Betreiber hoffen auf Hilfe

„Rescue Ranch“-Gnadenhof bangt um Existenz: Plagende Ängste und viel Arbeit

Ein Herz und eine Seele: Anja Poppinga mit den Kaltblütern Brenda und Bruno.
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Ein Herz und eine Seele: Anja Poppinga mit den Kaltblütern Brenda und Bruno.

Dem „Rescue Ranch“-Gnadenhof in Dünsen droht das Aus. Arbeit ohne Ende und ein hoher finanzieller Aufwand belasten die Betreiber.

Dünsen/Kirchseelte – „Wir kommen gar nicht dazu, das zu genießen, was wir hier geschaffen haben“, bedauert Anja Poppinga (53). Jede freie Minute verbringen die Kirchseelterin und ihr Lebensgefährte, der Berufskraftfahrer Frank Grüneberg (54), auf ihrer „Rescue Ranch“ in Dünsen, einem Gnadenhof für Pferde, Ponys und Esel. „Wir haben gar keine Freizeit mehr. Eine Auszeit wäre schön“, seufzt Poppinga.

Deutlich schwerer aber wiegen die sie plagenden Ängste: Das Szenario, den Pferdeschutzhof womöglich wieder beerdigen zu müssen, mag sie sich nicht ausmalen. „Das hier ist mein Leben“, bekräftigt die 53-Jährige, die seit 32 Jahren aktiv Tierschutz betreibt.

Geld für „Rescue Ranch“-Gnadenhof ist endlich

Doch die finanziellen Eigenmittel, die der Gnadenhof aufzehrt, sind endlich: Heu, Tierarztrechnungen, Medikamente, Pacht, Zaunlitze, Wasserbehälter, Versicherung, Seuchenkasse und anderes mehr schlagen zu Buche. Und immer neue Kosten kommen hinzu: Eine Heuraufe für die Großpferde oder auch eine Dränage stehen neben anderen Dingen auf dem „Wunschzettel“.

Klar, das seien „selbst gemachte Leiden“, wissen die „Rescue Ranch“-Betreiber. Gleichwohl wären sie für Spenden dankbar, auch für Sachspenden – etwa in Form von Heu, Stroh, „Müsli“-Futter, Holz und anderen Baustoffen. Helfen würde ihnen zudem eine ehrenamtliche Mitarbeit von Tierfreunden, die auf dem Gnadenhof gelegentlich mit anpacken möchten oder Gefallen daran finden, den Pferden und Eseln Zeit zu schenken. Wer Unterstützung leisten will, kann sich unter Telefon 0176/407 259 29 melden.

Kontakt zum „Rescue Ranch“-Gnadenhof auch per Facebook

Ebenso ist es möglich, Kontakt über die Facebook-Gruppe „Tierhilfe Anja Poppinga“ mit ihren inzwischen über 900 Mitgliedern aufzunehmen. Poppinga bekommt viele Hinweise auf Tierleid, denen sie nachgeht. Sie fährt hin und spricht die Halter gegebenenfalls auf die Zustände an. Im Zusammenhang mit geplanten Vermittlungen von Straßenhunden und anderen Tieren prüft sie zudem, ob bei den Adressaten die nötigen Voraussetzungen für eine vernünftige, artgerechte Haltung gegeben sind.

Dass die Pferdeschutzhof-Idee Konturen annahm, hängt mit einer Pflegestelle zusammen, auf der Pferde regelrecht „runtergerockt“ worden seien, berichtet Anja Poppinga. Besonders schlimm habe es die inzwischen 16 Jahre alte Rappstute Mariequita getroffen. Sie hätte auf Anraten einer Tierärztin sogar eigentlich eingeschläfert werden sollen. Das wollte Anja Poppinga unbedingt verhindern. Sie nahm die Stute und zusätzlich das Pony Nelly in ihre Obhut.

Nachdem eine Bekannte aus Bassum als Halterin übergangsweise eingesprungen war, ergab sich für das Paar aus Kirchseelte eine Weidepachtgelegenheit in Dünsen. Seit Ostern besteht der Gnadenhof nunmehr. Die Betreiber haben für Unterstände schon reichlich Holz verbaut und obendrein ein Weidezelt angeschafft.

Zutraulich: die Esel Sir Oskar und Sir Henry.

Mit Sir Henry und Sir Oskar, zwei Eseln, bekamen Mariequita und Nelly Gesellschaft. Poppinga und Grüneberg erinnern sich gut an den „Hilferuf aus Nienburg“, der den Stein ins Rollen gebracht hatte: Ein 86-Jähriger sei aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage gewesen, sich um seine etwa zehn Esel zu kümmern. Nachdem er auf der Weide zusammengebrochen sei, habe ein Enkel beschlossen: „Die Tiere kommen weg.“ Sie wurden vermittelt. Die beiden Esel, die sich auf der „Rescue Ranch“ wiederfanden, waren anfangs verängstigt, abgemagert und stark vernachlässigt. „Jetzt sehen sie wieder richtig gut aus, sind zutraulich und total lieb. Das habe ich nicht zuletzt meinem bei uns lebenden Enkel Linus zu verdanken, der mit gerade mal vier Jahren ganz rührend und fürsorglich mit ihnen umging. Der Junge hat es wirklich geschafft, dass die Tiere zur Ruhe gekommen sind“, freut sich Anja Poppinga.

Mit den Kaltblütern Bruno (12 Jahre) und Brenda (21) erhöhte sich die Zahl der „Gnadenbrot-Tiere“ auf sechs. Der Platz in Dünsen würde zwar für zwei weitere Pferde oder Esel reichen, das Geld aber nicht. Anfragen nach einer Aufnahme zusätzlicher Tiere gibt es indes zur Genüge.

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„Bei Brenda war es so, dass die Vorbesitzer sie von einem Markt in Holland kauften, weil Bruno nach dem Tod eines anderen Pferdes plötzlich allein war. Sie konnten die Tiere aber gar nicht halten. Und Brenda ließ niemanden an sich ran“, entsinnt sich Anja Poppinga. Der belgischen Kaltblutstute, lange als Kutschpferd genutzt, war der Schweif kupiert worden. „Als wir Brenda zu uns nahmen, hatte sie ganz starke Mauke. Da waren schon Fliegen drin“, sagt die 53-Jährige. Das Tier, das kaum mehr laufen konnte, musste sediert werden, ehe es dem Hufschmied möglich war, zur Tat zu schreiten: „Er hat etliche Zentimeter von den Hufen wegschneiden müssen. Daran war bestimmt zwei Jahre nichts mehr gemacht worden“, schätzt Frank Grüneberg. Brenda widmet er sich nun selbst verstärkt. Inzwischen lasse sie sich auch das Einsprühen gegen die Mauke gefallen, sagt er.

„Wir hatten die Befürchtung, dass sie sich hinlegt und stirbt“

„Vor einigen Wochen hätte Brenda dich noch umgerannt. Du konntest rein gar nichts mit dem Tier machen. Wir hatten die Befürchtung, dass sie sich hinlegt und stirbt“, verrät Anja Poppinga. Die dringend gebotene Hufpflege sei schließlich mithilfe von ins Maul gespritzter Sedierpaste gelungen. Brenda sei nun wesentlich ausgeglichener und umgänglicher.

Ähnlich positiv verlief die Entwicklung bei Mariequita. „Wir haben ein Lob von Tierarzt Dr. Christian Alms bekommen. Er hat die Stute gesehen und geurteilt, es wäre ein großer Fehler gewesen, wenn sie eingeschläfert worden wäre“, erzählt Anja Poppinga. Sie hofft, dass es mit Unterstützung gelingt, den Gnadenhof zu erhalten, damit die Pferde und Esel dort wirklich bis zu ihrem Lebensende ein würdiges Dasein fristen können und nicht „wie Wanderpokale durch Hände gereicht werden“.

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