Ronald Vriesman liefert Musik für Kunstfilme von Sabine Wewer

„Für mich gibt es nur gute oder schlechte Musik“

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Seit 35 Jahren spielt Ronald Vriesman Gitarre – und schreckt dabei nicht vor Experimenten zurück.

Harpstedt - Von Sophie Filipiak. Der Wahl-Harpstedter Ronald Vriesman ist ein Mann mit vielen Talenten: Musik, Kochen und handwerkliches Können. 2011 eröffnete er den Laden „Arizona“, in dem er Indianerschmuck und ähnliches verkaufte. „Die Leute haben vor allem die Sachen gekauft, die ich selbst hergestellt habe“, erinnert sich der gebürtige Holländer. Nach zweieinhalb Jahren musste er das Geschäft aber wieder schließen. Für ihn bedeutet das aber keinen Rückschlag. Er widmet sich jetzt verstärkt seiner Gitarre.

„Wenn ich heute die Straße langgehe, entdecke ich immer noch ab und zu eine Frau, die meine Ohrringe trägt“, erklärt Vriesman mit einem Lächeln. Der Liebe wegen ist er 2011 nach Deutschland gekommen. Mit seiner Frau Anneke Stuyt und der fünf Monate alten Floortje wohnt er in einem kleinen Haus im Flecken.

Er ist sichtlich stolz auf sein ehemaliges Geschäft, obwohl er es aufgeben musste. Es habe sich einfach nicht rentiert. Viele Kunden waren sogar von außerhalb der Samtgemeinde nach Harpstedt gekommen, aber Gewinn konnte er mit seinen Verkäufen nicht machen. Dazu kamen noch hohe Kosten für die Materialien, die er aus Amerika importieren musste.

Mit einigen seiner Kunden von damals pflegt er auch heute noch freundschaftlichen Kontakt. So auch mit der Künstlerin Sabine Wewer. „Sie kam eines Tages in meinen Laden, sah sich um und wir kamen einfach so ins Gespräch“, so Vriesman. So erfuhr Wewer, dass der Harpstedter auch ein Musiker ist. Er studierte in Holland Klassische Gitarre, experimentierte aber auch mit elektronischer Musik: „Ich habe damals sogar eine CD produziert.“ Eben diese Stücke hat Wewer nun für eines ihrer Kunstvideos verwendet, die zurzeit im Kulturhaus Müller in Ganderkesee gezeigt werden. „Sie hat schon gesagt, dass sie auch für den nächsten Film meine Musik nehmen möchte“, sagt Vriesman.

Er selbst ist bei der Vernissage auch aufgetreten. Dabei präsentierte er einen Mix aus elektronischer Musik, Gitarrenklängen und Raga. Letzteres bezeichnet die Grundstruktur der klassischen indischen Musik. „Ich mische dabei verschiedene Rhythmen, so bleibt es für den Zuhörer interessant.“

Der Musikgeschmack des 47-Jährigen ist genauso vielfältig wie er selbst. „Ich unterscheide eigentlich nicht zwischen den Stilen. Für mich gibt es nur gute oder schlechte Musik“, meint er. „Aber was ich gar nicht mag ist Blues, das ist mir zu traurig.“ Musik ist für ihn eine Kommunikation auf anderer Ebene. Deshalb achte er bei seinen Auftritten immer auf die Reaktion des Publikums. So auch bei seinem geplanten Chill-out-Konzert am Sonnabend im Rahmen des Sommerfestes des „Zentrums Prinzhöfte“.

Von 19 bis 20 Uhr will Vriesman den Zuhörern seine ganz eigene Art von Musik näher bringen. Was genau er dabei spielen wird, weiß der Holländer selbst nicht so genau: „Ich setze mich einfach hin und lasse alles entstehen.“ Er spiele einfach gern mit den Erwartungen. „Jeder hat sein musikalisches Muster, und ich habe eben Spaß daran, diese zu zerstören.“

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