem Beckstedter Sonnenstein – möglicherweise ein Relikt eines Jahrtausende alten Sonnenkults.

Der frühere ehrenamtliche Landrat Hermann Bokelmann erinnert sich: „Die Samtgemeinde musste als neue amtliche Behörde neben der Hauptsatzung auch ein Wappen haben. Der Samtgemeinderat schlug dafür eine Kombination von Harfe und Sonnenstein vor. Grafiker Julius H.W. Kraft (1917–2008) aus Kirchseelte, Initiator der 1973 gegründeten Interessengemeinschaft Bauernhaus, entwarf die heraldische Form.“

Bokelmann interveniert

Die anderen sechs Kommunen der Samtgemeinde hätten weiterhin keine Wappen gehabt. „Erst als 1986 das neue Kreishaus in Wildeshausen gebaut wurde, sollten an einer Wand im Sitzungsbereich in einem Umriss der Landkreis und seine Gemeinden dargestellt werden. Dort sollte bei jeder Gemeinde auch deren Wappen einen Platz erhalten“, entsinnt sich der Altlandrat. Für Harpstedt sei nur das der Samtgemeinde vorgesehen gewesen. Bokelmann intervenierte. Im Kreisausschuss forderte er, auch das Wappen des Fleckens möge einen Platz finden. Die Harpstedter Harfe und das Wildeshauser Pendant mit Bezug zum Stadtrecht seien schließlich die ältesten Wappen im Landkreis Oldenburg, argumentierte der Harpstedter.

Seine Forderung blieb nicht folgenlos: „Daraufhin wurden in der Entwurfszeichnung für die Saalwandgestaltung innerhalb des Umrisses der Samtgemeinde auch die Grenzen der acht Mitgliedsgemeinden eingezeichnet.“

Erst dann hätten sich, so Bokelmann weiter, Beckeln, Dünsen, Kirchseelte, Groß Ippener, Prinzhöfte und Winkelsett von Julius Kraft je ein Gemeindewappen entwerfen lassen. Alle sechs fanden am Ende auch im Kreishaus in Wildeshausen ihren Platz.

Zur Symbolik der einzelnen Wappen

Beckeln: Das Wappen spielt auf die Simonssage an. Es zeigt den Simonsbrunnen. Drei Klammern versinnbildlichen den Zusammenschluss der Dörfer Groß und Klein Köhren sowie Beckeln zur Einheitsgemeinde im Zuge der Gemeindereform von 1974.

Colnrade: Hier reichen recht rudimentäre heimatgeschichtliche Kenntnisse, um die Gestaltung des Wappens zu entschlüsseln. Zu erkennen ist der Beckstedter Sonnenstein. Im Ort selbst existiert übrigens heute nur eine gut gelungene Nachbildung. Die Vorderseite des Steins zeigt elf konzentrische Kreise. Das Original war im Jahr 1923 beim Abbruch eines Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert im Fundament gefunden worden. Schon seit 2004 befindet es sich im Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig. Seit 2017 laufen Bemühungen, dieses Exponat zurück in die Gemeinde Colnrade zu holen.

Dünsen: Die Gemeinde trägt im Wappen den Flüchtlingen Rechnung. Darauf deutet links oben das schwarze Kreuz des Deutschen Ordens (auch Deutschritterorden genannt) hin, dessen eigene Geschichte auch etwas mit Flucht zu tun hat. Rechts oben die „Aldeborger Balken“ als Zeichen der Zugehörigkeit zum Landkreis Oldenburg. Unten je ein silberner Eichen- und Buchenast auf rotem Untergrund als Anspielung auf den Waldreichtum.

Groß Ippener: Das Y im Wappen spielt auf den alten Ortsnamen Yppenerde an, ein Kreuz auf eine einstige Kirche und ein Gehörn auf Schafe, die es früher in den Eichenwäldern gab.

Flecken Harpstedt: Der Ortsname geht auf Harpenstede zurück. Darin steckt „Harp“ für Harfe. So erklärt sich, dass dieses Instrument neben den Harpstedter Farben Blau und Weiß das Wappen ziert. Die erste bekannte Erwähnung von Harpenstede geht auf das Jahr 1203 zurück. 1396 bekam der Ort ein eingeschränktes Bremer Stadtrecht verliehen – das Weichbildrecht. Damit avancierte die Siedlung zum Flecken. 1996 beging Harpstedt eine 600- und nur sieben Jahre später eine 800-Jahr-Feier. Klingt kurios, ist aber schlüssig zu erklären: Das erste Jubiläum würdigte die Weichbildrechtsverleihung – und das zweite die erste bekannte urkundliche Erwähnung.

Kirchseelte: Das Gemeindewappen spielt auf eine Alliteration an. Die Ortschaften Kirch- und Klosterseelte beginnen mit demselben Buchstaben. Daher findet sich im Wappen das „doppelte K“ als Symbol wieder.

Erst als 1986 das neue Kreishaus in Wildeshausen gebaut wurde, sollten an einer Wand im Sitzungsbereich in einem Umriss der Landkreis und seine Gemeinden dargestellt werden. Dort sollte bei jeder Gemeinde auch deren Wappen einen Platz erhalten.“

Altlandrat Hermann Bokelmann aus Harpstedt

Prinzhöfte: Im Gemeindenamen steckt das Wort Prinz. Da bot sich die Prinzenkrone als Wappensymbol an. Ein markantes Motiv, das allerdings den historischen Bezug vermissen lässt. Nach Einschätzung renommierter Ortsnamensforscher bedeutet Prinzhöfte „Siedlung am Rande eines Hügels“. „Höfte“ leitet sich von „Hoved“ ab, was in der Bedeutung einer Anhöhe entsprach. Die Silbe „Prinz“ ist weniger leicht zu interpretieren. Sie könnte „sich oben befindend“ oder „herausragend“ bedeuten – in Anspielung auf die hohe topografische Lage oberhalb der Delme. Möglich wäre ebenso ein Bezug zu „Prunsell“. So ähnlich, nämlich „Brunsel“, lautete die Bezeichnung eines nicht mehr existenten Ortes im Kreis Gifhorn. Da steckt „brun“ drin – bekannt als alter Begriff für Kante oder Rand eines Hügels. Die Silbe „sel“ steht indes für Siedlung. Ein Bezug Prinzhöftes zu einem Gehöft mit einem Prinz ist jedenfalls historisch nicht belegbar.

Winkelsett: Das Gemeindewappen nimmt in seiner Symbolik Bezug auf zwei kulturgeschichtliche Attraktionen: Reckumer Steine und Rautopf.

Von Jürgen Bohlken

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