Kooperatives Bemühen um Salmoniden-Wiederansiedlung

10 000 Meerforellen in die Freiheit entlassen

Die Jungfische in zwei großen Plastiksäcken wurden behutsam „akklimatisiert“.
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Die Jungfische in zwei großen Plastiksäcken wurden behutsam „akklimatisiert“.

Harpstedt/Twistringen/Delmenhorst/Ganderkesee – Rund 10 000 Meerforellen-Brütlinge aus einer Oldenburger Aufzuchtanlage haben Petrijünger kürzlich in der Welse ausgesetzt. Hinter dieser Maßnahme steckt eine Kooperative: Als Besatzgemeinschaft wollen der Angelsportverein (ASV) Harpstedt sowie die Fischereivereine (FV) Delmenhorst und Twistringen die Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle in heimischen Gewässern effizient voranbringen.

Die etwa 10 000 Brütlinge holten ASV-Chef Ralf Gottwald und der zweite Vorsitzende des Fischereivereins Delmenhorst, Werner Husak, mit weiteren Vereinskollegen aus der Brutstation in Oldenburg ab. Bei winterlicher Kälte schritt Gottwald dann mit Sascha Feldmann und Jens Jürgens vom ASV Harpstedt sowie Pressewart Gerold Porth vom FV Delmenhorst an der Welse zur Tat und entließ den sich in zwei großen Plastiksäcken tummelnden Meerforellennachwuchs in die Freiheit.

Vorangegangen war bereits im vergangenen November ein Elektrofischen, das eine Gruppe aus speziell dafür ausgebildeten Petrijüngern aus allen drei Vereinen vollzogen hatte. Die bei diesem Prozedere kurzzeitig betäubten Lachse und Meerforellen stiegen an die Wasseroberfläche auf. Die Angler strichen den Weibchen, den Rognern, sanft über den Bauch, um das Austreten des Rogens zu bewirken und die Gesamtheit der reifen Eier sodann wiederum mit der Samenflüssigkeit der Männchen (Milchner) zu vermischen. Was folgte, war das Ausbrüten in der Oldenburger Aufzuchtstation. Dort verblieben die befruchteten Eier bis zum Schlupf.

„Rettet den Delme-Lachs“

Nach etwa 65 Tagen war die Zeit reif dafür, den Nachwuchs an unterschiedlichen Stellen nahe Ganderkesee in die Welse zu setzen. Zunächst wollten die im Bruthaus an konstant sieben Grad kühles Wasser gewöhnten Jungfische aber mit großer Vorsicht auf die niedrigere Temperatur ihres neuen Lebensraums vorbereitet werden. Dazu legten die Angler die Plastiksäcke ganz behutsam in die Welse. Die im weiteren Verlauf in die Freiheit geschwommenen Brütlinge bekämen nun „hier ihre erste Prägung, um dann, nach ihrer Abwanderung ins Meer, beim Wiederaufstieg in unsere Gewässer zum Ort ihrer Kinderstube zurückzukehren“, erläuterte Gerold Porth.

Im Zuge der Besatzmaßnahmen sollen bis etwa Anfang März insgesamt rund 180 000 Salmoniden-Brütlinge ausgesetzt sein. Nicht nur Meerforellen. Auch Lachse. Deren Wiederansiedlung liegt den Fischern besonders am Herzen. Die drei Vereine haben die konzertierte Aktion „Rettet den Delme-Lachs“ aus der Taufe gehoben (wir berichteten). Sie wollen den Salmoniden zurückgeben, was den Wanderfischen genommen worden war: Lebensgrundlagen.

Mehr als 1000 Tonnen Kies sind schon in die Gewässer eingebracht worden“

Gerold Porth

Die Wiederansiedlungsbemühungen gehen allerdings ins Geld. Will heißen: Die Rettung des Delme-Lachses ist nicht zum Nulltarif zu haben. Daher zieht die kooperative Kampagne darauf, Spenden von naturverbundenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu generieren. Wer dem Aufruf folgt, trägt zum Naturerhalt vor der eigenen Haustür bei. Spendenquittungen werden selbstverständlich ausgestellt.

Revitalisierung von Gewässern

Die drei involvierten Vereine leisten mit Unterstützung des Landesfischereiverbandes einen erheblichen Beitrag zur Gewässer-Revitalisierung, der über den bloßen Besatz in Delme, Welse und anderen Fließgewässern weit hinausgeht. Gerold Porth verweist etwa auf realisierte Aalrutschen und Fischtreppen. Ebenso auf Kiesbetten als Laichplätze für Lachse und Meerforellen. „Mehr als 1000 Tonnen Kies sind schon in die Gewässer eingebracht worden“, sagt er. Die Delmenhorster Angler hätten übrigens 20 Jahre lang, bis 2002, eine eigene Brutanlage betrieben. Danach hätten sie mit dem ASV Harpstedt und dem Twistringer Verein eine Besatzgemeinschaft gebildet. Mehr Effizienz bei der Wiederansiedlung der Salmoniden sei dabei das Ziel und auch nötig gewesen, denn: „Als Folge vieler Flussbegradigungen, des Baus von Wehren und Schleusen sowie der zunehmenden Verschlechterung der Wasserqualität waren die Wanderfische ausgeblieben.“

Weitere Infos unter:

www.kreiszeitung.de/lokales/oldenburg/harpstedt-ort52257/konzertierte-aktion-zur-delmelachs-rettung-90071522.html

Von Jürgen Bohlken

Zum Ausbrüten kamen die befruchteten Eier in die Oldenburger Aufzuchtstation.
Etwa 65 Tage in der Brutanlage vergingen, bis der Nachwuchs reif für die Freiheit war.

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