Rita Calero aus Harpstedt veröffentlicht Roman über ihre Auswanderung

„Man ist nie zu alt zum Träumen“

+
Valery und Rita Calero (v.l.) sprechen gewöhnlich spanisch miteinander. Kein Wunder, schließlich haben die beiden lange in Andalusin gelebt. Darüber hat die 50-Jährige nun ein Buch geschrieben.

Harpstedt - Von Sophie Filipiak. Andalusien – dabei denken viele an Sonne, Tapas, Flamenco und Stierkampf. Rita Calero war vor allem an den spanischen Pferden interessiert, als sie mit 31 Jahren aus Deutschland dorthin auswanderte. Über ihre vielen Erlebnisse – die nicht immer positiv waren – hat die 50-Jährige, die nun in Harpstedt wohnt, einen Roman geschrieben.

„Ich bin schon etwas blauäugig nach Andalusien gezogen“, erklärt Calero. Die quirlige Frau sitzt in ihrer Küche. Überall an den Wänden verteilt hängen Erinnerungsstücke von damals – Bilder oder Reitutensilien. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine typische deutsche Frau. Bis ihre dreizehnjährige Tochter Valery ins Zimmer kommt. Ein Schwall spanischer Wörter ergießt sich aus dem Mund der 50-Jährigen. Valery antwortet in einer Mischung aus Deutsch und Spanisch.

Ihre Vergangenheit ist allgegenwärtig. „Ich wollte nichts von den Ereignissen in Andalusien vergessen“, so Calero. Daher habe sie sich entschlossen, alles in einem Roman niederzuschreiben. „Toros, Träume, Kaktusfeigen – Wie ich versehentlich nach Andalusien auswanderte“ so lautet der Titel ihres Erstlingswerkes. Aber wie kann man denn versehentlich auswandern? „Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, ganze 15 Jahre in dem Land zu verbringen“, sagt sie. Mit 31 Jahren brach sie alle Zelte in Deutschland ab und reiste nach Spanien. „Viele Leute glauben, dass nur junge Leute um die 20 so ein Abenteuer eingehen“, schmunzelt Calero. „Ich sage dann immer: Man ist nie zu alt zum Träumen!“

Sie hatte damals ein Praktikumsangebot bei einem renommierten Trainer in seiner Westernreitschule. „Aber da gab es mehr Schein als Sein“, erinnert sich die Harpstedterin. Sie blieb nur ein paar Wochen dort, dann wurde ihr Wunsch, sich weiterzuentwickeln – vor allem sich auf spanische Pferde zu spezialisieren – größer.

Sie lebte dann mit anderen Pferdefreunden in einer Finka-Ruine – ohne Job, und ihre Ersparnisse gingen auch zur Neige. Da traf sie Manolo Oliva. Er bot ihr ebenfalls ein Praktikum an und erlaubte ihr, ihr Pferd in seinen Ställen unterzubringen. Oliva, damals noch völlig unbekannt, hat sich mittlerweile in Deutschland als Reitlehrer einen Namen gemacht.

Dort lernte Calero, worauf es bei der Dressur von spanischen Pferden ankommt. „Das sind Arbeitstiere, die aber auch – ganz nach dem Geschmack der Spanier – auf Schönheit gezüchtet werden.“ Nach einem Jahr dann endlich der ersehnte Job: Sie ist auf einer einsamen Finka alleinverantwortlich für das Zureiten der Pferde. „Das waren schon harte Bedingungen“, erinnert sich Calero. „Ohne Heizung und teilweise ohne Strom.“ Gefährlich konnte es auch werden. Eines Abend tauchten Einbrecher auf. „Zum Glück kannte ich da schon meinen Mann, der hat dafür gesorgt, dass die Typen schnell wieder verschwanden.“

Ihren Job behielt Calero aber nicht lange. „Richtige Arbeit gibt es in ganz Spanien nicht.“ Sie verdiente Geld als Sprachlehrerin und half in der Tischlerei ihres Mannes aus. Zwei Töchter erblickten das Licht der Welt – da blieb für Pferde kaum Zeit. Die Finanzkrise traf die Familie hart. Der Betrieb musste eingestellt werden. Und Calero stand vor der Entscheidung: In Spanien bleiben und auf den nächsten Job zu hoffen oder nach Deutschland zurückkehren. Sie entschied sich für Letzteres. Calero nahm ihre Töchter sowie ihr Pferd und zog in die Nähe ihrer Schwester in die Samtgemeinde Harpstedt. Heute arbeitet sie als Pädagogin in der Erwachsenenbildung und als Reitlehrerin.

Ihr Buch beschreibt das aufregende Leben in Andalusien, wobei eine Sache immer im Mittelpunkt steht: die Tiere. Für Auswanderer biete der Roman nur wenige Tipps. Fans der spanischen Pferde kommen aber voll auf ihre Kosten.

„Toros, Träume und Kaktusfeigen“ ist für 12,90 Euro in der Buchhandlung „bökers am Markt“ (Burgstraße 1) in Wildeshausen und im „Bücherlädchen“ (Junkernkamp 8) in Harpstedt erhältlich.

Mehr zum Thema:

Lätare-Spende in Verden

Lätare-Spende in Verden

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

Bargfrede und Eilers arbeiten individuell

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

In diese 10 Berufsgruppen haben die Deutschen Vertrauen

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Frau stirbt bei schwerem Unfall in Bassen 

Meistgelesene Artikel

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Entenschlachterei am Westring fällt im Ausschuss durch

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Aldi rechnet mit Neubau an der Harpstedter Straße in 2018

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Vater wird aus Sorge um kranke Tochter zum Betrüger

Herrlichkeit: Denkmalschutz sorgt für Veränderungssperre

Herrlichkeit: Denkmalschutz sorgt für Veränderungssperre

Kommentare