Richtwerte zu Schall und Schattenwurf wären sonst nicht einzuhalten / Kritik am geplanten „Windenergiepark Winkelsett“

Anlagenbetrieb muss begrenzt werden

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Um diese gelb umstrichelte Fläche geht es: Angrenzend an den bestehenden Windpark in Spradau ist ein weiterer in Planung. Im 16. F-Plan-Änderungsverfahren der Samtgemeinde Harpstedt trägt das Areal die Nummer 16.5. Skizze: Plankontor Städtebau Oldenburg

Winkelsett - Von Jürgen Bohlken. Auf bis zu sechs große Windräder im geplanten „Windenergiepark Winkelsett“ müssen sich dieAnwohner einstellen. Die Anlagen, die im Umfeld der siebenschon in Spradau bestehenden Rotoren hinzukommen, werden weniger Strom produzieren, als sie könnten. Um die Einhaltung der Lärm- und Schattenwurf-Richtwerte sicherzustellen, müssen sie teilweise mit reduzierter Leistung laufen. Das Windparkvorhaben findet nicht nur Zustimmung. Das zeigte sich am Montag während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zum eingeleiteten Bauleitverfahren der Gemeinde Winkelsett im Hotel „Zur Wasserburg“.

Planer Hans Meyer erläuterte zunächst den Verfahrensablauf und beschrieb den aktuellen Sachstand. Er zeigte auf, dass viele Bereiche des B-Plan-Geltungsbereiches wegen bestehender Abstandsvorschriften nicht bebaubar sein werden.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde kamen die Anwohner zu Wort. „Im östlichen Bereich liegt ja die Katenbäke, ein Landschaftsschutzgebiet. Muss da ein gesetzlich festgelegter Abstand eingehalten werden?“, lautete eine Frage. Im Zuge der F-Plan-Änderung habe die Samtgemeinde Harpstedt 100 Meter festgesetzt, so Meyer. Die seien „auf jeden Fall einzuhalten“.

Ob dem Rat die drastische Veränderung und Zerstörung des Landschaftsbildes als Folge der 380kV-Leitung und des nun zusätzlich geplanten Windparks sowie die damit einhergehende Minderung des Wertes umliegender Wohnhäuser bewusst sei, wollte ein Zuhörer wissen. Die Windenergieerzeugung sei der Gemeinde Winkelsett sozusagen vorgegeben worden, erwiderte Bürgermeister Willi Beneke. „Wer Windstrom will, bekommt Anlagen, die weithin sichtbar sind. Die können wir nicht wegdiskutieren. Wir haben uns darüber im Rat schon unsere Gedanken gemacht.“

Windstrom bedeute für die Gemeinde Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer, hakte der Bürger nach. „Das auch, ja“, entgegnete Beneke. Dafür die Landschaftszerstörung ganz bewusst in Kauf zu nehmen, vermochte der Anwohner nicht nachzuvollziehen.

„Gemeinde nimmt nur

die Feinsteuerung vor“

„Vielleicht muss man das kurz zurecht rücken“, schaltete sich Bauamtsleiter Jens Hüfner ein. „Die Gemeinde Winkelsett ist ja nicht direkt gefragt worden. Die Grundlage für ihre Bauleitplanung bringt die Samtgemeinde mit der 16. Änderung des Flächennutzungsplanes auf den Weg. Dieses Verfahren läuft seit Jahren. Auf dieser Ebene gab es anfangs eine politische Entscheidung zugunsten von mehr Windenergie.“ Hüfner erwähnte den Prozess, der zur Findung geeigneter Potenzialflächen geführt hatte. Das in der F-Plan-Änderung als Areal 16.5 auftauchende Gebiet in der Gemeinde Winkelsett sei eine der möglichen Sonderbauflächen für die Windenergie, die „jetzt im Verfahren sind“. Die Gemeinde, so Hüfner weiter, hätte gar keinen B-Plan aufstellen müssen. Sie habe das dennoch getan, um über die Bauleitplanung eine „Feinsteuerung“ vorzunehmen und „das Optimale aus ihrer Sicht“ rauszuholen. Ob die Samtgemeinde Einfluss auf die Anlagenhöhe nehmen könne? Im F-Plan sei keine Höhenbegrenzung vorgesehen, so Hüfner. „Das auszugestalten, ist Sache der jeweiligen Mitgliedsgemeinde. Die kann‘s tun, muss es aber nicht.“ Winkelsett will‘s tun: Beschränkungen von 210 Metern und – im östlichen Teil des Geltungsbereichs – 190 Metern sieht der B-Plan-Entwurf vor.

Der Bereich sei ziemlich „zerstückelt“, urteilte ein Zuhörer über den avisierten Standort 16.5 – und die Wohnbebauung nicht weit weg. „Die Samtgemeinde konnte keinen bessere Fläche finden?“, hinterfragte er. Jens Hüfner empfahl daraufhin, sich die zur F-Plan-

„Das ist eine

Fehlplanung“

änderung momentan ausliegenden Unterlagen anzuschauen. Daran lasse sich der aufwendige Findungs-prozess anhand der zugrunde gelegten Kriterien nachvollziehen.

Wenn im vorgesehenen „Windenergiepark Winkelsett“ vier von sechs Rotoren teilweise gedrosselt laufen müssten, um die Vorgaben der TA Lärm zu erfüllen, und auch Einschränkungen im Betrieb der Anlagen wegen der Schattenwurf-Richtwerte nötig seien, liege ja wohl „eine Fehlplanung“ vor, schlussfolgerte ein Anwohner. „Ich kann nicht verstehen, wie man das als gute Planung darstellen kann“, fügte er hinzu. „500 Meter zu Wohnbebauung? In anderen Ländern läuft unter der zehnfachen Nabenhöhe gar nichts. Wären solche Mindestabstände auch bei uns vorgeschrieben, säße heute keiner hier und würde sich dafür interessieren.“ Es reiche nicht aus zu sagen: „Schau dir an, wie die Planung zustande gekommen ist!“ Hüfner erwiderte, die Politik habe es sich nicht leicht gemacht, aber Beschlüsse gefasst, die nun umzusetzen seien.

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