Eine pfiffige Idee macht Schule

Rohmilch direkt aus dem Euter – selbst „gezapft“

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Die Bedienung des Automaten ist denkbar einfach. Torsten Schröder demonstriert hier das „Zapfen“ an der „Milchtankstelle“ seiner Familie.

Klein Ippener - Von Jürgen Bohlken. Eine pfiffige Idee, die nach dem Wegfall der Milchquote voraussichtlich Schule machen wird, hat der Hof Schröder aufgegriffen und schon umgesetzt: Seit kurzem betreibt die Familie am Ort-holzer Weg 2 in Klein Ippener einen Automaten – so weit, so unspektakulär.

Interessant ist der Inhalt: frische Rohmilch, direkt aus dem Euter, gut gekühlt, aber nicht pasteurisiert und nicht homogenisiert. Wer will, kann sie sich selbst gegen Bargeld „zapfen“. Der Liter kostet einen Euro.

„Das ist ja praktisch“, staunte Kai-Uwe Lindenbauer aus Harpstedt, der heute früh auf dem Weg nach Delmenhorst das große Schild wahrgenommen hatte, das an der Landesstraße 776 auf „Schröder‘s Milchtankstelle“ hinweist. Er probierte den Automaten sogleich aus, schob einen kleinen Schein hinein, befüllte eine Flasche und bekam auf Knopfdruck das Rückgeld „ausgespuckt“.

Die „Tankstelle“ sieht sogar recht dekorativ aus. Ein umpflastertes Gartenhäuschen umschließt den Automaten. Darin befinden sich PET- und Glasflaschen, die käuflich zu erwerben sind. „Verpackungskosten“ muss sich aber niemand aufhalsen. Wer schlau ist, bringt selbst eine Flasche mit – und bezahlt dann nur den Inhalt. Der Automat akzeptiert Hartgeld, aber auch Fünf und Zehn-Euro-Scheine.

Mit der „Milch-Tankstelle“ ist die Familie Schröder ein Stück weit zum Direktvermarkter avanciert. Schon seit Jahrhunderten betreibt der Hof Milchwirtschaft. Aktuell hält der Betrieb rund 130 Kühe. Arbeit macht das zusätzliche Automatengeschäft natürlich auch. Das „Herzstück“, ein Edelstahlbottich, der 150 Liter fasst, will jeden Morgen gereinigt, desinfiziert und neu mit Milch befüllt werden. Was die „Öffnungszeiten“ der „Tankstelle“ angeht, können es die Schröders mit jedem Supermarkt oder Kiosk aufnehmen: Der Automat, der das „weiße Gold aus dem Euter“ kühl hält, steht Kunden rund um die Uhr zur Verfügung. Bei Einbruch der Dunkelheit ist er sogar beleuchtet. Ein Strahler in Kombination mit einem Dämmerungsschalter macht‘s möglich. Im Oldenburger Land sind „Milchtankstellen“ noch wenig verbreitet. „In Süddeutschland sieht man sie schon häufiger“, weiß Torsten Schröder, der den Hof in Klein Ippener zusammen mit seinen Eltern Heike und Heinrich Schröder bewirtschaftet.

In die Zeit passt die Idee auf jeden Fall. Verbraucher legen heute mehr denn je Wert auf frische Produkte aus der Region. Sie wollen wissen, woher die Lebensmittel kommen, die sie verzehren. Auch der Verpackungswahnsinn industrieller Produktion geht vielen gehörig gegen den Strich. „Back to the roots“ liegt im Trend. Mittlerweile haben sich in Deutschland Märkte etabliert, die Erzeugnisse – wie früher – in mitgebrachte, wiederverwendbare Behältnisse füllen. Deren Kunden nehmen höhere Preise wegen des üppigeren Personalaufwands in Kauf. Für „Schröder‘s Milchtankstelle“ gilt indes: Das Produkt ist zwar teurer als im Supermarkt, dafür aber ursprünglicher, natürlicher und nicht von einem Tetra-Pak mit begrenzter Recyclingfähigkeit „umhüllt“.

„Das ist gut angelaufen. Wir sind zufrieden“, sagt Torsten Schröder über die ersten Milch-Umsätze am Automaten. Mehr lässt sich ihm dazu allerdings nicht entlocken. „Über Geld spricht man nicht“, sagt der Landwirt schmunzelnd.

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